Im Umweltausschuss gab es ein vorherrschendes Thema: Bäume. Ob Fällung für einen Kita-Neubau, Rückschnitt oder Umpflanzung für den Rathausanbau - auch zahlreiche Bürger meldeten sich zu Wort.

Holzwickede

, 11.12.2018, 15:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass der Umweltausschuss der Gemeinde so zahlreich Bürger anlockt, ist selten. Die anstehenden Entscheidungen über Baumfällungen, Umpflanzungen und Rück- oder Pflegeschnitte aber lockten viele Bürger in den Sitzungssaal. Und diese Bürgen nutzen nicht nur die Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung. Sie nahmen auch an den Diskussionen teil, baten immer wieder ums Wort, das ihnen die Politikerinnen und Politiker dann auch gewährten.

Gleich zu Beginn der Sitzung hatte sich der Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Park“, Peter Steckel, zu Wort gemeldet, um nachzufragen, ob der Verwaltung bewusst sei, dass eine Fällung der Bäume für die Errichtung der Kita im Emscherpark frühestens im Oktober 2019 möglich sein werde. Steckel nahm Bezug auf ein Gutachten der Firma „Grünplan“ vom August 2018. Dort wurden Vorgaben für die Baumfällung dargelegt. Konkret ging es Steckel um einen eventuellen Fledermausbesatz insbesondere in der zu fällende Säulen-Pappel und der Rot-Eiche. Kontrollen müssten im Oktober durchgeführt werden. Auf die Antwort von Fachbereichsleiter Uwe Nettlenbusch, die Vorgabe werde berücksichtigt, erklärte Steckel: „Dann warten wir bis Oktober.“

Baumfällungen für die Kita genehmigt

Die Frage, ob für den Bau der Kita im südlichen Bereich des Emscherparks Bäume gefällt werden dürfen, wurde sodann vom Ausschuss recht schnell beantwortet. Mit 14 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen stimmte der Ausschuss für die Fällung von vier Bäumen. Für den Bürgerblock erklärte Frank Niehaus, mit der Fläche nicht einverstanden zu sein. Zudem reiche es nicht aus, im Gegenzug eine Fläche im Festplatz zu begrünen.

„Der Mensch ist wichtiger als der Baum.“
Friedrich-Wilhelm Schmidt, SPD

Um dem Bau der Kita aber nicht im Wege stehen zu wollen, so Niehaus, wolle sich der Bürgerblock enthalten. „Wir wollen nicht die Themen Kita und Bäume gegeneinander ausspielen“, brachte es Dietmar Appel von den Grünen auf den Punkt. So sah das auch die CDU, die laut Dieter Buckemüller nur unter „Berücksichtigungen aller Vorschriften“ der Fällung zustimme. Auch Buckemüller machte noch einmal deutlich, dass die CDU den Standort im Park nicht für die beste Wahl halte.

Gefällt werden nun drei Birken und eine Weide. Diese Bäume unterliegen der Baumschutzsatzung. Eine Kiefer und eine Lärche sollen auch gefällt werden. Diese Nadelgehölze unterliegen nicht der Baumschutzsatzung.

Lob gab es von allen Fraktionen für das Versprechen des Kita-Trägers, die Awo, Ersatzpflanzungen vorzunehmen, obwohl diese gar nicht vorgeschrieben sind.

Jubiläumsbäume bekommen einen neuen Standort

Ein weiterer Tagesordnungspunkt waren die Baumfällungen, die für den Um- und Anbau des Rathauses vorgenommen werden müssen. Auch hier gab der Ausschuss grünes Licht. Hier brachte es Friedrich-Wilhelm Schmidt (SPD) auf den Punkt und argumentierte: „Der Mensch ist wichtiger als der Baum“. Ohne Fällungen von zehn Bäumen kein neues Rat- und Bürgerhaus. Drei der zehn Bäume sind aufgrund des geringeren Stammumfangs nicht von der Baumschutzsatzung betroffen. Bei zwei Bäumen handelt es sich um Nadelbäume, die ebenfalls nicht geschützt sind. Der Beschluss erfolgte einstimmig. Verabredet wurde, die Ersatzpflanzungen auf der Kita-Fläche im Emscherpark vorzunehmen.

Und: Die Jubiläumsbäume, die zum 100. Geburtstag des Rathauses gepflanzt wurden, bekommen einen neuen Standort. Auch sie müssen dem Rathausanbau weichen und werden künftig auf dem Gelände der neuen Kita im Emscherpark wachsen.

Pflegeschnitt statt Kronenrückschnitt der Bäume an der Lessingstraße

Der Entscheidung über diese beiden noch jungen Jubiläumsbäume (2015 gepflanzt) folgte eine längere Diskussion über einen Bürgerantrag zum Baumbestand an der Lessingstraße. Dort stehen etwa 100 Kugelahornbäume. Und sie, so wünschen es Anwohner, sollten einen Kronenrückschnitt erhalten. Als Grund führten die Bürger nicht nur an, dass die Bäume so groß sind, dass sie Lkw bei der Durchfahrt behindern, dass sie nah an die Häuser herangewachsen sind. Sie beklagten auch, dass die Blätter der Kronen die Sicht behindern und es in Wohnungen viel zu dunkel ist. Die Bürger kritisierten auch die mangelnde Beleuchtung der Gehwege, kaputte Gehwege. Sie gaben an, dass das Laub in so großen Mengen anfalle, dass sogar die Kehrmaschine des Baubetriebshofes Probleme habe.

Die Politik entscheidet über Leben oder Sterben von Bäumen, die in der Gemeindemitte wachsen

Zum 100. Geburtstag des Rathauses pflanzte Bürgermeisterin Ulrike Drossel auch an der Poststraße zwei Jubiläumsbäume. Diese beiden Bäume müssen nun umgepflanzt werden. © Vormbrock

Auch kritisierten sie den Gesamteindruck der Lessingstraße und gaben an, dass der Aschestreifen der Straße nicht mehr regelmäßig gesäubert werde. Die Verwaltung hatte von einem Rückschnitt der Bäume abgeraten, würde dieser doch den Bäumen schaden. Dass die Verwaltung aber mit keinem Wort in der Sitzungsvorlage die übrigen Kritikpunkte der Anwohner beantwortet habe, kritisierte Lars Berger (FDP) scharf. „Das Anliegen der Bürger sollte auch ernst genommen werden“, schimpfte er. So jedenfalls sei es der FDP unmöglich, dem Antrag zuzustimmen oder ihn abzulehnen. Die FDP enthielt sich. Die übrigen Fraktionen stimmten für einen Pflegeschnitt und gaben das Versprechen ab, die Situation an der Lessingstraße beobachten zu wollen.

Die Politik entscheidet über Leben oder Sterben von Bäumen, die in der Gemeindemitte wachsen

An der Parkstraße mussten zwei Birken gefällt werden. Sie waren krank. © Marcel Drawe

Die Bürger hatten sich mehr erhofft. So wie sich die Anwohner des Saarbrücker Weges erhofft hatten, für drei gemeindeeigene Bäume am Spielplatz nördlich des Saarbrücker Weges eine Fällung zu erwirken. Die Buchen würden den Tageslichteinfall reduzieren, Verschmutzungen der Dächer und des Abwasserkanals verursachen. Der Antrag wurde einstimmig abgelehnt. Die Bäume bleiben stehen.

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