Momentan geht hier wegen der Corona-Krise nichts. Sobald das kulturelle Leben wieder anläuft, wird auf Haus Opherdicke die neue Betriebsleiterin Anne Schlösser übernehmen. Sie soll dort für frischen Schwung sorgen. © Regino
Interview

„Den Charme nicht verlieren“: Was die neue Betriebsleiterin mit Haus Opherdicke vor hat

Auf Haus Opherdicke hat eine neue Betriebsleiterin das Ruder übernommen. Momentan steht der Betrieb durch Corona still. Wie es danach weitergeht, verrät Anne Schlösser im Gespräch.

Frischer Wind auf Haus Opherdicke: Während des harten Corona-Lockdowns herrscht auf Haus Opherdicke gerade eher kulturelle Windstille. Damit das Haus auch nach den nächsten Lockerungen weiter als prestigeträchtiger Ausstellungs- und Veranstaltungsort präsentiert wird, arbeiten die Verantwortlichen vom Kreis Unna weiter an konzeptionellen Veränderungen, unter anderem an digitalen Angeboten.

Auf solche Bilder werden Holzwickeder Kulturliebhaber noch ein wenig warten müssen: Veranstaltungen, wie hier der Auftritt von Jazzmusiker Chris Hopkins im Rahmen der Sommerbühne waren im vergangenen Jahr erlaubt, momentan finden dort keine Konzerte statt. © Udo Hennes © Udo Hennes

Mitten in dieser Phase gibt es aber auch personelle Veränderungen: Die aus Dortmund stammende Anne Schlösser übernimmt die Betriebsleitung des ehemaligen Wasserschlosses in Opherdicke, ist neben dem Bistro auch für die Vermietung für Veranstaltungen zuständig. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie, was sie ins beschauliche Holzwickede zieht – und erklärt, wie sie das Haus weiterentwickeln will.

Aus dem Dortmunder U nach Haus Opherdicke in Holzwickede: Was hat Sie zu diesem Jobwechsel bewogen?

Es ist einfach wunderschön hier. Ich habe sehr gerne im Dortmunder U gearbeitet, zumal in einem der Wahrzeichen Dortmunds zu arbeiten mich als gebürtige Dortmunderin mit Stolz erfüllt hat. Jedoch handelt es sich beim Dortmunder U auch um ein sehr großes Gebäude mitten in der Innenstadt und aufgrund privater Ereignisse hat sich meine Grundeinstellung zum Stadt-Land-Leben verändert. Mich zieht es privat immer mehr in die Natur und nun freue ich mich darüber, dass es mich auch beruflich aus der Großstadt treibt. Das Haus Opherdicke vereint vieles, was ich selbst vertrete. Beispielhaft kann ich aufführen, dass ich selbst Alt-Saxophon gespielt habe, sowohl Jazz als auch Klassik, was entsprechend zu den Veranstaltungsreihen „Kammermusikalischen Reihe“ und „WeltMusik MusikWelt“ passt. Das Haus Opherdicke ist ein wunderschöner Ort mit sehr viel Potenzial. Und ich sehe es als meine neue Herausforderung, dieses Potenzial bestmöglich auszuschöpfen – sowohl auf die Atmosphäre des Hauses bezogen, als auch betriebswirtschaftlich.

Was sind Ihre Aufgaben?

Wie der Begriff bereits sagt, ist die Aufgabe der Betriebsleitung den Betrieb vor Ort zu leiten, unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher und qualitativer Kennzahlen. Detaillierter könnte man wissenschaftlich von Kostenreduzierung durch Prozessoptimierung, Qualitätserhöhung durch einen einfacheren Kommunikationsweg und weiteren Faktoren sprechen. Aber ich mag Sie mit meinem Studium nicht langweilen. Letztendlich geht es darum, sowohl den Ort als kulturelle Einrichtung zu stützen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und touristisch attraktiver zu machen. Ich kümmere mich vornehmlich um das Bistro und die Veranstaltungen des Hauses und deren reibungslosen Ablauf, mit allem, was dazu gehört.

Waren Sie schonmal auf Haus Opherdicke?

Was ich weiß ist, dass das Haus einen ganz besonderen Charakter und Charme hat und dieses Haus sehr vielseitig genutzt werden kann: Wer das Haus Opherdicke besucht, hat zahlreiche Möglichkeiten, eine schöne Zeit zu verbringen – sei es in den wechselnden Kunstausstellungen, in den verschiedenen Konzerten, im schönen Skulpturenpark mit dem daran angrenzenden Wander- und Radfahrrouten oder eben im gemütlichen Bistro. Immer mehr Besucher gehen sogar noch einen bedeutungsvollen Schritt weiter und möchten auf diesem Anwesen einen der schönsten Tage ihres Lebens zelebrieren: ihre Hochzeit. Dieses Haus ist symbolisch die „gute Stube“ und ein Leuchtturm des Kreises Unna und entsprechend auch für die Gemeinde Holzwickede. Und Symbole haben für mich einen hohen Stellenwert, die es zu pflegen und zu erhalten gilt.

Worauf freuen Sie sich bei ihrer künftigen Arbeit am meisten?

Die Ansprüche an das Haus als Kultur- und Veranstaltungsort mit der Betriebswirtschaftlichkeit und die Kontroversen in Einklang zu bringen. Das Haus darf an Charme nicht verlieren, aber trotzdem müssen wir in die Zukunft blicken und uns dabei auch auf die Weiterentwicklung konzentrieren.

Wie schwierig wird es sein, nach den nächsten Corona-Lockerungen wieder mit Schwung den Betrieb zu starten?

Dies ist eine Frage der optimalen Vorbereitung. Aber natürlich wird dies eine besondere Herausforderung, weil ich nun nur theoretisch die Dinge betrachten, planen und organisieren kann. Wie die Abläufe dann tatsächlich sind und wie das Team funktioniert, erfahre ich dann erst, wenn es wieder losgeht. Jeder Neuanfang, auch mit mir als neue Leitung, ist erstmal holprig. Zudem muss auch das Team neu starten. Nach einer so langen Pause müssen sich alle erst wieder aneinander gewöhnen. Aber wenn alle zusammenhalten, dann werden wir den richtigen Weg schon finden. Ich freue mich darauf, hoffentlich bald auch Praxis zu erleben.

Wird sich am betrieblichen Konzept etwas ändern?

Zunächst wird sich nach außen hin nicht großartig etwas ändern, intern optimieren wir jedoch Einiges. Dies wird sich langfristig u.a. auf die Qualität der Veranstaltungen auswirken. So werden dann insbesondere unsere Gäste etwas von den Veränderungen wahrnehmen. Aber an dieser Stelle mag ich noch nicht zu viel verraten.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
Zur Autorenseite
Carlo Czichowski
Lesen Sie jetzt