Darum haben junge Menschen wenig Interesse an Städtepartnerschaften

dzHolzwickede und Weymouth

Partnerschaftsvereine kämpfen ums Überleben. Es fehlt ihnen an Nachwuchs. Doch Holzwickede und Weymouth glauben an die Zukunft ihrer Freundschaft. Die haben sie jetzt sogar erneuert.

von Jennifer Freyth

Holzwickede

, 14.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 33 Jahren schon ist Holzwickede mit Weymouth and Portland befreundet. An ihrer Freundschaft wollen zumindest Holzwickede und Weymouth auch in Zukunft festhalten – auch wenn das eine große Herausforderung ist. Und das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist da der ungewisse Ausgang des Brexit, der den Engländern, aber auch den Holzwickedern Sorgen bereitet, wie Bürgermeisterin Ulrike Drossel am Freitag bei der Erneuerung der Städtepartnerschaft sagte. Ilona Lienkamp, Vorsitzende des Deutsch-Britischen Clubs, ist aber überzeugt: „Die Städtepartnerschaft wird den Irrungen und Wirrungen in Großbritannien standhalten.“

Weymouth und Portland gehen getrennte Wege

Da ist aber auch noch der Bruch mit Portland, der die erneute Unterzeichnung der Freundschaftsurkunden zwischen Weymouth und Holzwickede überhaupt erst erforderlich machte. Nach einer kommunalen Neustrukturierung haben Weymouth und Portland eigenständige Verwaltungen.

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Sie gehen seit April getrennte Wege. Und der von Portland führt seither eben nicht mehr über Holzwickede, was sowohl Ulrike Drossel als auch Graham Winter, Bürgermeister von Weymouth, sehr bedauern. Beide haben aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich das in Zukunft womöglich noch einmal ändern wird.

Partnerschaftsvereine kämpfen ums Überleben

Und schließlich ist da noch die Altersstruktur, mit der der Partnerschaftsverein zu kämpfen hat. Junge Leute seien nur noch schwer für Städtepartnerschaften zu begeistern, sagt Lienkamp. Sie seien ein grenzenloses Europa gewohnt. Günstige Flugtickets machten sie mobiler denn je. „Entfernungen haben an Bedeutung verloren“, so die DBC-Vorsitzende. Menschen seien nicht mehr auf Partnerschaftsvereine angewiesen, reisten heute unabhäng.

Ganz zu schweigen von der Technik, die es ihnen ermöglicht, allzeit verbunden zu sein mit wem auch immer. Sich hier per App durch die Stadt navigieren lassen, dort ein Selfie machen – äußerst fortschrittlich sei das alles. „Aber inwieweit kommen die Menschen so noch in Kontakt?“, fragt Lienkamp.

„Das hat wenig mit Völkerverständigung zu tun“, fürchtet sie, dass Partnerschaftsvereine zum Auslaufmodell werden. Dabei werden sie in Zeiten, in denen Populisten in vielen Ländern Aufwind verspüren, wichtiger denn je. Deshalb haben sich beide Kommunen mit der Erneuerung ihrer Freundschaft auch dazu verpflichtet, vor allem junge Menschen für ihre Städtefreundschaft zu begeistern.

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