Alle gemeinsam - unter diesem Motto steht das Förderkonzept des Clara-Schumann-Gymnasiums, das Begabtenförderung und Inklusion verbindet. Mit Erfolg, wie erste Erfahrungen zeigen.

Holzwickede

, 02.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Otfried Preußlers „Krabat“ ist nicht nur ein Jugendbuchklassiker, es ist auch nicht unbedingt leichte Kost. Wird dieses Buch als Lektüre im Deutschunterricht gelesen, kann es für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf schnell schwierig werden, dem Unterricht zu folgen. Doch wenn sie das Buch bereits seit sechs Wochen lesen, bevor es damit überhaupt im Deutschunterricht losgeht, dann können sie mitreden, mitdiskutieren, die Charaktere analysieren – eben genau das, was ihre Mitschüler ohne Förderbedarf auch machen. Möglich machen dies am Clara-Schumann-Gymnasium (CSG) Menschen wie Silvia Mohr.

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Die Sonderpädagogin arbeitet in der neu eingerichteten Lernwerkstatt, die seit diesem Schuljahr die individuelle Förderung aller Schüler am CSG im Blick hat. Denn so will das CSG die Tatsache, dass es eine inklusive Schule ist, an der Kinder mit und ohne Förderbedarf unterrichtet werden, verstanden wissen. „Wir fördern alle Kinder individuell, egal ob mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder Angeboten zur Begabtenförderung“, sagt Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann.

Clara-Schumann-Gymnasium zeigt, wie inklusives Lernen alle Kinder fördert

Seit Beginn des Schuljahres ist die Lernwerkstatt am Clara-Schumann-Gymnasium in Betrieb. © Marcel Drawe

Die Lernwerkstatt ist dabei der räumliche Dreh- und Angelpunkt des Konzeptes: Die beiden neu eingerichteten Räume mit gemütlicher Sitzecke, interaktiven Flachbildschirmen und zwei reizarmen Arbeitsplätzen sind der Ort, an dem die Förderung stattfindet. Hier kommen die Kinder mit sozialpädagogischem Förderbedarf zu Silvia Mohr. „Wir haben für jedes Fach eigenes Lernmaterial. Die Kinder haben die Lernmaterialien doppelt, einmal das Regelbuch und einmal das Förderbuch.“ Deutlich weniger Text, viele bildlastige Übungen - das speziell auf Kinder mit Förderbedarf zugeschnittene Lernmaterial berücksichtigt die Schwächen der Kinder mit Förderbedarf.

„Die Kinder kommen gerne hierher. Und durch das Vorarbeiten, beispielsweise bei einer Lektüre, haben sie echte Erfolgserlebnisse in ihrer Klasse. Das ist richtig schön.“
Silvia Mohr, Sonderpädagogin

Insgesamt zwölf Kinder werden auf diese Weise von Silvia Mohr, unterstützt von einer FSJ‘lerin und den Integrationskräften der Kinder, gefördert. So werden Fünftklässler, die Förderbedarf haben, von ihr auf Deutsch und Englisch unterrichtet - ein Unterschied zum Regelunterricht, wo nach Möglichkeit ausschließlich in der Zielsprache Englisch gesprochen wird.

Auch Schüler aus dem 7. und 8. Jahrgang lernen aktuell in der Lernwerkstatt. „Bei ihnen steht vor allem die Berufsorientierung im Vordergrund oder ganz lebenspraktische Dinge wie beispielsweise: Wie renoviere ich eine Wohnung? Was muss ich bei Verträgen beachten?“, erzählt Silvia Mohr. Bei den Schülern, die nicht zielgleich unterrichtet werden, spielt die zweite Fremdsprache, die ihre Mitschüler zu diesem Zeitpunkt wählen, keine Rolle. „Da machen die lebenspraktischen Sachen viel mehr Sinn als beispielsweise Latein.“

Der helle, freundliche Raum schafft die notwendige Lernatmosphäre - in der auch autistische Kinder in Ruhe lernen können. Dafür steht ein reizarmer Schreibtisch, eingefasst von abschirmenden Wänden, zur Verfügung. Silvia Mohr hat nach dem ersten Halbjahr Lernwerkstatt festgestellt: „Die Kinder kommen gerne hierher. Und durch das Vorarbeiten, beispielsweise bei einer Lektüre, haben sie echte Erfolgserlebnisse in ihrer Klasse. Das ist richtig schön.“

Clara-Schumann-Gymnasium zeigt, wie inklusives Lernen alle Kinder fördert

Ein reizarmer Arbeitsplatz - für autistische Kinder ist dies ideal, um in Ruhe lernen zu können. © Marcel Drawe

Angebote für besondere Begabungen

Einen Raum weiter findet eine andere Art der Förderung statt: Hier können Kinder, die ein besonderes Talent erahnen lassen, ihre Begabungen weiter vertiefen. So lernen technikaffine Sechstklässler hier bereits heute eine einfach Programmiersprache, mit der sie einem Roboter beispielsweise „beibringen“, ein Lämpchen aufleuchten zu lassen. Doch so richtig Fahrt aufnehmen wird das Begabtenförderkonzept am CSG erst jetzt: Mit den Halbjahreszeugnissen haben Schüler, bei denen die Lehrer eine Begabung auf einem bestimmten Bereich zu erkennen glauben, eine Anregung bekommen, welches der Förderungskonzepte sie vielleicht interessieren und weiterbringen könnte.

Clara-Schumann-Gymnasium zeigt, wie inklusives Lernen alle Kinder fördert

Eine Möglichkeit der Begabtenförderung am CSG: Das Erlernen einer leichten Programmiersprache. Beim Tag der offenen Tür probierte Max dies auch; Lehrer Jan Heitmann half ihm dabei. © Marcel Drawe

„Einmal im Monat gibt es eine Teamsitzung aller Lehrer, die in einer Klasse unterrichten. Dabei gucken wir, ob sich bei einem Schüler ein Talent erkennen lässt. Wenn dem so ist, überlegen wir gemeinsam, welches unserer Förderangebote wir ihm oder ihr vorschlagen“, erklärt Andrea Helmig-Neumann das Vorgehen. Auf diese Weise bekommen die Schüler individuelle Anregungen zu ihrer Förderung.

„Nur gemeinsam kann man etwas erreichen, das zeigt sich in der Theaterpädagogik ganz deutlich.“
Andrea Helmig-Neumann, Schulleiterin und zertifizierte Theaterpädagogin

Neben dem Programmieren der Mini-Roboter ist dies das sogenannte Forder-Förder-Projekt, in dem sich der jeweilige Schüler über ein Dreivierteljahr zwei Schulstunden wöchentlich mit einem selbst gewählten Thema befasst und es abschließend präsentiert. Auch die Teilnahme an Wettbewerben ist eine Möglichkeit für besonders begabte Schüler.

Eine Herzensangelegenheit für Andrea Helmig-Neumann ist der theaterpädagogische Unterricht. „Da geht es ganz besonders um das Gemeinsame. Nur gemeinsam kann man etwas erreichen, das zeigt sich in der Theaterpädagogik ganz deutlich“, sagt Helmig-Neumann, die selbst zertifizierte Theaterpädagogin ist. Stimmtraining, die Reflektion der eigenen Mimik und Gestik gehören zu diesem Unterricht ebenso dazu wie das Erarbeiten einer Rolle. „Da profitieren Schüler ungemein von, gerade wenn sie ein geringes Selbstbewusstsein haben“, ist die Schulleiterin überzeugt.

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