Die russischen Sänger beweisen eine musikalische Perfektion von der Oper bis zum Volkslied

dzSchwarzmeer-Kosaken

Begeisterten Beifall gibt´s nicht nur am Schluss des Konzerts. Immer wieder klatscht das Publikum lebhaft mit. Peter Orloff animiert die Zuhörer. Er ist eben auch ein guter Entertainer.

von Rainer Ehmanns

Holzwickede

, 06.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Der ehemalige „König der Schlager“, mit 14 Jahren schon Mitglied und nach seiner Zeit als Schlagerstar heute Leiter des stimmgewaltigen Chores, steht allerdings mit einer Stimmbandreizung auf der Bühne, weshalb Bassist Stefan Arininsky Orloffs Partien sowie die Moderation übernimmt. Das tut dem nachhaltigen Eindruck des zehnköpfigen Ensembles unter Dirigent Nasko Kirtscheff keinerlei Abbruch.

Denn schon in den einleitenden Klängen des Bajan, dem russischen Knopfakkordeon, der Kontrabass-Balalaika und der Domra, einem viersaitigen Zupfinstrument, spüren die Zuhörer die noch verhaltene Kraft der summenden Stimmen, die sich später gemeinsam wie solistisch zu einer enormen Klangfülle steigern sollen. Gemeinsam wird das orthodoxe „Vater unser“ vor stehendem Publikum gesungen, das nach Arininskys Bitte weitgehend auf Applaus verzichtet, um diesen nach den weiteren Stücken der ersten Hälfte umso kräftiger zu spenden. Die setzen sich zusammen aus „Die 12 Räuber“, wobei Stefan Arininsky mit seinem gewaltigen Bass vom Räuber Kudijar erzählt, der ins Kloster geht und Mönch wird. Schuberts „Ave Maria“ zelebriert Fjodor Kunitsky mit strahlendem Tenor über dem Schmelz des Chores und setzt mit Dimitri Bortnjanskijs „Ich bete an die Macht der Liebe“ ein weiteres Glanzlicht. Der Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“ suggeriert in seiner Stimmgewalt ein Mehrfaches an Stimmen. „Nessun dorma“ aus Puccinis „Turandot“ weist Fjodor Kunitzky als glanzvollen Solisten aus, der wie die weiteren Solisten immer wieder begeisterten Applaus erhält. Exzellente Stimmen besitzt dieser Chor!

Eine ungebrochene Anziehungskraft

Sonore Tiefen der schwarzen Bässe, gewaltige, den Kirchenraum mühelos füllende mittlere Lagen und strahlende Höhen der Tenöre bis ins makellose Falsett belegen die musikalische Perfektion der hervorragend ausgebildeten und scheinbar alterslosen Stimmen, die für jede Opernbühne ein Gewinn wären.

Kongenial dazu die Instrumentalisten! Irina Kripakova spielt einfühlsam die Domra, ihr Mann, der Bariton Slava Kripakov, die Kontrabass-Balalaika mit Temperament und Ilja Kurtev zaubert auf dem Bajan virtuose Läufe, etwa in Tschaikowskys „Schwanensee“, der „Barinja“ oder „Von Kiew nach Petersburg“.

Zahllose Konzerte in der Vergangenheit, Fernsehauftritte dieses mit den Don-Kosaken vergleichbaren Chores belegen nicht nur die ungebrochene Anziehungskraft beim Publikum, sondern auch die Perfektion, mit der das Ensemble die Stimmung steigern kann und für Atmosphäre sorgt.

Die Kommunikation mit dem Publikum durch Gesten, humorvolle Einlagen oder Animation zum Mitklatschen „sitzt“ einfach.

In der zweiten Hälfte nimmt der Chor das Publikum mit auf die Reise zu alten russischen Volksliedern und Balladen, die von den Zuhörern schnell wiedererkannt und mitgesummt werden. So mancher wiegt sich dazu im Takt.

Da dürfen „Auf der Straße nach Petersburg“, „Daroga Dlinaja“, dem westlichen Publikum eher bekannt als Mary Hopkins´ „Those were the days, my friend“, die „Abendglocken“, das „Lied der Wolgaschlepper“ und natürlich „Kalinka“ nicht fehlen.

Mit „Guten Abend, gute Nacht“ verabschiedet sich der Chor stimmungsvoll. Das Publikum summt gerührt mit, applaudiert stehend und spendet am Ausgang für ein soziales Projekt Orloffs, der in Malawi eine Schule für 240 Mädchen errichten will. Gelebte Solidarität!

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