Die Fleischindustrie im Kreuzfeuer: Das sagt Metzger Thomas Weljehausen zum Tönnies-Eklat

dzWirtschaft

Die Fleischindustrie steht wegen des Tönnies-Eklats seit Wochen in der Kritik. Thomas Weljehausen, Inhaber des einzigen Metzgerbetriebs in Holzwickede, hat dazu eine klare Haltung.

Holzwickede

, 14.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder muss Thomas Weljehausen momentan die selbe Frage beantworten: Kunden wollen wissen, ob das Fleisch, das er in Holzwickede verkauft, in irgendeiner Form mit dem Verarbeitungsbetrieb der Firma Tönnies in Verbindung steht.

Weljehausen kann seine Kunden beruhigen: „Wir haben damit nichts zu tun“, sagt er. Die Verunsicherung der Kundschaft kann er dennoch gut verstehen, geht mit der Firma Tönnies selbst hart ins Gericht: „Das ist menschenunwürdig, was da passiert“, sagt der erfahrene Metzger und spricht bei den Unterkünften der Tönnies-Mitarbeiter von „den schäbigsten Absteigen“.

Auch während des harten Corona-Lockdowns waren Andrea Baumgartl und ihre Kolleginnen in der Küche (Bild) und hinter der Theke aktiv.

Auch während des harten Corona-Lockdowns waren Andrea Baumgartl und ihre Kolleginnen in der Küche (Bild) und hinter der Theke aktiv. © Marcel Drawe

Gemeint sind auf der einen Seite die Arbeitsbedingungen, die bei großen Konzernen durch den Corona-Eklat bei Tönnies in der Kritik stehen. Auf der anderen Seite aber auch die Bedingungen, unter denen an manchen Höfen die Tiere gehalten werden.

„Das alles ist seit Jahrzehnten bekannt und es hat keinen interessiert“

Weljehausen sieht einen erheblichen Teil der Schuld bei der Politik. Er findet, dass der Gesetzgeber in dieser Sache viel versäumt hat: „Das alles ist seit Jahrzehnten bekannt und es hat keinen interessiert“, prangert er an.

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Dass soziale Missstände erst aufgrund von Corona-Ausbrüchen diskutiert werden, so erläutert er, empfindet er als Farce: „Dass Laumann und Heil (jeweils Arbeitsminister auf Landes- und Bundesebene, Anm. der Red.) jetzt meinen, die Welt retten zu müssen“, das komme dem Metzger aus Holzwickede eindeutig zu spät. Mehr noch: Er behauptet, dass das Thema ohne die Corona-Krise zu diesem Zeitpunkt niemals aufgekommen wäre.

Thomas Weljehausen bekommt Schweinefleisch und Rindfleisch ausschließlich aus dem Sauerland, geschlachtet werden die Tiere auf dem Unnaer Hof von Christoph Jedowski. Da, so ist er sich sicher, geht alles mit rechten Dingen zu.

Thomas Weljehausen bekommt Schweinefleisch und Rindfleisch ausschließlich aus dem Sauerland, geschlachtet werden die Tiere auf dem Unnaer Hof von Christoph Jedowski. Da, so ist er sich sicher, geht alles mit rechten Dingen zu. © Marcel Drawe

Dass er im weitesten Sinne mit solchen Betrieben in einen Topf geworfen werden könnte, glaubt er nicht. Er ist der Auffassung, dass seine Stammkunden durchaus differenzieren können. „Schweinefleisch und Rindfleisch bekommen wir aus dem Sauerland“, so Weljehausen, geschlachtet werden die Tiere auf dem Hof von Christoph Jedowski in Unna. „Da geht alles mit rechten Dingen zu“, findet Weljehausen, der selbst ab und zu vor Ort ist und sich folglich ein eigenes Bild von den Bedingungen machen kann.

Metzgerei Weljehausen hat die Corona-Krise bisher gut überstanden

Die Corona-Krise, so erzählt der Holzwickeder Metzger, habe er verhältnismäßig gut überstanden. „Wir wollen uns nicht beklagen“, sagt er. Die meisten Stammkunden hätten seit Beginn des Lockdowns weiterhin bei ihm eingekauft. Die Preise, so erläutert Weljehausen, sind gleich geblieben. Lediglich sein Party-Service stand für mehrere Wochen still. Wie er berichtet, läuft der aber gerade wieder an.

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Verändert habe sich in seinem Betrieb an der Nordstraße nicht viel. Auch während des harten Lockdowns gab es bei ihm frische Wurst- und Fleischwaren, die Kunden abholen konnten. Die nötigen Voraussetzungen dafür hat er jedenfalls frühzeitig geschaffen.

Kunde und Bedienung sind in der Fleischerei Weljehausen durch eine Spuckschutzwand von einander getrennt. Das Infektionsrisiko soll dadurch minimiert werden.

Kunde und Bedienung sind in der Fleischerei Weljehausen durch eine Spuckschutzwand von einander getrennt. Das Infektionsrisiko soll dadurch minimiert werden. © Marcel Drawe

In Absprache mit dem Ordnungsamt hat er die Zahl der Kunden, die sich gleichzeitig in seinem Laden aufhalten dürfen, auf momentan vier begrenzt. Am Bedienungs- und Kassenbereich hat Weljehausen zudem eine durchgehende Spuckschutzwand angebracht.

Das sei sehr praktikabel, weil seine Mitarbeiterinnen dadurch keine Masken tragen müssten. Der einzige Nachteil: Die Kundengespräche werden durch die Scheibe akustisch gedämpft, so manches Mal habe es Verständnisprobleme gegeben. Das sei aber ein geringes Übel: Am Ende bekommt auch in der Corona-Zeit jeder Weljehausen-Kunde das, was er haben möchte.

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