19,5 Millionen Euro. Mit diesen Gesamtkosten plant die Gemeinde für den Umbau des Rathauses. Die aktuelle Kostenberechnung liegt 212.000 Euro darüber. Die Gemeinde sieht aber Sparpotenzial.

Holzwickede

, 26.10.2018, 15:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für den Rathausumbau geht es in die entscheidende Phase. Nicht umsonst tagt am kommenden Dienstag zunächst der Planungs- und Bauausschuss außerordentlich. Im Anschluss kommt auch der Rat der Gemeinde zusammen, um die aktuelle Kostenberechnung abzusegnen oder abzulehnen.

Nach einer ersten qualifizierten Kostenschätzung stiegen die Kosten von 8,5 Millionen Euro im Frühjahr auf 19,5 Millionen Euro. „Dabei muss man bedenken, dass sich die 8,5 Millionen Euro immer nur auf den reinen Baukörper bezogen haben“, sagt Wirtschaftsförderer Stefan Thiel. In die Gesamtkosten würden aber auch die Erschließung, Außenanlage, Ausstattung, Planung, Umzug in den Eco Port und die Verlegung einer Trafo-Station an der Poststraße einfließen. Ebenfalls flossen in die Kostenschätzung bereits rund 1,6 Millionen Euro für unvorhergesehne Ausgaben ein.

Die Kosten für den Rathausumbau übersteigen noch das Budget

Diesen Entwurf der Architekten gilt es umzusetzen – für insgesamt rund 19,5 Millionen Euro. Das ist das Limit, das sich die Verwaltung gesetzt hat. © Archiv

Nach der Kostenschätzung erfolgte über die Sommermonate die Kostenberechnung. Die Zahlen dazu liegen nun vor und weisen eine Summe von rund 19.740.000 Euro aus. Damit liegt die Gemeinde aktuell noch rund 210.000 Euro über dem selbstgesetzten Limit von 19.530.000 Euro. Bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs Mitte Oktober machte Kämmerer Rudi Grümme unmissverständlich klar: „Mehr geht nicht.“ Stefan Thiel und Christian Grimm, Fachbereichsleiter Finanzen, bekräftigen im Gespräch mit dieser Redaktion, dass diese Summe die absolute Obergrenze darstelle.

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Die Kostensteigerung auf rund 19,7 Millionen erklärt sich hauptsächlich aus einer Baupreissteigerung um 2,5 Prozent zwischen dem 4. Quartal 2017 und dem 2. Quartal 2018. Diese Steigerung betrifft alle Bauwerkskosten und macht rund 300.000 Euro aus. Diese Kosten werden über die 1,6 Millionen Euro in Reserve abgegolten. Von den verbliebenen 1,3 Millionen Euro sind rund 266.000 Euro für den Baukörper vorgesehen. „Wir haben die Bausubstanz des Rathauses genau geprüft. Aber mit Überraschungen muss man immer rechnen“, sagt Thiel. Die restlichen rund eine Million Euro sind vorgesehen, um eine etwaige weitere Baupreis-Steigerung auszugleichen.

Zieht man von den aktuell 19,7 Millionen Euro alle zusätzlichen Kostenfelder ab und schaut nur auf die reinen Um- und Neubaumaßnahmen, dann verbleibt eine Summe von rund 12,9 Millionen Euro. Mit der inkludierten Reserve-Million ließe sich eine Baupreissteigerung von circa acht Prozent ausgleichen.

Verschiedene Leistungsphasen

Kostenschätzung versus Kostenrechnung

Mit der aktuellen Kostenrechnung wurde Leistungsphase drei abgeschlossen. Die Kostenschätzung, die im Frühjahr veröffentlicht wurde, bildete Phase zwei. Projektplanerin Meredith Atkinson vom zuständigen Architekturbüro Bez+Kock sagte im Frühsommer, dass man eine sogenannte „qualifierte Kostenschätzung“ vorgenommen habe, die bereits sehr viele Daten berücksichtige. Sie rechnete damals nicht damit, dass die Kosten nach Ende von Phase drei in die Höhe schnellen würden. Christian Grimm und Stefan Thiel sehen das nach Abschluss der dritten Phase und in der nun vorliegenden Kostenberechnung bestätigt.

„Wir berufen uns dabei auf empirische Werte des Projektsteuerers und den Erfahrungswerten der Architekten“, sagt Thiel. Aktuell liegt die Kostenrechnung dem Projektsteuerer vor. „Da wird nochmals geprüft, ob die Kalkulation realistisch ist“, sagt Grimm. Ein erster Zwischenbericht würde dies laut Thiel bereits bestätigen und Einsparpotenzial aufzeigen.

Grundstück soll verkauft werden

Nicht vergessen: 210.000 Euro müssen vom Gesamtpreis noch runter, die sind nicht in der Reservesumme vorgesehen. Einsparpotenzial ist durch den späteren Verkauf der Allee 10 bereits eingeplant. 400.000 Euro Erlös rechnet die Gemeinde hier ein. „Das bezieht sich vor allem auf den Grundstückswert, weniger auf das Gebäude“, sagt Grimm. Aktuell sitzt hier der Fachbereich Technische Dienste.

Grimm und Thiel deuten an, dass die Gemeinde auch bei der Einrichtung noch sparen könne. Das ist aktuell auch schon passiert: Rund 155.000 Euro fallen weg, weil die Gemeinde die Ausstattung übernimmt, die sie am Rhenus Platz 3 vorfindet. Für die Zeit des Umbaus wird ein Großteil der Verwaltung hierhin umziehen und die Einrichtung des Vormieters nutzen: der Firma Rhenus. „Statt nach dem Umbau neu zu kaufen, nehmen wir dann die Einrichtung mit. Die ist gut erhalten“, sagt Thiel.

Die Kosten für den Rathausumbau übersteigen noch das Budget

Ein Großteil der Verwaltung bezieht für die Zeit des Umbaus Büros am Rhenus Platz 3. © Sarad

Der Wirtschaftsförderer ist zuversichtlich, dass man die sechsstellige Summe von den Gesamtkosten wird streichen können. „Man sollte auch nicht vergessen, dass wir bereits die Förderung für das Projekt sicher haben“, sagt Thiel. Ein Großteil der Kosten wird zu 60 Prozent gefördert. 3,7 Millionen Euro sieht das Städtebauförderprogramm allein für den ersten Bauabschnitt vor. Schafft es die Gemeinde, die Kosten unter das Budget von rund 19,5 Millionen Euro zu drücken, läge der Eigenanteil für die Gemeinde bei rund 8,5 Millionen Euro.

An der Ausstattung des Rat- und Bürgerhauses könne man am ehesten den Rotstift ansetzen. Dem sind in der Vergangenheit bereits die Pläne für eine Gastronomie im Ratskeller zum Opfer gefallen. Statt Restaurant wird es hier einen Bürgerkeller und einen kleineren Sitzungssaal geben. Der Keller soll zumindest mit Theke und Kühlschrank ausgestattet sein und für Versammlungen oder kleinere Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

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Im Neubau ist ein multifunktionaler Bürgersaal vorgesehen. „Der ist teilbar, damit zum Beispiel zwei Ausschüsse parallel tagen können“, sagt Grimm. Für Ratssitzungen, Empfänge oder größere Kulturveranstaltungen stünde dann der komplette Saal zur Verfügung.

Nickt die Politik die Kostenberechnung ab, folgen die Leistungsphasen vier und fünf. Dann ginge es allmählich an die Ausschreibungen, müsste sich zunächst um den Abriss der Nebengebäude gekümmert werden. Ein Großteil der Verwaltung wird dann schon im Eco Port arbeiten. „Die Einrichtung der EDV beginnt im Dezember. Wir denken, dass der richtige Umzug dann im Januar erfolgt“, sagt Thiel.

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