Ein aktuelles Foto der Landskroner Straße mit Blick aus Sölde gen Hixterwald: Der Kreis Unna verspricht, dass in den kommenden Wochen Fortschritte beim Straßenbau zu sehen sein werden. © Marcel Drawe
Verkehr in Holzwickede

Der Langzeit-Baustelle Landskroner Straße droht ein juristisches Nachspiel

Seit 17 Monaten sorgt der Austausch einer Wasserleitung unter der Landskroner Straße dafür, dass der eigentliche Straßenausbau kaum vorankommt. Nun soll der Asphalt kommen. Im Hintergrund droht juristischer Streit.

Dabei hatte alles so gut begonnen: 2019 wollte der Kreis Unna zunächst die Römerstraße sanieren, ehe ein Ausbau der Landskroner Straße folgen sollte. Zwischen der Gemeinde und Lichtendorf waren die Bauarbeiten schneller beendet als geplant, konnte der Fokus im August 2019 auf die Landskroner gelegt werden.

Die schmale und unübersichtliche Kreisstraße 10 sollte innerhalb von sechs Monaten auf einer Länge von rund 1,6 Kilometern auf 5,50 Meter verbreitert und komplett neu aufgebaut werden. Dumm nur: Unter der Straße verläuft eine Hauptwasserleitung des Dortmunder Versorgers DEW21. Die lag da in Teilen bereits seit 1927. Die Last der Baufahrzeuge brachte letztlich aber ein Teilstück aus den 1950er-Jahren an mehreren Stellen zum Bersten – die Seenlandschaft in der Baustelle gab es gratis dazu.

Schon damals zeichnete sich ab, dass die Kommunikation zwischen Kreis und Versorger verbesserungswürdig ist: So habe man den Versorger schriftlich auf den Straßenausbau aufmerksam gemacht und auf einen günstigen Zeitpunkt zum Leitungstausch verwiesen. Bei der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung hieß es indes, so eine Info habe man nie bekommen.

Westfälische Seenplatte am Hixterwald: Kurz nach Baustart platzte die Hauptleitung unter der Landskroner Straße an mehreren Stellen und das Unheil nahm seinen Lauf. © Michael Neumann © Michael Neumann

Tausch einer Wasserleitung: Aus drei werden 17 Monate

Durch die aufgetretenen Schäden musste zwangsläufig getauscht und die Wasserversorgung derweil über Notleitungen sichergestellt werden. DEW21 kündigte zunächst drei Monate Bauzeit an, der Kreis wollte zeitversetzt bereits dort mit dem Straßenbau loslegen, wo der Versorger neue Teilstücke in den Boden gebracht hatte.

In den folgenden 17 Monaten beteuerte in Jürgen Busch der Leiter Straßenbau beim Kreis Unna immer wieder, dass man die eigentlichen Arbeiten bald aufnehmen könne; der Austausch der Leitungen verzögerte sich aber Monat um Monat. Aktuell sagt Busch: „Wir konnten mit dem Straßenbau in der Vorwoche aus Richtung Sölde beginnen.“ Unter der Woche dürfte die Witterung dafür gesorgt haben, dass bei einem Ortsbesuch unserer Redaktion die Arbeiten jedoch ruhten. Dennoch: „Ich bin optimistisch, dass die Anwohner bald Fortschritte sehen werden“, so Busch.

DEW21 will im März das Baufeld räumen

Zumal die ausführende Firma im Süden den Einsatz einer zweiten Baukolonne ab Römerstraße angekündigt habe. „Hier sind nur noch Nacharbeiten durch DEW21 beziehungsweise die Tochter Donetz zu erledigen“, sagt Busch. Dann solle der Versorger das Baufeld räumen.

„Wir haben hier eine bauliche Ausnahme, die zum Desaster geführt hat.“

Jürgen Busch, Leiter Straßenbau beim Kreis Unna

Die „Nacharbeiten“ bezeichnet eine DEW21-Sprecherin auf Anfrage indes als weitere Leitungsarbeiten im Bereich der Römerstraße: „Abhängig von der Witterung gehen wir davon aus, dass die Arbeiten bis Ende März abgeschlossen sein werden.“

Jürgen Busch empfindet es im Nachgang als blauäugig, dass der Versorger zunächst drei Monate für den Leitungsaustausch verkündete. Zudem herrschte erst im vergangenen November Baustopp, nachdem mehrere Stellen der neu verlegten Leitung beschädigt wurden. Das bestätigt auch DEW21: „Bei der Einsandung der neuen Leitung durch die beauftragte Baufirma sind Fehler gemacht worden, die behoben werden mussten“, sagt die Sprecherin.

Die ursprüngliche Stahl- und Gussleitung stammte laut DEW21 aus den Jahren 1927 und 1954. © Greis © Greis

Einig ist man sich zumindest auch darin, dass das Baufeld herausfordernd sei: Der Versorger gibt hier „sehr ungünstige Bodenverhältnisse, z.B. nachbrechendes Erdreich“ an. Der Straßenbau indes werde erschwert, weil die Leitung mit einem Durchmesser von 50 Zentimeter unter der Fahrbahn verlaufen muss. „Das ist eigentlich unüblich, aber aufgrund der räumlichen Bedingungen nicht anders machbar. Der Ausbau wird 5,50 Meter breit, da ist einfach kein Platz“, erklärt Busch und konstatiert: „Wir haben hier eine bauliche Ausnahme, die zum Desaster geführt hat.“

Der schwache Trost, der auch den zunehmend genervten Anliegern bleibt: „Die Situation jetzt zu haben ist besser, als beispielsweise fünf Jahre nach Ausbau und man muss alles wieder aufmachen“, sagt Jürgen Busch, der den Unmut verstehen kann.

Während man aus den Worten Buschs durchaus eine gewisse Unzufriedenheit in der Abstimmung mit der DEW21 heraushören kann, ist die Aussage dazu vom Versorger nüchtern: „Über die einzelnen Schritte waren und sind wir kontinuierlich im Kontakt, es gibt regelmäßige, gemeinsame Baubesprechungen. Als Bauleitung ist ein Ingenieurbüro für den Kreis Unna tätig, die wir für die Donetz-Baumaßnahmen ebenfalls beauftragt haben.“

Fakt ist, dass der Verzug bei der Ausbau-Maßnahme ins Geld gehen wird: Ursprünglich waren 1,1 Millionen Euro für den reinen Ausbau vorgesehen. Die Summe wuchs zwischenzeitlich auf 2,2 Millionen Euro und nun geht Busch davon aus, dass „noch eine sechsstellige Summe“ hinzu kommen wird.

Landskroner Straße könnte ein Fall für Juristen werden

Wer die Mehrkosten zahlt? „Die Baukosten für die Leitungsarbeiten übernehmen wir selbstverständlich“, so die DEW21-Sprecherin und verweist zu weiteren Kosten durch den zeitlichen Verzug auf den Kreis Unna. Jürgen Busch sagt dazu: „Wir sehen den Versorger hier in der Pflicht und behalten uns juristische Schritte vor.“

Immerhin: Bei einem ursprünglichen Zeitplan von sechs Monaten für den Ausbau der Landskroner Straße besteht Hoffnung, dass das Projekt zur Jahresmitte und dann nach zwei Jahren seinen Abschluss findet.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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