Das schwere Gerät fehlt noch, aber die ersten Arbeiter sind zugange: Die längste Zeit als Brachfläche hat die ehemalige Emscherkaserne hinter sich. Der Rückbau hat begonnen.

Holzwickede

, 07.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Hohe Gräser, eingeschlagene Scheiben, Graffiti innerhalb und außerhalb verlassener Gebäude. Dazu ein nasskalter und wolkengrauer Tag im Dezember: Noch bietet das ehemalige Gelände der Emscherkaserne die perfekte Szenerie für einen Zombiefilm. Mehr als 14 Jahre nachdem die Bundeswehrsoldaten das Gelände verlassen haben und die Kaserne geschlossen wurde, hat die Natur an vielen Stellen bereits ganze Arbeit geleistet. Fast schade, dass der morbide Charme des natürlichen Verfalls nun durch den organisierten Rückbau ersetzt und um ein Vielfaches beschleunigt wird.

Bis zum Sommer 2019 will die Wilma Immobilien GmbH als Entwickler des Projektes „Wohnpark Emscherquelle“ das Gelände von seinen jetzigen Gebäuden befreien und neu erschließen. Den Auftakt der Aktivitäten machen aktuell noch eine Handvoll Arbeiter, die die Gebäude vor Ort entkernen und die ersten Schutthaufen, getrennt nach vorgefundenen Materialien anlegen. Noch für die kommende Woche kündigt Wilma in einer Mitteilung zumindest an, dass schweres Gerät anrollen könnte, um die ehemaligen Kasernengebäude abzubrechen. Zwischen dem 21. Dezember und dem 7. Januar wird die Baustelle geschlossen, ehe es mit dem Rückbau weitergeht.

„Wohnpark Emscherquelle“

65 Millionen Euro für neuen Wohnraum

Mit einem Investitionsvolumen von 65 Millionen Euro soll bis 2024 der „Wohnpark Emscherquelle“ entstehen. Geplant sind 15 freistehende Einfamilienhäuser, 114 Doppelhaushälften, 6 Reihenhäuser und 6 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 66 Wohnungen, die den Förderrichtlinien für öffentlich geförderten Wohnungsbau des Landes Nordrhein-Westfalen entsprechen. Der Verkaufsstart für den ersten Bauabschnitt soll Anfang des dritten Quartals 2019 erfolgen.

Im Januar 2019 beginnen Grünschnitt und Rodungen: Einzelne Bäume bleiben dabei erhalten, allerdings nicht im Bereich der angrenzenden Wohnbebauung im Westen. Der Projektentwickler hat in Absprache mit Gemeinde und Kreis Unna Spezialisten bestellt, die den Rückbau gutachterlich begleiten. So sollen die gesetzlichen Anforderungen und Auflagen eingehalten werden. Die korrekte Entsorgung diverser Baumaterialen, mögliche Verunreinigungen des Bodens sowie der Umwelt- und Artenschutz stehen hier im Vordergrund.

„Je früher wir mit dem Rückbau beginnen, umso weniger Probleme haben wir erfahrungsgemäß mit fortschreitendem Vandalismus“, sagt Wilma-Prokurist Andreas Häcker. Beim Gang über das Gelände zeigt sich, dass die alten Kasernengebäude nie gänzlich verlassen waren. Vor allem Graffiti-Sprüher haben durch mehr oder weniger kunstvolle Werke ihre Spuren hinterlassen. Für einen halbwegs fitten Menschen dürfte der Einstieg über das Haupteingangstor auch kein Hindernis darstellen. Wenn die Abbrucharbeiten beginnen, kommt das Immobilienunternehmen schließlich seiner Verkehrssicherungspflicht nach.

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Die ehemalige Emscherkaserne vor dem Rückbau

Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne an der Margaretenstraße haben die ersten Arbeiten zum Rückbau des Areals begonnen. Wo jetzt noch verfallene Gebäude stehen, soll bis 2024 ein neues Wohngebiet aufgebaut werden.
07.12.2018
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Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © Greis
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © UDO HENNES
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © UDO HENNES
Eindrücke vom Verfall und den ersten Entkernungsarbeiten auf dem ehemaligen Gelände der Emscherkaserne. © UDO HENNES

Für den Frieden mit der Nachbarschaft tut das Unternehmen auch gut daran, aufs Tempo zu drücken. Von April bis September 2019 will der Kreis Unna die Landskroner Straße umbauen. Zwar sagte Häcker bei einer Informationsveranstaltung für Bürger vor gut einem Monat, dass für den Rückbau „keine größeren Lkw-Fahrten erforderlich“ seien, da der Bauschutt vor Ort gebrochen und als Unterbau für Straßen diene. Häcker sagt nun aber auch: „Umso besser, wenn wir bis zum Sommer 2019 fertig sind.“ Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verkehrssituation dadurch auf der Sölder Straße entwickeln wird.

Bevor die Abbruchmaschinen auf das Gelände rollen, erinnerten unter der Woche Vertreter der Gemeinde und des Projektentwicklers Wilma an die über 35-jährige Bundeswehrgeschichte des Standortes. Sicher ist, dass man den Vorschlag von Manfred Matysik berücksichtigen und den Schriftzug „Emscher Kaserne“, der neben dem Eingangstor prangt, erhalten wolle. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Matysik diente seit Ende der 1970er-Jahre selbst in der Kaserne. So wurde der damalige Soldat zum Holzwickeder. Bevor sich Matysik vermehrt in der kommunalen Politik engagierte, war er bis in die 1990er-Jahre Stabsfeldwebel und Spieß. „Uns kann nichts Besseres passieren, als dass ein Investor uns hier auf dem ausgedienten Gelände ein solches Wohngebiet im Grünen hinstellt“, sagt Matysik.

Wie genau der Schriftzug in das neue Wohngebiet integriert wird, ist noch nicht sicher. Der Bauträger hat der Gemeinde aber zugesichert, dass der Schriftzug auf dem 88.000 Quadratmeter großen Gelände seine Verwendung findet. Vorstellbar ist laut Wilma ein Platz im zentralen Grünzug des Areals. „Uns ist es ein Anliegen, dass das Gedenken an das freundschaftliche Miteinander zwischen Bundeswehr und Gemeinde nicht vergessen wird“, sagt Matysik.

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