Rohre aus Holzwickede: Die Vincenz Wiederholt GmbH feiert in diesem Jahr 100. Geburtstag. Die Anfangsjahre des Unternehmens sind so spannend wie widersprüchlich.

Holzwickede

, 25.01.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wilhelm Hochgräber hatte schon damit gerechnet, dass sein Vortragsthema auf Interesse stoßen könnte – es gab einige Voranmeldungen bei der VHS für sein Referat über Vincenz Wiederholt und die Anfangsjahre seines Unternehmens – das sei durchaus ungewöhnlich. Am Donnerstagabend drängten sich dann 65 Gäste in die Seniorenbegegnungsstätte.

Von jung bis alt – auf die Frage, wer einen direkten Bezug zu den VW-Werken habe, gingen die Hände in die Höhre. Mehr als die Hälfte der Anwesenden war oder ist bei der Wiederholt GmbH angestellt. Das nutzte Wilhelm Hochgräber immer wieder für Fragen in die Runde.

So entspannen sich mitunter lebhafte Diskussion. Zum Beispiel darüber, ob die Ende der 1930er-Jahre erbauten Werkshäuser an der Lessingstraße von Beginn an den Bewohnern gehörten oder zunächst vermietet wurden. Während eine Frau sicher war, dass das Elternhaus stets in Familienbesitz war, sie auch die entsprechenden Dokumente habe; waren andere Gäste der Meinung, dass die Häuser einst zum Firmenbesitz gehörten.

Die Vincenz Wiederholt GmbH beschäftigt Historiker und Holzwickeder

Das Foto zeigt das Firmengelände im Jahr 1957 aus westlicher Richtung. © Gemeindearchiv

Ob zum „Patent-Wäschepfahl“ nicht nur der originelle Klemmverschluss, sondern auch der Pfahl gehörte, war eine weitere Detailfrage. Einigen Gästen war das Produkt aus der Nachkriegszeit ein Begriff und eine Frau war sicher: „Der Pfahl gehörte dazu.“

So wurde der Abend auch für Hochgräber selbst sehr lehrreich. „Lassen Sie mir mal ihre Kontakte da?“, richtete er das Wort an die Dame mit dem Elternhaus an der Lessingstraße.

Der Geschäftsführer klärt auf

Über das genaue Gründungsdatum, bei dem Hochgräber zwischen 1918 und 1919 schwankte, wusste hingegen Wiederholt-Geschäftsführer Martin Krämer zu berichten: „Die Firma wurde im Februar 1919 angemeldet“. Damals war Teilhaber Hugo Mayweg noch an Bord, hieß das Unternehmen zunächst Mayweg&Wiederholt.

Nach dem Ausscheiden Maywegs 1935 wurde die Firma in „V.W.-Werke Vincenz Wiederholt“ umbenannt. Wurden in den Monaten vor der offiziellen Firmengründung noch Autos repariert, sorgte in der Folge die Rohrproduktion für einen kometenhaften Aufstieg. Mitte der 1920er-Jahre wurden rund 80 Prozent der Güter ins Ausland exportiert und standen bereits 250 Arbeiter in Lohn und Brot.

Sprachbegabter Kaufmann und NSDAP-Mitglied

Hochgräber widmete sich auch der Person Vincenz Wiederholt, die sich schwer einordnen lässt. Einerseits war Wiederholt weltgewandter und sprachbegabter Kaufmann, andererseits auch NSDAP-Mitglied. Ob aus wirtschaftlichem Kalkül oder Überzeugung? „Ich glaube, beides trifft zu“, sagt Hochgräber. Möglicherweise liefert die Festschrift zum 100. Wiederholt-Geburtstag von Kreisheimatpfleger Peter Kracht neue Erkenntnisse, die im Laufe des Jahres erscheint.

Festschrift zum 100. Geburtstag

120 Seiten zur Geschichte der Firma Wiederholt

Zum 100. Geburtstag gibt die Wiederholt GmbH eine Festschrift heraus, die von Kreisheimatpfleger Peter Kracht erstellt wird. Der Historiker konnte auf das Firmenarchiv zugreifen und hat auch Dokumente zur Person Wiederholt aufgespürt, die im Besitz eines Kollegen waren. Inhaltlich liegt Kracht in den letzten Zügen. Die rund 120 Seiten starke Festschrift soll im April oder Mai erscheinen – auf deutsch und später auch auf chinesisch. Die VW-Werke gehören zur chinesischen Zhongding Group.
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