Daniel Müller-Schott bringt Tschaikowsky in die Kirche am Markt

Celloherbst am Hellweg

Eine Klangreise durch Europa verspricht der Celloherbst am Hellweg in diesem Jahr. Am kommenden Mittwoch führt diese Reise in die Holzwickeder Kirche am Markt.

Holzwickede

, 04.10.2018, 14:08 Uhr / Lesedauer: 3 min
Daniel Müller-Schott bringt Tschaikowsky in die Kirche am Markt

Daniel Müller-Schott gehört zu den besten Cellisten weltweit. © Schneider/Celloherbst

Mit Daniel Müller-Schott spielt in der Kirche am Markt einer der weltbesten Cellisten auf. Zusammen mit Dirigent Johannes Wildner und dem Kammerorchester des Orchesterzentrums NRW in Dortmund wird das Programm ab 20 Uhr die Werke des russischen Komponisten Peter Tschaikowsky in den Mittelpunkt stellen.

Müller-Schott fungiert in diesem Jahr zum zweiten Mal als Schirmherr der Veranstaltung, ist dem Festival seit Jahren freundschaftlich verbunden und war in den vergangenen Jahren regelmäßiger Gast beim Celloherbst. Vor vier Jahren wurde die Beziehung ins Ruhrgebiet noch enger – ein Defekt an Müller-Schotts Cello sei Dank, erinnert sich die künstlerische Leiterin des Festivals, Felicitas Stephan: „2014 hatte er einen Auftritt in Essen, kam hier am Flughafen aber mit beschädigtem Instrument an.“ Stephan half mit einem Kontakt zu einer Geigenbaumeisterin in Unna, die eine beschädigte Leiste am Cello klebte. „Der Leim musste natürlich trocknen und so hatten wir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück“, sagt Stephan. Dabei habe der Cellist sein Interesse bekundet, künftig nicht allein anzureisen, zu spielen und wieder abzureisen.

Zur Person

Früh für Furore gesorgt

Daniel Müller-Schott studierte bei Walter Nothas, Heinrich Schiff und Steven Isserlis und erhielt schon früh persönliche Unterstützung von Anne-Sophie Mutter innerhalb ihrer Stiftung. Diese Förderung ermöglichte dem jungen Cellisten ein Jahr privaten Unterricht bei Mstislaw Rostropowitsch. Bereits im Alter von 15 Jahren machte Daniel Müller-Schott erstmals international Furore durch den Gewinn des Ersten Preises beim Internationalen Tschaikowsky Wettbewerb für junge Musiker 1992 in Moskau.

So wird Müller-Schott in diesem Jahr beispielsweise nicht nur das Konzert in Holzwickede und tags darauf in Dortmund geben. Bei einem Probentag im Vorfeld der Konzerte ermöglichen Müller-Schott und Gabriel Schwabe jungen Cellisten einen Meisterkurs. „Unter den Violinisten gibt es eine Anne-Sophie Mutter, die jeder kennt. Schott hat ihren Stellenwert, nur eben als Cellist“, sagt Celloherbst-Intendant Uli Bär. Das sei wie beim Sport: „Fußball bekommt da auch mehr Aufmerksamkeit als Handball.“ Die New York Times beschreibt Daniel Müller-Schott als „einen furchtlosen Spieler mit überragender Technik.“ Der Cellist ist auf allen wichtigen internationalen Konzertpodien zu hören.

In Holzwickede hat Daniel Müller-Schott schon als Solist gespielt und war vom Klang der Kirche am Markt begeistert. „Der wollte damals gar nicht mehr gehen“, sagt Felicitas Stephan. Wenn Müller-Schott am Mittwoch mit dem früheren Generalmusikdirektor der Neuen Philharmonie Westfalen Johannes Wildner und dem Kammerorchester aufspielt, sei es für die Musiker von gewisser Bedeutung, dass die Kirche gut gefüllt ist – auch für eine bessere Akustik. „Der Hall ist grundsätzlich gut, aber wenn viele Zuhörer da sind, wird der Klang wärmer“, sagt Felicitas Stephan. Wenn die Musik wärmt, kommt das allen Beteiligten zugute: Die Heizung in der Kirche am Markt darf nämlich nicht höher als 17 Grad eingestellt werden. Zu viel Wärme und damit auch Feuchtigkeit würde dem Inventar schaden.

„Venezianische Nacht“

Die Information war beim Ortstermin am Donnerstag auch für Wladimir Kossjanenko wichtig. Er leitet die „Virtuosen von Split“. Das kroatische Ensemble wird den zweiten Termin in Holzwickede im Rahmen des Celloherbstes am Samstag, 3. November, gestalten. Zusammen mit den Solistinnen Felicitas und Pauline Stephan entführen die Musiker ihre Gäste dann in eine „Venezianische Nacht“ mit Werken von Vivaldi, Albinoni und Rossini. Für das Mutter-Tochter-Gespann wird es der erste gemeinsame Auftritt als Solistinnen. „Das wird besonders. Ich werde öfters darauf angesprochen“, sagt Felicitas Stephan, die in Opherdicke lebt.

Auch für Kossjanenko, dessen Ensemble für drei Auftritte (neben Holzwickede auch in Hamm und Kamen) beim Celloherbst zehn Musiker umfasst, werden die „Venezianischen Nächte“ besonders: „Wir haben uns 2012 gegründet, sind seitdem in mehreren Städten in Kroatien zu Gast gewesen. Das werden nun unsere ersten Gastspiele außerhalb Kroatiens“, sagt Kossjanenko. Der gebürtige Kasache studierte am Konservatorium in St. Petersburg. Einer Einladung des Gustav-Mahler-Jugendorchesters folgte er 1991 nach Wien und spielte dort mitunter auch für die Wiener Philharmoniker. Nach 17 Jahren in Wien zog es ihn nach Split. Hier unterrichtet er seit zehn Jahren an der Kunstakademie Viola, Kammermusik und Streichquartett.

Französische Impressionen

Das dritte Konzert in der Gemeinde im Rahmen des Celloherbstes bietet dann in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Holzwickede französische Impressionen mit Debussy und Saint-Saëns am Donnerstag, 8. November, auf Haus Opherdicke. Das Musikfestival Celloherbst am Hellweg ist eines der größten im östlichen Ruhrgebiet und seit dem 22. September an 20 Spielorten in Westfalen statt. Das Abschlusskonzert steigt am Samstag, 24. November, in der katholischen Kirche St. Marien in Unna mit den 12 Hellweger Cellisten.

Karten für das Konzert am Mittwoch in der Holzwickeder Kirche am Markt (und für weitere Termine) lassen sich am einfachsten über das Celloherbstbüro unter der mobilen Telefonnummer (0163)6409246 reservieren. Alternativ geht auch Email: info@celloherbst.de

Tickets für Daniel Müller-Schott kosten im VK 17 Euro (12 Euro) und an der AK 20 Euro (15 Euro). Weitere Infos zu Terminen und Ticketpreisen finden sich auf der Webseite des Festivals.

Zur Webseite des Celloherbstes

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