Der Denkmalschutz des Rathauses Holzwickede stellt die Gemeinde bei den Umbauarbeiten vor Herausforderungen. Gleich mehrere Restauratoren widmen sich der Frage: Was kann erhalten werden, was muss?

Holzwickede

, 29.01.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine kleine Gruppe wandert durch den Ratskeller, mustert die Holzvertäfelungen und diskutiert eifrig miteinander. Ein Bürgerraum soll hier entstehen, für Vereinsabende oder kleine Feiern. Da das Rathaus allerdings unter Denkmalschutz steht, bedarf es vieler Abstimmungen mit Restauratoren, um hinterher ein perfektes Verhältnis zwischen Nutzung und Denkmalpflege herzustellen.

Die große Frage bei den aufwendigen Renovierungs- und Neubauarbeiten lautet daher vor allem: „Geht das überhaupt?“ Es bedarf viel Planung und manchmal sogar den Besuch von gleich drei Restauratoren: Anke Dreyer von der LWL Denkmalpflege, die als Expertin dazugeholte Anna Pfeiffer und Wolfgang Nonnenmacher von der Firma „Holz und Form“.

Mit UV-Lampe auf den Spuren der Zeit

Sie alle sind Experten, wenn es um hölzerne Objekte oder Vertäfelungen in historischen Gebäuden geht. „Was man an den Vertäfelungen im Ratskeller schön sehen kann, ist, wie oft das Holz bereits bearbeitet wurde“, sagt Anke Dreyer.

Mithilfe einer UV-Lampe kann ans Tageslicht gebracht werden, was dem Auge verborgen bleibt. Teile des Holzes leuchten hellgrün, andere blau oder lila. Es sieht aus, als hätte ein Kleinkind mit einem Pinsel Farbe über das Holz geschmiert. „Je mehr Farben zu sehen sind, desto mehr unterschiedliche Beschichtungen finden sich auf dem Holz.“

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Denn: Nicht alles im Rathaus befindet sich noch in seinem ursprünglichen Urstand. „Denkmal ist nicht nur die äußere Hülle, sondern auch die Geschichte. Hier haben schon viele Veränderungen stattgefunden“, erklärt Pfeiffer.

Wie das in einem denkmalgeschützten Gebäude sein kann? „Die Wertschätzung der Baukunst hat sich über die Jahre hinweg verändert.“ Was heute schützenswert ist, war es vor zwanzig Jahren bei den letzten Umbauarbeiten vielleicht noch nicht. Einiges wurde einfach übermalt.

Restaurant-Zeit hat viel kaputt gemacht

Die Zeit, in der der Ratskeller als Restaurant gedient hat, habe viel kaputtgemacht, so Pfeiffer. Kratzspuren, Fettablagerungen, alkoholische Getränke, das alles habe dem Holz zugesetzt. Wolfgang Nonnenmachers Firma kümmert sich daher neben der fachgerechten Lagerung auch darum, solche Schäden der Vergangenheit wieder ungeschehen zu machen.

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Dabei dreht sich vieles auch um die Frage, in welchem Rahmen etwas überhaupt erhalten bleiben kann. „Es ist immer ein Abwägen, wie viel man erhalten kann“, sagt Pfeiffer. „Im Rathaus hat es viele Veränderungen gegeben.“ Da müsse an jeder Stelle einzeln abgewogen werden, welcher Zustand erhalten bleiben soll. „Da spielt auch immer die spätere Nutzung mit hinein. Das muss alles harmonieren.“

Rathaus soll kein Museum werden

„Wichtig ist: Die Denkmalpflege will hier kein Museum errichten. Das ist ein großer Unterschied“, so Nonnenmacher. Es gebe Dinge, die müsse man erhalten, weil sie bereits über hundert Jahre alt sind. „Aber es ist immer eine Frage des Wie“, sagt Dreyer. „Man kann auch Sachen erhalten, ohne, dass man es sieht.“

Zur Sache

Mehrere Restauratoren im Einsatz

  • Für die Arbeiten am Rathaus müssen gleich mehrere Restauratoren von der LWL Denkmalpflege und außerhalb hinzugezogen werden.
  • Jeder Restaurator hat dabei ein Fachgebiet, in dem er sich auskennt. So müssen für das Rathaus beispielsweise Experten für Holzarbeiten und für Wand und Stuck zurate gezogen werden.
  • Deshalb muss zum Beispiel auch der Efeu an der Fassade weichen. Darunter verbirgt sich zum Teil Dekoputz, den es während der Bauarbeiten zu erhalten gilt.
  • „Die Erker zu beiden Seiten des Ratskellers und Teile der Fassade – es ändert sich nicht nur innen etwas“, sagt Stefan Thiel von der Gemeinde Holzwickede.

So wie eine Falltür im Keller. Die soll erhalten bleiben, gleichzeitig aber auch genutzt werden. In Zusammenarbeit mit Nonnenmachers Firma soll dort nun eine Drehtür eingebaut werden – allerdings so, dass man den alten Zustand auch wieder einwandfrei wiederherstellen kann. „Am Ende sollen diese Räume ja auch wieder genutzt werden. Das müssen wir auch berücksichtigen“, so Dreyer.

Denkmalschutz erfordert viel Zeit

Deswegen sei es wichtig, mehrere Treffen zu veranstalten und auch weitere Experten hinzuzuziehen. „Manchmal muss man etwas auch erst mal sacken lassen.“ Vorschnelle Entscheidungen wären fatal. „Wir müssen uns gemeinsam Abstimmen, um ein bestmögliches Ergebnis zu bekommen“, erklärt Dreyer.

Das bedürfe manchmal einfach Zeit. Zum Beispiel bei der Überlegung, wie man das vorhandene Holz auf- und für den späteren Nutzungszweck in den Rest einarbeiten will. „Bis die Farben und das Material zum Rest passen.“

Dafür haben die Restauratoren auf Holztafeln und an einer Säule Schichtproben angelegt, um zu gucken, welches Material am Ende am besten genommen wird. „Wichtig ist, dass am Ende Schichten aufgetragen werden, die reversibel sind“, erklärt Anna Pfeiffer. „Es muss immer möglich sein, den Ursprungszustand wiederherzustellen.“

Anhand von Materialproben wird bestimmt, wie das Holz im alten Ratskeller später aufgearbeitet werden soll.

Anhand von Materialproben wird bestimmt, wie das Holz im alten Ratskeller später aufgearbeitet werden soll. © Lisa Dröttboom

Neuer Fund: Holzvertäfelungen im Flur

Manchmal würden sich durch die voranschreitenden Bauarbeiten allerdings auch neue Situationen ergeben. Eine Überraschung verbirgt sich zum Beispiel im Flur des Ratskellers. Hinter einem im Laufe der Jahre hinzugekommenen Windfang sind nun alte Holzvertäfelungen zum Vorschein gekommen. „Je öfter wir hinsehen, desto mehr sehen wir“, sagt Nonnenmacher schmunzelnd.

Die Restauratoren beratschlagen nun, ob und wie man dieses Stück Originalholz erhalten kann. „Es ist ein Abwägen zwischen der Geschichte und der Funktionalität“, sagt Anke Dreyer.

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Die Experten diskutieren nun, wie man diese erhalten kann. „Da brauchen wir nun auch die Meinung des Architekten, der uns da Vorschläge machen kann.“ Und danach werden die Restauratoren ein neuerliches Treffen ansetzen, um sich über den Weitergang zu beratschlagen.

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