Coronavirus: Holzwickeder Pastor ist besorgt – Osterfest ist wohl nicht in Gefahr

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Das Coronavirus breitet sich weiter im Kreis Unna aus. Auch wenn es noch keinen bestätigten Fall in Holzwickede gibt, hat das auch Auswirkungen auf die heimischen Kirchengemeinden.

Holzwickede

, 09.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach aktuellem Stand gab und gibt es in Holzwickede noch keinen bestätigten Corona-Fall. Die aktuelle Maßgabe, dass Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt werden, lässt die Gemeinde relativ unberührt: Solche Zahlen sind über mehrere Tage frühestens Anfang Mai beim Holzwickeder Malermarkt und später im Monat dann bei Holzwickede Karibisch zu erwarten.

Dennoch ist die Ansteckungsgefahr auch im kleineren Rahmen durchaus existent. Und das gilt auch für Kirchen. Gerade vor und in der Osterzeit besuchen deutlich mehr gläubige Christen die Gottesdienste.

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Der katholische Pastor Bernhard Middelanis aus Holzwickede sieht auch seine Gemeinde vor einer großen Herausforderung: „Ich bin normalerweise ein Typ, der dazu aufruft, nicht allzu aufgeregt zu sein.“ Beim Coronavirus aber sehe er das etwas anders.

Zahl der Coronavirus-Fälle im Kreis Unna ist auf vier gestiegen

„Ich gucke jeden Abend die Nachrichten und habe die Hoffnung, dass es wieder besser wird“, sagt er. Eine Besserung ist derzeit aber nicht in Sicht: Die Zahl der Infizierten liegt im Kreis Unna mit Stand 11. März bei sechs.

Das Erzbistum Paderborn hat vor wenigen Wochen ein Schreiben an die Kirchenvertreter gesendet, in dem mehrere Empfehlungen für den Umgang mit dem Coronavirus stehen. Pfarrer Paul Mandelkow, Chef des Pastoralen Raums der Katholiken, habe angeordnet, dass diese in den heimischen Kirchen eingehalten werden sollten.

In der katholischen Liebfrauenkirche sollen Gläubige in den nächsten Wochen einigen Regeln folgen, die das Erzbistum Paderborn wegen des Coronavirus empfohlen hat.

In der katholischen Liebfrauenkirche sollen Gläubige in den nächsten Wochen einigen Regeln folgen, die das Erzbistum Paderborn wegen des Coronavirus empfohlen hat. © Udo Hennes

In Holzwickede haben die katholischen Kirchen diese Maßnahmen bereits umgesetzt. „Wir haben vor einer Woche das Weihwasser vom Eingang unserer Kirchen entfernt, um das Infektionsrisiko zu senken“, sagt Middelanis. Das Virus bringt die Gläubigen aber auch dazu, noch weitere Bräuche auszusetzen – oder zumindest vorübergehend anders zu praktizieren.

So sollen die Katholiken auf Empfehlung des Erzbistums in den kommenden Wochen auf den sogenannten Friedensgruß, bei dem sich die Besucher des Gottesdienstes gegenseitig umarmen oder die Hand schütteln, verzichten. „Stattdessen verneigen wir uns voreinander und lächeln uns nett an“, erklärt Middelanis.

Ähnlich wird es auch in den Gottesdiensten der evangelischen Kirchen gehandhabt. „Auf Händeschütteln und Körperkontakt verzichten wir wo nötig ebenfalls“, beschreibt Pfarrer Philipp Reis ähnliche Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Katholiken.

Es werden keine Oblaten mehr in den Mund gelegt

Problematischer ist die Sachlage bei der Kommunion. Zwar ist es hierzulande ohnehin üblich, dass Katholiken die Oblaten, die für den Leib Christi stehen, sich in die Hand geben lassen. Einige Gläubige wählen aber auch gerne jene Variante, in der der Pastor sie ihnen in den Mund legt. Letztere soll momentan nicht mehr praktiziert werden.

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Wie Middelanis mitteilt, nimmt er die Gefahr, die das Virus gerade für ältere oder kranke Menschen bedeuten könnte, sehr ernst. Die Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln und auch der Empfehlungen vom Erzbistum Paderborn habe daher eine hohe Priorität: „Wir bekommen dafür viel Zuspruch“, sagt Middelanis.

Aus Sicht der Kirche ist klar, dass die Gesundheit grundsätzlich einen höheren Stellenwert haben sollte als die unbedingte Ausübung christlicher Rituale. Zumindest solange sich das Virus noch weiter ausbreitet und nicht doch noch vollständig eingedämmt werden kann.

In den nächsten Wochen starten für die Kirchengemeinden die Vorbereitungen auf das Osterfest. Derzeit geht Middelanis davon aus, dass die Gottesdienste des höchsten christlichen Festes ohne weitere Einschränkungen stattfinden können.

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