Zum Fässchen: So heißt eine von vier verbliebenen Kneipen in Holzwickede. Damit die Szene nicht weiter schrumpft, will ein Holzwickeder Geld sammeln. © Marcel Drawe
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Der Hahn muss laufen: Holzwickeder sammelt Spenden für den Erhalt der Kneipen

Für Freunde der Kneipenkultur ist die Corona-Krise eine schwierige Zeit. Ein Treffen am Tresen ist nicht drin. Damit der Zapfhahn bald wieder laufen kann, sammelt ein Holzwickeder Spenden.

Der Titel eines kürzlich erschienen Buches, das Geschichten über die heimische Kneipengeschichte enthält, heißt: „Der schönste Platz“. Der Titel des Werkes, das der örtliche Heimatverein herausgegeben hat, gefällt einem Holzwickeder besonders gut. Jan Simon ist bis vor wenigen Monaten noch gerne regelmäßig in die Kneipe seiner Wahl gegangen. Jetzt macht er sich Sorgen.

Ungewiss ist nämlich, so hat er es der medialen Berichterstattung der vergangenen Wochen entnommen, ob alle vier Kneipen in Holzwickede die Corona-Krise überstehen werden. Für Simon steht eines fest: Er möchte jedenfalls seinen persönlichen „schönsten Platz“ erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er eine Spenden-Aktion ins Leben gerufen.

Hier sind auch die Schotten dicht: Den Wirt der Kneipe Zum Pütt hat Jan Simon noch nicht erreicht. Er kann sich aber gut vorstellen, dass auch dort die Zeiten nicht leicht sind. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Die Summe wird unter allen Kneipen aufgeteilt

In Sozialen Netzwerken hat er sie beworben, innerhalb weniger Tage sind bereits 908 Euro (Stand 25. Januar) zusammenbekommen. Die Summe wird gleichermaßen auf die drei Kneipen in der Ortsmitte (Fässchen, Hoppy’s Treff, Zum Pütt) und das Kreiseleck in Hengsen verteilt.

Kontakt aufgenommen habe er zwar noch nicht zu allen Kneipen, das Gespräch mit einem ihrer Vertreter habe ihn aber ermutigt, die Sache anzugehen. „Er hat signalisiert, dass er jede Hilfe gebrauchen kann“, sagt Simon.

Auf die Idee gekommen ist der Holzwickeder durch öffentliche Diskussionen über die finanziellen Schwierigkeiten der Gastro-Szene, den Entschluss zur Umsetzung hat er aber nach einem besonderen Erlebnis gefasst. Auf der Verkaufs-Plattform Ebay habe er gesehen, dass ein Holzwickeder Wirt Stehtische und sonstiges Inventar inseriert hat.

Die Hälfte der Summe ist da, es geht aber noch mehr

Für Simon ein Indikator dafür, in welch misslicher Lage sich die örtlichen Kneipenbetreiber befinden. „Ich habe mir die Frage gestellt, wie man es schaffen kann, dass man sich irgendwann dort wiedersieht“, sagt Simon.

Nach einer Recherche über den Ablauf von Spendenaktionen hat sich Simon dann für eine Abwicklung über die App Paypal entschieden. Die Vorteile liegen einerseits auf der Hand: Die App hat viele Nutzer. Im Gegensatz zu anderen Anbietern müsse man bei Paypal zudem nicht etwa seine Kreditkartennummer angeben.

Beim Einrichten des Spendenaufrufs musste er ein gewünschtes Ziel angeben, hat sich für 2000 Euro entschieden. Diese Summe hat er binnen weniger Tage immerhin fast zur Hälfte erreicht. „Wenn es mehr wird, umso besser“, findet Simon. Mit 500 Euro könne ein Wirt vielleicht schon etwas anfangen.

Wer Geld zur Rettung der vier Holzwickede Kneipen spenden möchte, der kann das im Internet tun unter https://paypal.me/pools/c/8wdfCKPS0S

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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