Die Virtuosen von Split geben ihre Visitenkarte ab

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Ensemble aus Split spielt im Celloherbst erstmals außerhalb Kroatiens und möchte in einer venezianischen Nacht mit warmen Klängen aus Südeuropa die Zuhörer in einer kühlen Kirche wärmen.

Holzwickede

, 07.10.2018, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kühl dürfte es werden, wenn die Virtuosen von Split zusammen mit den Solistinnen Felicitas und Pauline Stephan beim Celloherbst in der evangelischen Kirche am Markt auftreten. Der Termin steht für Samstag, 3. November, im Kalender und weil die Kirche nicht wärmer als 17 Grad beheizt werden darf, hat Intendant Uli Bär den Ensemble-Leiter bei einem Besuch unter der Woche bereits vorgewarnt: „Wladimir, sag deinen Musikern, sie sollen sich warm anziehen.“

Kälte, sollte man meinen, dürfte dieser Wladimir Kossjanenko nicht gewohnt sein. Schließlich lebt er in Kroatien, lehrt an der Kunstakademie von Split Viola, Kammermusik und Streichquartett. Aber der Name verrät bereits, dass Kossjanenko auch andere Bedingungen kennt: „Als ich als Student Prüfungen hatte, waren es minus 35 Grad.“ Der gebürtige Kasache studierte zu Sowjet-Zeiten am Konservatorium in St. Petersburg, das damals noch Leningrad hieß, ehe er 1991 nach Wien zog. Er folgte der Einladung des Gustav-Mahler-Jugendorchesters und blieb für 17 Jahre in Wien. „Die Zeit hat mich geprägt. Ich spielte auch bei den Wiener Philharmonikern. Ein Mal sogar unter Johannes Wildner“, sagt Kossjanenko. Der wiederum war zwischen 1997 und 2007 Generalmusikdirektor der Neuen Philharmonie Westfalen und gestaltet den Celloherbst-Abend mit Daniel Müller-Schott am kommenden Mittwoch (siehe Text unten).

Berufsmusiker kommen zwangsläufig in der Welt umher, knüpfen überall ihre Kontakte. So lernte Felicitas Stephan auch Wladimir Kossjanenko kennen, auf einem Festival in Rumänien. „So entstehen Netzwerke und findet man immer neue Persönlichkeiten für das eigene Festival“, sagt die künstlerische Leiterin des Celloherbstes.

Tochter Pauline und Felicitas Stephan werden am 3. November ebenfalls spielen, erstmals gemeinsam als Solistinnen. „Pauline ist zwar Teil der 12 Hellweger Cellisten, aber in der Form ist das für uns auch eine Premiere. Das ist schon besonders“, sagt die Opherdickerin zum Auftritt mit der 21-jährigen Tochter, die an der Musikhochschule Münster studiert. Mutter und Tochter spielen mit den Virtuosen von Split Vivaldis Doppelkonzert g-moll für zwei Violoncelli. Zudem stehen Werke von Albinoni und Rossini auf dem Programm.

Die Virtuosen von Split geben ihre Visitenkarte ab

Felicitas Stephan und Uli Bär haben Wladimir Kossjanenko (Mitte) am Donnerstag bereits seinen Einsatzort gezeigt – die evangelische Kirche am Markt. greis © Greis

Wladimir Kossjanenko indes freut sich auf die ersten Auftritte außerhalb Kroatiens, die auch mit Hilfe der Stadt Split und des kroatischen Kulturministeriums zustande kamen. Zehn Musiker umfasst das Ensemble für die Auftritte in Deutschland. Nach der Gründung 2012 haben die Musiker bislang nur in Kroatien gespielt. Bei ihren ersten Auslandsauftritten wollen sie eine Visitenkarte ihrer Herkunftsstadt hinterlassen. Die Virtuosen von Split spielen auch in Hamm und Kamen. „Unsere Musik soll die Wärme, das Klima und die Lebensfreude Splits vermitteln und den Menschen Lust machen, Split einen Besuch abzustatten“, sagt Kossjanenko.

Das venezianische Motto des Abends werde zwar von Vivaldi geprägt, gehe aber durchaus eine Verbindung zu Kroatien ein. Schließlich habe Venedig einst einen großen Einfluss auf die Städte an der Adria gehabt.

Überhaupt ist der Celloherbst angehalten, das kulturelle Erbe in Europa sicht- und hörbar zu machen. Und auch hier zeigt sich, wie wichtig Kultur für einen länderübergreifenden Austausch ist und schließt sich ein Kreis: Wie Kossjanenko kam auch Vivaldi einst nach Wien. „1739 war das. Sein Glück hat er dort aber nicht gefunden. Er starb 1741 in Wien“, weiß Kossjanenko.

Zu viele Parallelen muss man dann doch nicht ziehen: Im Gegensatz zum venezianischen Komponist hat der gebürtige Kasache, der sowohl einen österreichischen als auch einen kroatischen Pass besitzt, sein Glück einst in Wien gefunden.

Der Cello-Virtuose Daniel Müller-Schott ist seit Jahren fester Bestandteil des Celloherbstes am Hellweg, ist in diesem Jahr zum zweiten Mal Schirmherr des Festivals. Er selbst bezeichnet den Celloherbst laut der künstlerischen Leiterin Felicitas Stephan als größtes Cellofestival weltweit. Gesichert ist das zwar nicht, aber Müller-Schott dürfte es wissen, ist er doch seit gut 20 Jahren auf den international bedeutenden Bühnen dieser Welt unterwegs. Der Celloherbst begann am 22. September und läuft noch bis 24. November an 20 Spielorten in Westfalen. In Holzwickede wird Daniel Müller-Schott am Mittwoch, 10. Oktober, zusammen mit Dirigent Johannes Wildner und dem Kammerorchester des Orchesterzentrums NRW in Dortmund den Abend mit Werken von Tschaikowsy gestalten. Karten für das Konzert am Mittwoch lassen sich über das Celloherbstbüro unter Tel. (0163) 6409246 reservieren. Alternativ geht auch E-Mail: info@celloherbst.de Tickets kosten im Vorverkauf 17 Euro (12 Euro) und an der Abendkasse 20 Euro (15 Euro). Infos zu Terminen und Ticketpreisen finden sich auf der Festival-Webseite www.celloherbst.de
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