Jochen Hake engagiert sich seit Jahrzehnten auf kommunaler Ebene für den deutsch-französischen Austausch. Jetzt ist er Teil eines bundesweiten Gremiums, folgt damit einem Ruf aus Berlin.

Holzwickede

, 14.11.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für den Holzwickeder Jochen Hake beginnt bald eine aufregende Tätigkeit. Der jüngst aus dem Rat ausgeschiedene Kommunalpolitiker (FDP) und überzeugte Europäer wird Teil des Beirates für einen Bürgerfond, den Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der Unterzeichnung des Aachener Vertrages eingerichtet haben.

Hake arbeitet also künftig nicht nur in Holzwickede, sondern auch auf höherer Ebene an dem Verhältnis der beiden Nachbarländer. Was ändert sich für ihn durch seine Berufung? Was hat das für Auswirkungen auf Holzwickeder Vereine? Diese Fragen beantwortet Hake im Gespräch mit dieser Redaktion.

Wie kam es zu der Berufung des Familienministeriums ?
Jochen Hake: Beide Regierungen in Berlin und Paris waren sich einig, dem neuen Bürgerfonds einen fachlich beratenden Beirat zur Seite zu stellen, dem auch Vertreter der Zivilgesellschaft angehören sollten. Dabei hat Berlin unseren Bundesverband, die Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V. (VDFG), als Vertretung von mehr als 16.000 Mitgliedern, mit einem Sitz im Beirat berücksichtigen wollen. Das gilt auf französischer Seite übrigens für unseren Partnerverband FAFA jenseits des Rheins ebenso.

Erfüllt es Sie mit Stolz, dass Ihre Arbeit für die deutsch-französische Freundschaft auf diese Art und Weise honoriert wird ?

Hake: Stolz bin ich für unseren Verband, dass mit diesem Beiratssitz zum einen rund 150 Mitgliedsgesellschaften aus Deutschland eine Stimme an wichtiger Stelle übertragen wird. Zum anderen aber auch darauf, dass die Anregung unserer Verbandspräsidentin Dr. Margarete Mehdorn im Rahmen der Anhörung, die die Regierung im Zusammenhang mit dem Aachener Vertrag (Januar 2019) durchführte, auf Einrichtung eines offen und einfach ausgestalteten Fonds für bürgerschaftliche Aktivitäten auf offene Ohren stieß und sich tatsächlich umgesetzt im neuen Vertrag wiederfand. Ich selbst nehme die Tätigkeit im Beirat als Vizepräsident der VDFG wahr, sodass es sich hier um eine Auszeichnung der offensichtlich wertgeschätzten Bemühungen unseres Verbandes handelt.
Haben schon Sitzungen des Beirates stattgefunden oder ist er gerade noch in der Gründungsphase?

Hake: Nein, die erste Sitzung ist für den 1.12. terminiert; allerdings pandemiebedingt als Audiokonferenz.

Worum geht es bei dem Fonds und wer kann partizipieren?

Hake: Der Deutsch-Französische Bürgerfonds soll den zivilgesellschaftlichen Austausch beider Länder in einem vereinten Europa weiter vertiefen, vor allem soll er aber dazu dienen, neue Wege des grenzüberschreitenden Engagements zu entwickeln und neue Zielgruppen darin einbinden. Der Dialog zwischen den Generationen soll ebenso gefördert werden wie auch solche Gruppen zum Zuge kommen sollen, die nicht zwingend rechtlich - wie in Vereinen z.B. - organisiert sein müssen. Auch bloße Interessengruppen kleinerer Stärke können Antragsteller für Fördermittel sein. Wichtig ist nur, dass auf der jeweils anderen Seite eine Partnergruppe, also ein Ansprechpartner in Frankreich vorhanden sein muss. Aber auch bisherige Aktive im Franco-Allemand können Anträge stellen, also auch Kommunen oder Schulen. Und Projekte müssen sich nicht zwingend zwischen zwei Partnerstädten abspielen. Der Fonds ist in dieser Hinsicht sehr breit und offen aufgestellt.

Jochen Hake neben der FAFA-Verbandspräsidentin Barbara Martin-Kubis beim Deutsch-Französischen Bundeskongress im Herbst 2019 in Halle/Saale.

Jochen Hake neben der FAFA-Verbandspräsidentin Barbara Martin-Kubis beim Deutsch-Französischen Bundeskongress im Herbst 2019 in Halle/Saale. © Gerolf Mosemann

Können auch Holzwickeder Vereine und Institutionen davon profitieren?

Hake: Selbstverständlich ja! Ich kann nur dazu einladen, sich mit Projekten, Begegnungen oder Austauschmaßnahmen einzubringen und Anträge zu formulieren. Den Regierungen war die sog. Niederschwelligkeit besonders wichtig. Das bedeutet, dass die Antragstellung online ziemlich einfach möglich ist und es gilt die Zusage, dass innerhalb nur weniger Wochen eine Förderentscheidung - hoffentlich positiv natürlich - gefällt wird. Und der Bürgerfonds ist mit 2,4 Millionen Euro Fördermitteln jährlich ziemlich gut ausgestattet. Auch der Holzwickeder Freundeskreis arbeitet gerade an der Vorbereitung eines Projektes, aktuell möchte ich dazu aber noch nichts verraten. Interessant dürften in der jetzigen Zeit auch gemeinsame Digital-Projekte sein, namentlich für die jüngere Generation. Übrigens sind Verwaltung und technische Abwicklung des Bürgerfonds in den kommenden Jahren zunächst beim Deutsch-Französischen Jugendwerk angegliedert.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Arbeit im Beirat? Gibt es für Sie dadurch neue Möglichkeiten?

Hake: Für die VDFG wird es wichtig sein, im Beirat auch Sprachrohr der bürgerschaftlich Engagierten im Franco-Allemand zu sein. Neben unserem Verband sind ebenso staatliche Stellen aus Deutschland und Frankreich im Beirat vertreten wie auch andere deutsch-französische Institutionen. Unsere Mitglieder in den Vereinen und Gesellschaften arbeiten zumeist sehr konkret und sehr intensiv an der Basis der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern, wir wissen gerade um die Wünsche und Probleme vor Ort. Hier verstehe ich uns schon als Mittler, hier sollten wir darauf hinwirken, dass die Belange der Zivilgesellschaft verstärkt Berücksichtigung finden. Wichtig und wertvoll ist eben auch, dass unsere Meinung in diesem wichtigen regierungsnahen Gremium gehört wird. Und unser Verband wird bedeutsame Informationen und auch Anregungen an unsere Mitgliedsgesellschaften und an alle interessierten Bürger weitergeben können. Das wird sich, da bin ich sehr zuversichtlich, in den kommenden Jahren positiv auswirken.

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