Das Erscheinungsbild der Gemeinde sorgt für Kritik

dzGraffiti, Müll und dürre Pflanzen

Vandalen beschmieren die Multisportanlage, Müll wird achtlos weggeworfen und auch die Bepflanzung der Gemeinde erntet vonseiten der Bürger Unverständnis.

Holzwickede

, 21.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Als vor den Sommerferien auf der anderen Seite des Parkplatzes an der Kirchstraße der Mehrgenerationenspielplatz eröffnet wurde, war Bürgermeisterin Ulrike Drossel noch stolz, betonte dass es bislang keinerlei Schäden an der Multisportanlage gäbe. Das sieht aktuell anders aus: Vandalen haben die Banden des Käfigs mit mehreren fragwürdigen und äußerst pubertären Sprüchen besprüht. Auf der Überdachung einer Sitzgelegenheit findet sich der Korpus einer nackten Frau wieder. Mit viel Fantasie könnte man hier den Verweis des Künstlers auf die Venus von Milo erkennen. Dazu findet sich immer wieder die Zahlenkombination „187“. Das dürfte der Rap-Kultur entlehnt sein, die Zahl wird von der US-amerikanischen Polizei als Funk-Code für Mord verwendet.

So stupide und pubertär die Kritzeleien in schwarzer Sprühfarbe auch sein mögen, für die Gemeinde sind sie extrem ärgerlich. „Das müssen wir schnellstmöglich entfernen“, sagt Wirtschaftsförderer Stefan Thiel bei einem Besuch vor Ort. Im ersten Versuch dürfen sich nun die Mitarbeiter des Bauhofes an den Schmierereien versuchen. Laut Thiel habe der Hof ein entsprechendes Gerät. Dann würden sich die Kosten in Grenzen halten. Teurer würde es, wenn eine Spezialfirma anrücken müsste. Auch an den Banden haben sich Halbstarke schon ausgelassen, zum Teil sind einzelnen Platten leicht eingedrückt, weisen auch erste Ritzspuren auf.

Das Erscheinungsbild der Gemeinde sorgt für Kritik

Die „Venus von Howi“ hat nur bedingte künstlerische Qualität. Ärgerlich ist auch der Müll, der sich rund um die Anlage sammelt. © Greis

Bespielbar ist die Multisportanlage, die im September 2017 eröffnet wurde und rund 60.000 Euro gekostet hat, trotz der Vandalismusschäden. Während des Ortsbesuches kommen drei Jungs hinzu, die regelmäßig auf dem Platz spielen. „Wir sind auch im Verein, aber die Plätze sind normalerweise nicht offen“, sagt einer. Der Bolzplatz werde oft von ihnen genutzt, auch wenn der Tartanbelag recht hart sei und sie sich statt Eisenstangen im Tor lieber richtige Netze wünschen würden. Die Jungs wissen, dass die Schmierereien nicht erst seit gestern den Sportplatz verunstalten. „Das ist bestimmt schon seit einem Monat da“, sagt einer. Die drei wissen auch, dass die Anlage in den Abendstunden ein Treffpunkt für Jugendliche ist, die dann Musik hören und auch Alkohol trinken würden. Beides wird auf einem Schild vor Ort zumindest untersagt.

Flaschen finden sich beim Kontrollgang am Dienstag vor Ort zwar nicht, aber kleinteiliger Plastikmüll, die Reste einer Wassermelone, an der sich Wespen laben und Verpackungskartons schmälern wie die Graffitis den Gesamteindruck der Anlage. Besonders ärgerlich: Drei Mülleimer, jeweils nicht mal zu einem Drittel gefüllt und einer davon sogar mit einem Pfandring, finden sich direkt an der Multisportanlage. Anscheinend werden sie aus purer Bequemlichkeit nicht genutzt. Anders lässt sich der Dreck rund um den Platz nicht erklären. „Wir kontrollieren die Plätze in regelmäßigen Abständen“, sagt Thiel. Jeden Tag geht das aber auch nicht. Beim Anblick des Mülls, der angeknabberten Melonenstücke und der leeren Abfalleimer kann er sich auch nur mit Ironie behelfen: „Immerhin essen sie Obst.“

Kritik von Bürgern an der Bepflanzung

Ein weiteres Ärgernis im Erscheinungsbild ist die Bepflanzung in den Beeten und Rabatten entlang der Gemeindestraßen. Mehrere Beschwerden von Bürgerseite richten sich vor allem gegen die Bepflanzung im Bereich der Haupstraße gen Opherdicke. Hier hat die Gemeinde im Rahmen des Grünflächenaktionsplans im Frühjahr die alten Wildrosen entfernt, neues Grün gesät und in der Mitte des Streifens Holzpfähle in den Boden getrieben, die mit dünnen Stahlseilen verbunden sind. Darunter wurden Feldahorn und Feuerdorn gepflanzt, die zu Hecken heranwachsen sollen. Derzeit zeigen sich aber nur dünne Pflänzchen, die von Unkraut umzingelt sind. „Das sieht aus, als ob es ein Konditor gemacht hätte“, lautet der Kommentar eines Holzwickeders, dem die Bepflanzung nicht zusagt.

Dem stellvertretenden Baubetriebshofleiter Armin Nedomansky ist bewusst, dass nicht alle Maßnahmen aus dem Grünflächenaktionsplan wie erhofft funktioniert haben. So habe das Experiment der Wildblumenwiesen an manchen Stellen wie in Opherdicke funktioniert, an der Nordstraße war der Anblick eher trist statt bunt. Zu allem Überfluss habe Straßen.NRW die Wiese auch noch frühzeitig gemäht. Für Kriechspindel und Myrthe, die die Nordstraße gen Gemeindemitte begrünen sollten, habe er aufgrund der Bedingungen vor Ort mit viel Wurzelwerk von Anfang an wenig Hoffnung gehabt.

Die Maßnahmen an der Hauptstraße sieht Nedomansky aber nicht als gescheitert. „Die Hecken müssen entlang der Seile erst wachsen. Sie sind nach dem Pflanzen auch gut angegangen, dann kam die Dürre“; sagt Nedomansky. In der Folge wurden die Hecken nicht gegossen, weil das Wasser der Tankwagen für junge Bäume und höherwertige Sträucher vorgesehen war. „Die Hecken können sich aber erholen“, so Nedomansky. Bis sie einen dichten Verbund bilden, würde es laut Nedomansky sowieso noch zwei bis drei Jahre dauern. Darauf sei die Maßnahme auch ausgelegt.

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