Vom Altenpfleger zum Anwärter – der Weg eines Spätberufenen ins Priesteramt

dzPraktikant in Liebfrauen

Über Abitur und Theologiestudium zur Weihe – das ist der gängige aber nicht der einzige Weg ins Priesteramt. In Liebfrauen absolviert momentan Andreas Heupel ein Praktikum. Er will Priester werden – auch ohne Abitur.

Holzwickede

, 14.01.2020, 19:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Momentan umfasst das Priesterseminar im Studienhaus St. Lambert 23 Glaubensbrüder. Der Siegener Andreas Heupel ist einer von ihnen. Mit seinen 25 Jahren ist er der Jüngste unter den Spätberufenen. Aktuell absolviert er ein Praktikum in Holzwickede bei Pastor Bernhard Middelanis.

Priester werden ohne Abitur – dieses Konzept ist dabei nicht neu. Schon seit den 1970er-Jahren werden Männer im rheinland-pfälzischen Ort Grafschaft über den dritten Bildungsweg zu Priestern ausgebildet.

Hier im Ortsteil Lantershofen besucht auch Andreas Heupel das Priesterseminar. Mit 24 Jahren und einer Ausnahmegenehmigung, eigentlich müssen Spätberufene mindestens 25 Jahre alt sein, startete er im Studienhaus St. Lambert seinen Weg zur Priesterweihe. „Die ich, so Gott will, im Jahr 2024 erhalten werde“, sagt Heupel.

Berufsausbildung ist Voraussetzung für spätberufene Priesteranwärter

Neben der Altersgrenze ist auch eine abgeschlossene Berufsausbildung eine Grundvoraussetzung. Der Siegener ist ausgebildeter Altenpfleger. Nach dem Realschulabschluss fing er eine Elektrikerlehre an. „Die habe ich nach einem Jahr abgebrochen und bin über ein Praktikum direkt in die Ausbildung zum Altenpfleger in einem katholischen Haus gekommen“, sagt Heupel.

Damals hatte er bereits den Weg zum Glauben gefunden. Sein Vater trat einst aus der Kirche aus. Er selbst wurde mit sieben Jahren getauft. „Meine Cousine wurde getauft, ich wollte das auch. Natürlich noch ohne das große Ganze zu verstehen“, sagt er. Mit der Erstkommunion sei die Bindung zur Kirche gewachsen. Heupel war Messdiener, übernahm Lektorendienst, vertrat den Küster. „In Paderborn würde man sagen, das war eine klassische Sakristeikarriere“, sagt er und lacht.

Der Vater ist einst aus der Kirche ausgetreten

Der Vater ist heute noch Atheist. „Auf Heimatbesuch kommt es natürlich zu Diskussionen. Man will ja sein neu erlerntes Wissen kundtun. Mein Vater ist aber offen für meinen Weg und die Diskussion mit ihm sehe ich als Lernfeld.“ Bevor Andreas Heupel in St. Lambert aufgenommen wurde, musste er in seiner Heimatdiözese Paderborn ein vorbereitendes Jahr auf das Studium und Grundkurse in Latein, Griechisch und Theologie absolvieren.

„Der Priesterberuf war schon nach der Erstkommunion im Hinterkopf“, sagt der Siegener. Aber erst durch den Diakon seiner Heimatgemeinde wurde der Berufswunsch konkret. „Durch ihn bin ich Altenpfleger geworden und ist der Dienst am Menschen für mich in den Vordergrund gerückt“, sagt er. Noch heute ist er bei Heimatbesuchen regelmäßig im Pflegeheim zu Gast und verbringt Zeit mit den Menschen. „Die hat als Pfleger oft gefehlt“, weiß er aus eigener Erfahrung.

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„Das fasziniert auch mich immer wieder, wenn jemand über 40 sich für diesen Weg entscheidet.“
Priesteranwärter Andreas Heupel

Als Pfleger hatte er zuletzt die Leitung über einen kompletten Wohnbereich. Die Verantwortung von einst und die praktische Erfahrung sind für ihn hilfreich auf dem Weg ins Priesteramt. Seit einer Woche im Ort übernimmt er in der Gemeinde bereits die Krankenkommunion. „Dabei kommt man auch immer ins Gespräch mit den Menschen. Man merkt, dass ihnen das hilft“, sagt er.

Bis Ende März wird er Pastor Middelanis in der Gemeinde unterstützen und erlebt, wie sich aufgrund des neuen Pastoralen Raumes Unna-Holzwickede-Fröndenberg auch die Glaubensgemeinden vor Ort strukturell wandeln. „Von der Theorie zur Praxis, das ist spannend. Und man sieht zum Beispiel, wie viel Aufwand hinter einer Gottesdienstplanung in einem neuen Pastoralen Raum steckt.“

Pastor Middelanis begrüßt den Weg seines Praktikanten

Sein „Chef“ begrüßt den Weg seines aktuellen Hausgastes. „Durch den Beruf des Altenpflegers ist er schon nah an der Praxis gewesen und bringt eine gewisse Lebenserfahrung mit. Man merkt, dass Andreas geerdet ist, Aufgaben praktisch und mit Vernunft angeht“, sagt Bernhard Middelanis.

Diese Lebenserfahrung bringen auch Heupels Glaubensbrüder in St. Lambert mit. Der älteste Priesteranwärter ist 54 Jahre alt. „Da sind Menschen dabei, die beruflich hohe Posten bekleideten. Das fasziniert auch mich immer wieder, wenn jemand über 40 sich für diesen Weg entscheidet“, sagt der 25-Jährige.

Im Gegensatz zu anderen Priesteranwärtern studieren die Spätberufenen nicht an einer staatlichen Hochschule. Sie lernen in St. Lambert in Trimestern und legen nach vier Jahren lediglich einen kirchlichen Abschluss ab, der die Priesterweihe ermöglicht. Die Absolventen können demnach auch nur im kirchlichen Dienst eingesetzt werden.

Vom Altenpfleger zum Anwärter – der Weg eines Spätberufenen ins Priesteramt

Bis Ende März blickt Andreas Heupel in Holzwickede Pastor Bernhard Middelanis über die Schulter. © Marcel Drawe

Leben im Priesterseminar nach festen Strukturen

An das Leben im Priesterseminar mit einem festen und oft gemeinsamen Tagesablauf musste sich Andreas Heupel zunächst gewöhnen. Heilige Messe um 7 Uhr, gemeinsames Frühstück, Vorlesungen, Gottesdienste vorbereiten, Andachten – das Leben in St. Lambert hat feste Strukturen. „Man hat aber noch Luft zum Atmen und Zeit fürs stille Gebet oder Spaziergänge durch die Weinberge“, sagt Heupel. Für ihn wichtige Momente, um den eigenen Weg stets zu reflektieren.

Seine spätere Rolle als Priester hat er für sich jedenfalls klar definiert: „Ich will offen und authentisch sein. Eine Gemeinde merkt, ob einer mit offenen Karten spielt oder nicht. Offen für Begegnungen und Gespräche sein – das ist mir wichtig und das sollte jeder Priester mitbringen.“

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