Die Firma LSS Europe: 3D-Drucker gehen aus Holzwickede in die weite Welt

dzWirtschaft

Die Corona-Pandemie ist die zweite große Krise, die LSS Europe aus Holzwickede in seiner knapp 20-jährigen Firmengeschichte überwinden will. Sie setzt dabei auf ihre Stärken: Innovation und Flexibilität.

Holzwickede

, 02.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Guido Elbrecht 2002 mit seinem österreichischen Partner die Firma LSS Europe gründete, begann in Holzwickede alles in kleineren Räumen an der Wilhelmstraße. Seit 2014 sitzt die Holzwickeder LSS-Niederlassung nun im Eco Port – und hat sich im wirtschaftlichen Hotspot der Emscherquellgemeinde durchaus etabliert.

Das Unternehmen bietet sogenannte Lösungen für Additive Manufacturing. Oder einfacher ausgedrückt: Sie entwickelt und verkauft 3D-Drucker an die Industrie. Ein erheblicher Teil der Abnehmer sind Firmen, die mit der Automobilbranche zusammenhängen.

Kurioses Büro-Hobby: LSS-Chef Guido Elbrecht hat an seinem Firmenstandort an der Gottlieb-Daimler-Straße ein Schlagzeug stehen. Nach Feierabend, wenn alle anderen Mitarbeiter weg waren, hat er dort in der Vergangenheit manchmal ein wenig geübt. Inzwischen kommt er kaum noch dazu.

Kurioses Büro-Hobby: LSS-Chef Guido Elbrecht hat an seinem Firmenstandort an der Gottlieb-Daimler-Straße ein Schlagzeug stehen. Nach Feierabend, wenn alle anderen Mitarbeiter weg waren, hat er dort in der Vergangenheit manchmal ein wenig geübt. Inzwischen kommt er kaum noch dazu. © Carlo Czichowski

Die Endprodukte reichen vom Außenspiegel eines Autos bis zur halben Kaffeemaschine

Das von LSS-Maschinen produzierte Material kann etwa ein Teil eines Außenspiegels sein, wie Geschäftsführer Guido Elbrecht erläutert, ansonsten zum Beispiel „eine halbe Kaffeemaschine“. Kurzum: Mit den Endprodukten ist LSS nicht nur breit aufgestellt, sondern bedient mit der Autoindustrie zudem einen der größten Wirtschaftszweige der Bundesrepublik.

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Seit dem Bau und dem anschließenden Umzug an den neuen Standort an der Gottlieb-Daimler-Straße 2014 ist LSS nicht nur räumlich, sondern auch personell gewachsen, hat in Holzwickede vor sechs Jahren auch eine eigene Maschine vor Ort in Betrieb genommen.

Die Corona-Krise stellt die Firma LSS Europe wie viele andere Unternehmen vor eine große Herausforderung. Geschäftsführer Guido Elbrecht blickt aber optimistisch in die Zukunft.

Die Corona-Krise stellt die Firma LSS Europe wie viele andere Unternehmen vor eine große Herausforderung. Geschäftsführer Guido Elbrecht blickt aber optimistisch in die Zukunft. © Carlo Czichowski

Alle LSS-Mitarbeiter im Service befinden sich momentan in Kurzarbeit

Wie viele andere Unternehmen, hat LSS derzeit mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. „Alle Mitarbeiter im Service befinden sich seit einigen Wochen in Kurzarbeit“, berichtet Elbrecht.

Zur Sache

Die Erfindung des 3D-Druckers

  • Die Erfindung des 3D-Druckers geht auf den us-amerikanischen Ingenieur Chuck Hull zurück, der 1985 weltweit das erste Gerät auf den Markt gebracht hat. Im folgenden Jahr publizierte er die erste Patentanmeldung.
  • Durch das Fertigungsverfahren ist es möglich, Material Schicht für Schicht aufzutragen und dreidimensionale Gegenstände zu erzeugen.

Die Einbußen halten sich im Vergleich zu anderen Betrieben noch in Grenzen, seien bisher nicht existenzbedrohend. Bis Jahresende, so rechnet Elbrecht, könne sich die Firma nach momentanem Stand in jedem Fall über Wasser halten. Für ihn eine etwas beruhigende Gewissheit in einer unruhigen Zeit.

Seine Kunden, so erzählt er, lebten noch von alten Aufträgen, die bereits vor der Corona-Krise angeleiert wurden. Für LSS werden die kommenden Monate aber dennoch wegweisend sein. Ein wirtschaftlicher Einschnitt kam bereits vor Corona: „Wir hatten ein großes Projekt mit Airbus, aus dem sie sich dann zum Ende der Projektzeit doch noch zurückgezogen haben“, sagt Elbrecht.

„Das sind 300.000 Euro, die hier rumstehen“

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie hatten einige Kunden, die unter anderem aus Israel, Italien und den USA stammen, bekanntermaßen andere Probleme. So steht ein großer 3D-Drucker an der Gottlieb-Daimler-Straße seit Wochen lieferfertig im LSS-Lager. Die Maschine sollte eigentlich nach Italien gehen: „Das sind 300.000 Euro, die hier rumstehen“, erklärt Elbrecht.

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Während der Krise hat LSS aber jüngst auch seinen Bereich erweitert und selbst Spuckschutzmasken produziert. Sie bringen zwar laut Elbrecht kaum Gewinn ein. Für ihn stand bei dieser Entscheidung aber ohnehin eher die Frage im Raum, wie man im Kampf gegen das Virus einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Mehr als 400 Stück wurden bisher verkauft.

Prototyp für ein günstiges Beatmungsgerät ist fertig

Ein weiteres Produkt hat LSS in der Pipeline: Bereits vor Wochen hat das Unternehmen angekündigt, ein günstiges Beatmungsgerät produzieren zu wollen. Der Prototyp ist inzwischen fertig. In wenigen Wochen könnten die Geräte verkauft werden, sollen vor allem in ärmere Länder gehen, „die das Virus noch schlimmer trifft als Deutschland“, so Guido Elbrecht.

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