Erprobungsstufenbibliothek – ein langes Wortkonstrukt, hinter dem sich ein Projekt zur Leseförderung verbirgt. Zum Auftakt legen die CSG-Schüler eine Nachtschicht ein.

Holzwickede

, 09.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit einer Lesenacht wird das Clara-Schumann-Gymnasium die neue Erprobungsstufenbibliothek eröffnen. Die Veranstaltung markiert den Auftakt für ein Projekt, das künftig in den regulären Deutschunterricht der 5. und 6. Klassen integriert wird. Das Ziel: die Lust am Lesen fördern. Schließlich ist das Lesen neben Sprechen und Zuhören, Schreiben sowie die Untersuchung von Sprache und Sprachgebrauch eine von vier Kompetenzen, die junge Menschen im Laufe ihrer Schullaufbahn im Fach Deutsch erwerben sollen.

„Die Lesekompetenz fördern, das steht im Zentrum des Deutschunterrichts. Lesen ist der Schlüssel für alles“, sagt CSG-Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann. Die neue Bibliothek richtet sich gezielt an die Schüler der Erprobungsstufenbibliothek. Das sind die Klassenstufen 5 und 6.

Die Erprobungsstufe

Wichtige Zeit für die weitere Schullaufbahn

In der Erprobungsstufe bilden die Klassen 5 und 6 eine pädagogische Einheit. In diesen zwei Jahren entwickeln und beobachten die Lehrer die Kompetenzen der Kinder. In Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten wird die Perspektive eines Verbleibs am Gymnasium erörtert. Am Ende der Klasse 6 entscheidet die Versetzungskonferenz mit der Versetzung der Schülerinnen und Schüler in die Klasse 7 auch über deren Eignung für den weiteren Besuch des Gymnasiums. Stellt die Versetzungskonferenz fest, dass die Schulform gewechselt werden muss, so wird den Erziehungsberechtigten eine entsprechende Empfehlung spätestens sechs Wochen vor Schuljahresende schriftlich übermittelt und ein Beratungstermin angeboten.

Im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Schulbibliothek weist das neue Angebot einige Besonderheiten auf: Die Erprobungsstufenbibliothek ist in einem Raum im Erdgeschoss des Gymnasiums untergebracht und öffnet ihre Tür für die Schüler nur zu bestimmten Terminen. Die jeweiligen Klassen haben einmal im Monat eine Deutschstunde in der Bibliothek. Dann darf nach neuem Lesestoff gestöbert und ausgeliehen werden. Im Anschluss haben die Kinder einen Monat Zeit, um ein Buch zu lesen. Am letzten Freitag im Monat erfolgt dann eine Rückgabestunde. An den Monatsanfängen gibt es erneut eine Unterrichtsstunde in der Bibliothek, um erneut ein Buch zu leihen. Über die gelesenen Inhalte referieren die Kinder in verschiedener Formen im Unterricht.

Besonders ist auch der Umstand, dass die Eltern in das Projekt einbezogen werden: Während die Lehrer den Kindern bei der Buchauswahl beratend zur Seite stehen, sollen Eltern die Ausleihe vor Ort koordinieren. Dass das aufgrund von Berufstätigkeit nicht jedem möglich ist, das ist Helmig-Neumann klar. Sie ist dennoch optimistisch, dass sich interessierte Eltern für den Dienst finden. „Das ist wie eine Hospitation. Die Eltern können so konkret am Deutschunterricht sehen, wie gelehrt wird“, sagt die Schulleiterin.

Bücher aus dem lokalen Handel

Seit März arbeitet die Schule an der Realisierung des Projekts. Die Gemeinde als Schulträger hat dem Gymnasium Mittel für die Herrichtung eines Raumes bereitgestellt. Das Buchsortiment zum Start wurde mithilfe der Sparkasse Unna-Kamen und durch den Förderverein der Schule angeschafft. „Wir hatten vorab die Schüler befragt, welche Bücher sie interessieren und haben uns zudem an den aktuellen Titeln der Buchhandlungen orientiert“, sagt Helmig-Neumann. Erstanden wurden alle Bücher über den lokalen Buchhandel vor Ort. „Wir haben bewusst darauf verzichtet, über den Online-Handel zu bestellen“, so die CSG-Schulleiterin. Details zur Ausstattung des Raumes will sie bis zur offiziellen Eröffnung am Freitag, 16. November, geheimhalten – für die Schüler soll der Raum eine Überraschung werden.

Bundesweiter Vorlesetag

Eröffnung mit einer langen Lesenacht

Die Erprobungsstufenbibliothek nimmt offiziell am Freitag, 16. November, den Betrieb auf. Dann ist um 19 Uhr eine kleine Eröffnungsfeier geplant. Im Anschluss gehört das CSG den Schülern: Passend zum bundesweiten Vorlesetag findet eine Lesenacht statt. Bis Samstagmorgen um 9 Uhr gehören die Klassenräume den Kindern, die dann so lange lesen möchten, wie sie wollen und in Schlafsäcken übernachten können. Lehrer betreuen die Kinder während der Lesenacht.

Was verraten werden darf: Das aktuelle Sortiment bildet nur den Anfang. Die Bibliothek bietet noch reichlich Platz für weitere Medien. Helmig-Neumann kann sich vorstellen, auch englischsprachige Literatur, Hörbücher oder Zeitschriften anzuschaffen. Wenn die angeschafften Bücher auch ein wenig verloren in den Regalen wirken, ist ihr Anschaffungswert nicht zu unterschätzen: „Was bislang steht, ist einen vierstelligen Betrag wert“, sagt Helmig-Neumann.

Weil das Lesen in erster Linie Spaß machen soll, werden die Kinder keine Hochliteratur vorfinden, sondern altersgerechte Jugendliteratur, Krimis oder Fantasyreihen. Mit der besonderen Bibliothek wolle man in Zeiten von Smartphone und Co. einen Anreiz schaffen, um fürs Lesen zu begeistern. Wobei Helmig-Neumann in der Digitalisierung nicht zwingend nachteilige Auswirkungen auf das Verhalten der Schüler sieht. „Die Lesefähigkeit der Kinder ist heterogen. Nur weil ein Kind aufs Gymnasium geht, bedeutet das nicht automatisch, dass es super lesen kann. Andersherum haben wir viele Schülerinnen und Schüler, die sehr gut lesen können.“

Clara-Schumann-Gymnasium eröffnet eine besondere Bibliothek

Rund 680 Schüler besuchen das Clara-Schumann-Gymnasium. © Marcel Drawe

Entscheidend für ein Interesse am Lesen ist laut der Schulleiterin vielmehr die entsprechende Sozialisation im Kleinkindalter. „Wenn Eltern ihren Kindern vorlesen und man die Kinder später fragt, was daran toll war, werden die nicht über die Inhalte der Bücher sprechen“, sagt Andrea Helmig-Neumann. Vielmehr würden Kinder dann von der Atmosphäre erzählen, von der Nähe zu den Eltern oder Großeltern, die ihnen vorgelesen haben. Diese emotionale Bindung würde auch später im Leben beim Griff ins Buchregal immer wieder getriggert. Hier kann die Erprobungsstufenbibliothek im frühen Jugendalter ansetzen und eventuell auch noch eine Bindung zum Lesen schaffen, wo vorher keine war.

Jetzt lesen

Um auch nach der 6. Klasse das Interesse an Literatur hochzuhalten, arbeitet das Gymnasium verstärkt mit der Gemeindebibliothek zusammen. Mit Leiterin Kristina Truß erarbeitet Helmig-Neumann mehrere Projekte, die sich bis in die Oberstufe ziehen sollen. Denkbar sei beispielsweise, ältere Schüler in der Bibliothek mit Recherche und wissenschaftlichem Arbeiten vertraut zu machen.
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