Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann (l.) in einem für Förderbedarf eingerichteten Lernraum: Als Schule des Gemeinsamen Lernens braucht das CSG gesonderte Räume für kleine Lerngruppen. © Marcel Drawe
Clara-Schumann-Gymnasium

CSG-Leiterin zur möglichen Dreizügigkeit: „Ich will keine Kinder ablehnen müssen“

Bis 19. März entscheidet sich, ob das Clara-Schumann-Gymnasium künftig mit drei oder vier Eingangsklassen in ein Schuljahr starten darf. Die Schulleiterin will keine Kinder ablehnen. Sie weiß um die Konsequenzen.

Zum Ende der Woche schließt das Anmeldefenster für künftige Fünftklässler am Clara-Schumann-Gymnasium, müssen Eltern die entsprechenden Unterlagen eingereicht haben. Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann äußerte sich unter der Woche nicht zu einer Tendenz, wie viele Kinder zum kommenden Schuljahr aus der Primarstufe ans CSG wechseln wollen.

Wohl aber sagt die Schulleiterin etwas zu den Folgen, die eine Dreizügigkeit für die Einrichtung hätte. Auch wenn die offizielle Entscheidung der zuständigen Bezirksregierung in Arnsberg wohl erst am 19. März verkündet wird, so deuten die Signale aktuell daraufhin, dass die von der Gemeinde als Schulträger beantragte dauerhafte Vierzügigkeit abgelehnt wird.

„Wir haben natürlich ein Interesse daran, das Einzugsgebiet groß zu halten. Je mehr Kinder wir später in die Oberstufe bringen, desto größer ist das mögliche Kursangebot“, sagt Helmig-Neumann. Mehr Kurse bedeuten eine bessere Ausbildung und damit steigt die Attraktivität des CSG.

Anmeldezahlen sprechen für das Förderkonzept der Schule

© Marcel Drawe © Marcel Drawe

„Es gibt keine bessere Evaluation als Anmeldezahlen.“

Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann

An der Qualität der Bildung mangelt es am CSG nicht: Mit auswärtigen Schülern könnte das Gymnasium eine Vierzügigkeit zahlenmäßig vertreten. Eine wichtige Grundlage für die Berechnung der Zügigkeit sind aber alleine die Kinder aus Holzwickede. „Es ist ja nicht so, dass die entscheidende Behörde sich besonderen Situationen nicht bewusst ist. Aber die Entscheidung ist an die gesetzlichen Vorgaben gebunden und da zählen eben die gemeindeeigenen Kinder“, so Helmig-Neumann.

Die „besondere Situation“ wiederum ist am CSG durch das sogenannte Gemeinsame Lernen gegeben. In der Region sind nur wenige Gymnasien verpflichtet, auch Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen zu beschulen. Das CSG ist der Aufgabe im Jahr 2019 mit einem Konzept begegnet, dass auch eine Begabtenförderung einschließt – jedem Kind dadurch die individuell nötigen Lernangebote machen will.

„Das haben wir anscheinend sehr erfolgreich umgesetzt, denn die Anmeldezahlen sind seitdem gestiegen. Als Schulleiterin sehe ich das natürlich positiv, es gibt keine bessere Evaluation als Anmeldezahlen“, so Helmig-Neumann. Erst nach der Anmeldewoche wird klar sein, wie viele kommende Fünftklässler ans CSG wechseln wollen. „Ich will keine Kinder ablehnen müssen. Nie. Und vielleicht müssen wir das auch nicht. Aber ablehnen, das wäre gefährlich, denn es hätte Konsequenzen.“

Für viele Kinder aus dem Sölder Raum ist das CSG die erste Wahl

Eine wäre schwindende Akzeptanz für das CSG aus dem Umland. „Seit 20 Jahren gehen etwa Kinder aus Sölde hier zu Schule. Das weiß man. Wenn wir hier Kinder künftig ablehnen müssen, wird sich das rumsprechen“, so Helmig-Neumann. Eine mögliche Schulvereinbarung, wie sie etwa zwischen Schwerte und Dortmund besteht und Kindern aus den Dortmunder Randgebieten denselben Status bei der Anmeldung einräumt wie den Schwertern, gibt es zwischen der Gemeinde und der Großstadt nicht.

„Daran werden wir arbeiten, aber die Zeit dafür wird für das kommende Schuljahr nicht reichen“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Drossel. Vorerst wird man nun wohl bis zur offiziellen Entscheidung der Bezirksregierung eine Satzung anstreben, die einen Einzugsbereich definiert. Nur das würde eine Bevorzugung von Holzwickeder Kindern legitimieren. Andernfalls drohen Los-Entscheide.

Verwaltung und Politik hatten den Antrag zur Vierzügigkeit im Januar beschlossen. Und anscheinend hatten weder der zuständige Fachbereich noch politische Vertreter die entsprechenden Kenntnisse, dass man eben jenen Antrag auf Grundlage der falschen Anmeldezahlen stellt. Der Beschluss, die Vierzügigkeit zu beantragen, war letztlich einstimmig.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis
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