Ein Anblick wie auf einem Gemälde: Das grüne Idyll rund um den Emscherquellhof lockt vor allem Einheimische, aber auch Touristen in den Holzwickeder Süden. Der Hof gehört im Kreis Unna aber eher zu den Geheimtipps unter den Ausflugszielen. © UDO HENNES
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Die Emscherquelle in Holzwickede: Eine sagenhafte Oase für Radfahrer und Heimat-Fans

Wo in Holzwickede die Emscher entspringt, gibt es vor allem für Sportler und Naturfreunde viel zu sehen. Wer es mystisch mag, der kann sich von der Sage der Emscherfee verzaubern lassen.

Touristen und Einheimische verbinden mit dem Quellbereich der Emscher in Holzwickede viel: Für die einen ist er ein Rückzugsort, an dem sie sich entspannen und die Natur genießen können. Für die anderen ist er Startpunkt für eine Radtour auf dem sogenannten Emscherweg.

Der nahe gelegene Emscherquellhof ist seit Generationen einer der Mittelpunkte des dörflichen Treibens im Holzwickeder Süden. Wurde er früher noch als beliebter Reiterhof genutzt, so können dort seit zwei Jahren Besucher in einem Café einkehren.

Ein Service-Team um Andre Sittinger (links) kümmert sich seit zwei Jahren im Emscherquellcafé um das leibliche Wohl der Gäste. Früher wurde der Hof als Reiterhof benutzt. © Marcel Drawe © Marcel Drawe
Die Emscher

Die offizielle – und die eigentliche Quelle

  • Die tatsächliche Quelle der Emscher liegt im Hixter Wald, offiziell wird sie aber hinter dem Emscherquellhof ausgewiesen. Zwischen den beiden stellen liegen wenige hundert Meter.
  • Im hinteren Bereich des Hofes gibt es einen kleinen Steg. Eine Tafel am Rande des Stegs dient Touristen als Informationsquelle. Dort wird unter anderem die Sage zur Emscherfee Emrizza erklärt.

Das Café hat dabei ein besonderes Konzept, wird vorwiegend durch die Arbeit von Menschen mit Behinderung betrieben. Träger ist die Wewole-Stiftung. Der Gruppenleiter Andre Sittinger ist gewissermaßen zuständig für den Betrieb vor Ort, kümmert sich ums Personal und die Planung von Veranstaltungen.

In der Corona-Zeit hat das Café am Emscherquellhof nur am Wochenende geöffnet

Diese sind wegen der Corona-Bedingungen fast vollständig ins nächste Jahr verschoben worden. Das Café ist für seine Gäste momentan daher nur am Wochenende geöffnet. Jeweils von 12 bis 18 Uhr gibt es dort samstags und sonntags eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen auf den Tisch.

Zählt zu den Veranstaltungen, denen in diesem Jahr die Corona-Krise dazwischen gegrätscht ist: Das Emscherfood-Festival am Emscherquellhof. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr ist 2021 die zweite Auflage der Veranstaltung geplant. © Greis © Greis
Achtung Baustelle

Wie ich zur Quelle komme

  • Die Anfahrt zum Emscherquellhof ist in den kommenden Monaten wegen einer Baustelle nur eingeschränkt möglich. Unweit des Hofs wird die Landskroner Straße umfangreich ausgebaut. Nach dem aktuellen Stand rechnet man mit einem Abschluss der Arbeiten frühestens im November.
  • Aus dem Süden ist der Hof derzeit gar nicht zu erreichen. Der Weg führt durch die Gemeindemitte. Umfahren kann man die Baustelle momentan über die Römerstraße, den Landweg und die Hauptstraße. Die Umleitungen sind zudem ausgeschildert.

Sittinger weiß, was die Menschen am Hof und seiner Umgebung schätzen: Das Café lebt, so erfährt er regelmäßig aus Gesprächen mit Gästen, vor allem von seinem grünen Umfeld. Außerdem spielt das Ambiente im 1801 gebauten Haupthaus des Hofes eine große Rolle. Die meisten Gäste sind aber Spaziergänger oder Radfahrer, wie er erzählt.

Sie stammen oft aus Holzwickede oder aus einer der Nachbarkommunen im Kreis Unna. Über die Grenzen des Kreises hinaus, so glaubt er, ist der Emscherquellhof eher weniger bekannt – dürfte quasi als Geheimtipp unter den Ausflugszielen in der Region gelten.

Von einer geizigen Jungfrau zur Emscherfee: Die Sage der Emrizza

Emscherquelle

Die Sage der Emscherfee Emrizza

  • In der Emscherfee-Sage geht es um die Jungfrau Emrizza Amberhus, die recht früh zu Reichtum gekommen ist, der Sage nach aber nichts für Arme getan hat, die vor ihrer Tür bettelten. Im Alter, so heißt es weiter, sei ihr eine himmlische Gestalt erschienen, die ihr drohte: „Was du im Leben versäumt hast, wirst du nach dem Tode gutmachen!“.
  • Vor Schreck vermachte Emrizza laut Sage all ihre Güter der katholischen Pfarrkirche, in der sie nach ihrem Tod vor dem Kreuzaltar als Gönnerin bestattet wurde. Seit dieser Zeit aber erschien über dem Quellteich der Emscher, den die Bauern bei Feuersbrünsten auch als Löschteich benutzten, eine schöne Frau mit den Gesichtszügen der Emrizza. Und jedes Mal, wenn am nächsten Tag ein Brand ausbrach, warnte diese Erscheinung die Bewohner.

Dabei haben die Emscherquelle und ihre Umgebung sehr viel zu bieten. Gerade für ältere Menschen sei das Quellgebiet der Emscher ein Ort, an dem sie etwas über ihre Heimat und die Natur erfahren möchten. Manche von ihnen sind schon als Kinder dort spazieren gegangen – oder waren früher zu Gast auf dem Reiterhof.

„Die können mir meistens noch mehr über die Emscherquelle erzählen als ich ihnen“, sagt Sittinger. Und trotzdem kommen viele Menschen regelmäßig her, wandern durch den Süden Holzwickedes und sind auf der Suche nach neuen Blickwinkeln, ehe sie im Café einkehren.

In Sachen Heimat hat die Emscherquelle auch in mytologischer Hinsicht etwas zu bieten: Eng verbunden mit der Geschichte des Quellgebietes ist nämlich eine Sage über die Emscherfee Emrizza, deren Geschichte unter der angrenzenden Dorfbevölkerung teilweise bis heute bekannt ist und gelegentlich noch immer erzählt wird.

Die meisten Besucher sind Radfahrer, die im Café Rast machen

Die größte Zahl der Besucher kommt allerdings aus sportlichen Gründen zum Quellgebiet. In der Nähe beginnt nämlich der sogenannte Emscherweg. Dabei handelt es sich um einen Radweg, der über rund 100 Kilometer quer durchs Ruhrgebietes führt.

Zwei der möglichen Start- und Endpunkte befinden sich in Holzwickede und in Dinslaken. Wichtig fürs Navigationsgerät: Der Radweg Emscherweg ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Straße in Holzwickede. Der Radweg startet an der Quellenstraße.

Der Emscherweg führt ins Herz der Gemeinde. Bald schon sollte ein Stück des leidlichen Umweges entfallen. Das Projekt allerdings stockt. © Greis © Greis
Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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