Coronavirus-Video geht viral: „Ich will auf die Mängel hinweisen“

dzHausarzt aus Holzwickede

Ein Video von Hausarzt Dr. Udo Pappert geht im Internet viral – obwohl es gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Die Kernaussage: Deutschland ist nicht gut auf das Coronavirus vorbereitet.

Holzwickede

, 27.02.2020, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das knapp anderthalb Minuten lange Video von Dr. Udo Pappert aus Holzwickede wurde am Mittwoch öffentlich über das soziale Netzwerk Facebook ausgespielt. Innerhalb von wenigen Stunden wurde es bis Donnerstagnachmittag tausendfach geteilt und angeschaut.

Gerechnet hatte Pappert damit nicht – denn er selbst hat es nicht auf Facebook verbreitet. Und es war auch nicht für die breite Masse bestimmt. Vielmehr produzierte er den kurzen Clip für rund 20 Freunde und verschickte es über den Nachrichtendienst Whatsapp. Einer der Empfänger veröffentlichte das Video wiederum auf Facebook.

Arzt ärgert sich über Aussagen von Gesundheitsminister Jens Spahn

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt Pappert am Donnerstag: „Man merkt im Video, dass ich mich ärgere.“ Diesen Ärger verursachten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Leiter des Robert-Koch-Instituts mit ihren Aussagen vom Mittwoch, wonach Deutschland gut auf das Coronavirus vorbereitet sei.

„Das Coronavirus macht mir keine Angst. Da bin ich ganz entspannt.“
Dr. Udo Pappert

Das sieht Udo Pappert anders und fragt: „Wenn wir so gut vorbereitet sind, warum haben wir Lieferengpässe bei Desinfektionsmitteln, Schutzmasken und -anzügen?“ Sein Video entstand, bevor Jens Spahn später am Mittwochabend einräumte, dass Deutschland vor dem Beginn einer Corona-Epidemie stehe und allein in NRW sechs Corona-Fälle offiziell bekannt waren. „Das hat mich darin bestätigt, dass ich wohl nicht so unrecht habe“, sagt Pappert am Donnerstag.

Wichtig ist ihm zu betonen: „Das Coronavirus macht mir keine Angst. Da bin ich ganz entspannt. Ich werde Infomaterial und Maßnahmen zur Hygiene und Desinfektion in meiner Praxis nun hochfahren.“ Niemand in der Bevölkerung müsse panisch werden.

Was Pappert aber kritisiert und eigentlicher Auslöser für sein Video war: „Ich will routinemäßig Desinfektionsmittel und Mundschutze bestellen und die Lieferanten haben entweder Engpässe oder ihre Preise enorm erhöht“, sagt der Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin.

Rund 120 Patienten betreut Dr. Udo Pappert laut eigener Aussage momentan am Tag in seiner Praxis am Holzwickeder Markt.

Rund 120 Patienten betreut Dr. Udo Pappert laut eigener Aussage momentan am Tag in seiner Praxis am Holzwickeder Markt. © Christian Greis

Zur Person

Seit 26 Jahren als niedergelassener Arzt im Dienst

  • Dr. Udo Pappert ist seit 26 Jahren niedergelassener Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin, Sportmedizin, Chirotherapie, Akupunktur und Ernährungsmedizin.
  • Nach eigenen Angaben betreut seine Praxis momentan rund 120 Patienten am Tag.
  • Das Corona-Virus sei durchaus Thema unter seinen Patienten, da die Symptome nicht von einer Erkältung oder Grippe zu unterscheiden sind.
  • In seiner Praxis am Markt in Holzwickede wird Dr. Pappert Info-Material und Desinfektionsmittel bereits im Eingangsbereich bereitstellen.
  • Wie in anderen Praxen gilt: Wer entsprechende Symptome aufweist, sollte sich vorab erst telefonisch bei seinem Arzt oder Ärztin melden.

In den Ministerien spreche man davon, die Praxen mit Ganzkörper-Schutzanzügen auszurüsten – angekommen sind die nicht. „Die habe ich mir frühzeitig selbst besorgt“, sagt Pappert.

Er beendet sein Video mit der Ankündigung, seine Praxis zu schließen, wenn er sich und sein Mitarbeiterteam wegen Material-Mangels künftig nicht vor Ansteckungen schützen könne. Doch davon sei nicht auszugehen: „Wir haben unsere Vorräte. Durch das Video haben sich zudem Lieferanten gemeldet. Es kann aber doch nicht sein, dass ich als Arzt hundert Händler anrufen muss.“

Informationen und Ansprechpartner rund um Coronavirus fehlen

Pappert vermisst die Unterstützung gerade in der ambulanten Versorgung von offiziellen Stellen: „Mich stört die Differenz vom stationären zum ambulanten Bereich. Und wohin gehen die Menschen zuerst? Genau, zu ihrem Hausarzt.“

Infos zu Lieferengpässen, Lösungsvorschläge oder zumindest Informationsmaterial – all das fehle. „Das kann ich mir selber über das Robert-Koch-Institut zusammensuchen und ausdrucken“, sagt Pappert.

Von offiziellen Stellen wie der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) käme hingegen nichts.

Pappert zählt auf, wen er alles am Mittwoch telefonisch auf die Missstände aufmerksam machen wollte: KVWL, Bundesgesundheitsministerium, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. „Nirgends bekommt man einen kompetenten Ansprechpartner.“

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Der Hausarzt fordert von den übergeordneten Stellen, dass die Mängel in der Lieferkette für Schutzmaterialien behoben werden. So müsse sichergestellt sein, dass sowohl niedergelassene Ärzte, aber auch Apotheken genügend Schutzmasken ausgeben können. „Wenn Sie krank sind, unabhängig von Corona, dann schützen Sie mit einer Maske zumindest andere“, sagt Pappert.

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