Die Parteien bringen sich für den Wahlkampf in Stellung. Das Coronavirus macht die Aufgabe nicht leichter. Neue Wege finden sich im Digitalen – speziell auf Soziale Medien setzt aber nicht jede Partei.

Holzwickede

, 06.07.2020, 17:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sechs Parteien treten in Holzwickede am 13. September zur Kommunalwahl an. Neben den etablierten Bürgervertretern von SPD, CDU, Bürgerblock, Grünen und FDP schickt auch die Satirepartei die PARTEI erstmalig ihre Bewerber um möglichst viele Sitze im Rat der Gemeinde ins Rennen. In 16 Wahlbezirken kämpfen je sechs Direktkandidaten um die Wählergunst, weitere Sitze im Rat werden über Listenplätze vergeben.

Die Wahlen im Herbst wären zum jetzigen Zeitpunkt sicher bereits Ortsgespräch – neben Amtsinhaberin Ulrike Drossel (BBL) treten in Peter Wehlack (SPD), Frank Lausmann (CDU) und Susanne Werbinsky (Grüne) auch vier Kandidaten an, das Bürgermeisteramt zu übernehmen. Mit dem abgesagten Schützenfest am vergangenen Wochenende ist den Kandidaten bereits die erste Möglichkeit weggebrochen, sich bürgernah zu zeigen.

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Daran wird sich auch bis zur Stimmabgabe wenig ändern: Weitere Großveranstaltungen wie der Holzwickeder Sommer finden nicht statt. Auch mit den klassischen Wahlständen und Haustür-Besuchen tun sich die Parteien momentan schwer. Bislang hat sich kürzlich nur der Unabhängige Bürgerblock mit einem Danke-Plakat an die Holzwickeder vor einem Supermarkt gerichtet.

Vor zwei Jahren wurde beim Holzwickeder Sommer auch der 50. Geburtstag der Gemeinde gefeiert. Dieses Jahr fällt das Fest flach und damit auch eine Chance für die Parteien, sich im Wahlkampf zu zeigen.

Vor zwei Jahren wurde beim Holzwickeder Sommer auch der 50. Geburtstag der Gemeinde gefeiert. Dieses Jahr fällt das Fest flach und damit auch eine Chance für die Parteien, sich im Wahlkampf zu zeigen. © Greis

Wahlstände und Hausbesuche aktuell kein Thema

Einen regelmäßigen Standbetrieb beispielsweise freitags auf dem Markt zieht man noch nicht in Betracht. „Mit der Maskenpflicht macht das keinen Sinn. Ich brauche doch Mimik“, sagt die BBL-Vorsitzende Barbara Schriek. Ähnlich denkt FDP-Pendant Lars Berger: „Was macht das denn für einen Eindruck, wenn ich mit Maske auf jemanden zugehe?“

CDU Ehrung Frank Markowski Rolf Kersting Sabine Schulz-Köller Frank Lausmann

CDU Ehrung Frank Markowski Rolf Kersting Sabine Schulz-Köller Frank Lausmann © UDO HENNES

„Ich selbst bin ja ein analoger Kandidat.“
Frank Lausmann, CDU-Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat

Nach dem Motto „kurz und knackig“ gibt es aber in allen Parteien noch Hoffnung, dass man vor allem in den letzten beiden Wochen vor der Wahl auch in der Gemeinde präsent sein kann. „Wir versuchen natürlich, den Kontakt mit den Menschen so gut es geht herzustellen. Stände auf dem Markt und andere Aktionen versuchen wir zu stemmen. Das wird nicht hinten runterfallen“, sagt etwa der SPD-Vorsitzende Theo Rieke. Einen Haus-zu-Haus-Wahlkampf steht bei den Genossen indes aktuell nicht auf dem Plan. „Das halten wir in Corona-Zeiten nicht für angebracht“, so Rieke.

Schon seit Wochen ist die SPD indes vor allem über das soziale Netzwerk Facebook aktiv und verbreitet in regelmäßigen Abständen kurze Steckbriefe der Wahlbezirks-Kandidaten über die eigene Facebook-Präsenz.

Digitale Wahlwerbung gewinnt an Bedeutung

Da Corona viele Möglichkeiten vor Ort verhindert, gewinnt Wahlwerbung im Digitalen anscheinend an Bedeutung. Die Bündnisgrünen haben die Kommunalwahlen 2020 sowie Bürgermeisterkandidatin Susanne Werbinsky bereits in ihren Web-Auftritt implementiert. „Das Wahlprogramm folgt, das wird diese Woche nochmals überarbeitet“, so Werbinsky.

Bei SPD, CDU, FDP und BBL finden sich Direktkandidaten und Listenplätze zumindest über die Neuigkeiten. Hier steht der Wahlkampf noch am Anfang, aber die Anfrage dieser Redaktion ergibt, dass die Internetauftritte der Parteien in den kommenden Wochen mit Wahlprogramm, Direktkandidaten und weiteren Informationen aktualisiert werden.

Und auch die Sozialen Medien gewinnen an Gewicht: „Ich selbst bin ja ein analoger Kandidat“, sagt der CDU-Vorsitzende Frank Lausmann. Er lobt an der Stelle die Junge Union. Die junge Garde um Nele Buckemüller und Marcal Zilian sorge dafür, dass sich der Bürgermeisterkandidat Lausmann auch auf Facebook zeigt und sich beispielsweise in kurzen Videoformaten präsentiert.

Nicht nur Facebook rückt in den Fokus

Haben in Peter Wehlack und Ulrike Drossel zwei Bürgermeisterkandidaten separate Internetauftritte, so setzt Susanne Werbinsky auf die Foto-Plattform Instagram. „Wir haben dafür eine junge Fotografin aus den eigenen Reihen“, sagt die 57-Jährige. „Uns geht es dabei um kurze und knackige Botschaften in Foto und Video.“ Auch Lars Berger kündigt für die FDP an, dass man die eigenen Facebook- und Instagram-Kanäle in den kommenden Wochen regelmäßig mit Inhalten bestücken will.

Ein Steckbrief von Bürgermeisterkandidatin Susanne Werbinsky findet sich auf der Webseite der Grünen (l.). Peter Wehlack (SPD) setzt wie Amtsinhaberin Ulrike Drossel (BBL) indes auf eine eigene Internetseite. Neben persönlichen Angaben finden sich hier auch neun Themen, auf die Wehlack im Wahlkampf setzt.

Ein Steckbrief von Bürgermeisterkandidatin Susanne Werbinsky findet sich auf der Webseite der Grünen (l.). Peter Wehlack (SPD) setzt wie Amtsinhaberin Ulrike Drossel (BBL) indes auf eine eigene Internetseite. Neben persönlichen Angaben finden sich hier auch neun Themen, auf die Wehlack im Wahlkampf setzt. © Greis

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Barbara Schriek Vorsitzende BBL

Barbara Schriek Vorsitzende BBL © Greis

„Die jungen Wähler erreicht man mit Facebook auch nicht mehr.“
Barbara Schriek, BBL-VORSITZENDE

Kritisch sieht indes Barbara Schriek die Neuen Medien: „Der Aufwand ist sehr hoch und schnell wird eine Äußerung aus dem Kontext genommen und missverstanden. Und die jungen Wähler erreicht man mit Facebook auch nicht mehr. Wir pflegen stattdessen unsere Homepage.“ Die besitzt die PARTEI wiederum gar nicht, setzt voll und ganz auf Facebook, Twitter und Instagram.

Satirepartei zieht mit dem Bollerwagen los

Die Neulinge in der Holzwickeder Kommunalpolitik waren zuletzt dennoch vornehmlich analog unterwegs: Um im September antreten zu dürfen, brauchten sie aus jedem Wahlkreis mindestens fünf Unterstützer-Unterschriften. In Corona-Zeiten nicht so einfach: Mal eben an der Haustür klingeln – das war nicht drin.

„Wir sind mit Musik und Bollerwagen losgezogen und haben Leute vor Ort angesprochen“, so der Vorsitzende Justus Scherding. Da gab es für den Hobbygärtner beim Rasenmähen mal ein kühles Bier und bei den jungen Erwachsenen sei man sowieso bekannt.

Die Satiriker wollen ihren Wahlkampf in jedem Fall alternativ gestalten: „Wir haben einen straffen Aktionsplan. Das geht wegen Corona in Richtung Guerilla – zack, wird etwas da sein“, bleibt Scherding vorerst geheimnisvoll. Aber auch Sticker seien in Arbeit – etwa mit der Forderung: Emscher-Stadion für immer.

Wahlplakate, Flyer, Broschüren – das ist bei allen sechs Parteien momentan in Arbeit. Plakate dürfen ab August aufgehängt werden. Jede Partei darf maximal 50 davon in der Gemeinde verteilen.

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