Erst fing es ganz langsam an, aber dann: Füllte sich das Café im Emscherquellhof am Eröffnungstag rasch. Auch wenn sich die Abläufe noch einspielen müssen, so waren die ersten Gäste doch zufrieden.

Holzwickede

, 18.07.2019, 18:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ob Erdbeer-Rhabarber-Kuchen, Mandarinen- oder Tiramisuschnitte: Geschmacklich überzeugt die Kuchenauswahl im Café des Emscherquellhofs. „Schmeckt wie selbstgebacken und ist richtig schön saftig“, sagt die Opherdeckerin Wulfhild Mex nach dem ersten Bissen vom Erbeer-Rhabarber-Kuchen. Mit ihren Holzwickeder Freundinnen Margrit Gerstmeier und Gisela Damm gehört sie kurz nach 14 Uhr zu den ersten Gästen im Café.

Das Trio ist sich einig: Dieses Angebot hat am Emscherquellhof zuletzt einfach gefehlt. „Wenn man Besuch hat, will der immer wissen, wo die Emscherquelle ist. Dann fährt man zum Hof, es ist sehr schön, aber das war es dann auch“, sagt Margrit Gerstmeier – wohlwissend, dass das natürliche Quellgebiet der Emscher natürlich im Hixterwald liegt.

„Die Gäste sollen zum Emscherquellhof kommen, weil Kaffee und Kuchen schmecken“

Wulfhild Mex, Margrit Gerstmeier und Gisela Damm (sitzend v.l.) gehörten zu den ersten Gästen am Eröffnungstag. © Marcel Drawe

Café an der Emscherquelle

An vier Tagen in der Woche geöffnet

  • Das Café an der Quellenstraße 2 hat donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet und Samstag und Sonntag jeweils von 12 bis 18 Uhr.
  • Das Mitarbeiter-Team reist an den Öffnungstagen von Herne aus an, wo die Mitarbeiter mit Handicap auch wohnen.
  • Die Kuchen werden laut Wewole frisch von einem langjährigen Lieferanten angeliefert.
  • Vorerst soll das Café über die Sommermonate öffnen. Am 23. und 24. August findet das Emscher-Food-Festival am Quellhof statt, bei dem die Wewole ebenfalls mitwirkt.
  • Zudem ist im September ein weiteres Fest geplant, bei dem das Café im Vordergrund stehen soll.
„Die Gäste sollen zum Emscherquellhof kommen, weil Kaffee und Kuchen schmecken“, sagt Oliver Oberste-Hetbleck. Er ist Leiter der Werkstätten bei der Wewole-Stiftung aus Herne, die das Café von der Emschergenossenschaft gepachtet hat. Oberste-Hetbleck begleitet das Team von Café-Leiter Andre Sittinger am ersten Tag.

Neben Sittinger kümmern sich drei Mitarbeiter mit Handicap und eine 400-Euro-Kraft um die Gäste. Die wollen am ersten Tag natürlich wissen, was das Café zu bieten hat. Gegen 15 Uhr strömen immer mehr Besucher zur Theke und wollen direkt bestellen. „Nehmen Sie ruhig Platz, alle Tische sind nummeriert, wir kommen zu Ihnen“, sagt Sittinger freundlich, weist trotzdem niemanden ab und nimmt geduldig die Bestellungen auf.

Sanfter Start in den Café-Betrieb für die Mitarbeiter

„Das wird sich einspielen“, sagt Oberste-Hetbleck und fügt hinzu: „Wir wollten bewusst keine große Eröffnung feiern. Wir tasten uns ran – 20 Gäste, 40 Gäste. Das Team muss sich auch erst finden.“ Auch das Café im Emscherquellhof sei eben ein Werkstatt-Betrieb, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten. Dennoch soll im Vordergrund stehen, dass man angetreten ist, den Hof wieder zu beleben.

„Die Gäste sollen zum Emscherquellhof kommen, weil Kaffee und Kuchen schmecken“

Lohnt sich: Ob Mandarinen-, Tiramisuschnitte oder Erdbeer-Rhabarberkuchen: Die süßen Speisen schmecken frisch und lecker – und sie kosten wie der Kaffee im Juli nur 1,50 Euro. © Marcel Drawe

„Wir wollen, dass es den Gästen schmeckt und nehmen gerne Kritik an. Die Leute sollen nicht herkommen, um ein soziales Projekt zu unterstützen“, sagt Oberste-Hetbleck. Und wenn das Café doch mal voll besetzt ist, dann werde man freundlich um etwas Geduld bitten.

Vollbesetzt würde bedeuten, dass 16 Tische im Innen- und Außenbereich belegt sind. Noch fehlen vor dem Café die Sonnenschirme, „die kommen auch noch“, versichert Andre Sittinger. Neben Heißgetränken vom Filterkaffee über den Espresso bis zum Tee und Kuchen hat das Café auch Kaltgetränke und warme Speisen wie Flammkuchen, Pizza sowie Bockwurst und Kartoffelsalat im Angebot. Kaffee und Kuchen werden zudem im Juli vergünstigt für je 1,50 Euro angeboten.

Dass sich die Wewole-Stiftung als Pächter am Emscherquellhof etabliert, davon ist Oliver Oberste-Hetbleck überzeugt – auch wenn man in und um Holzwickede nicht so bekannt ist wie in Herne und Castrop-Rauxel, wo die Wewole auch gastronomische Standorte von der Großküche bis zum Bahnhofscafé und -kiosk betreibt.

Mit oder ohne Handicap: Wewole setzt auf unverkrampften Umgang

„In Herne kochen wir 1500 bis 1600 Mahlzeiten täglich frisch. Ein Teil davon wird zum Standort nach Castrop-Rauxel und in die dortige Kantine geliefert“, sagt der Werkstätten-Leiter. Die Kantine ist hier auch für die Öffentlichkeit geöffnet. „Da kamen die Gäste zunächst ganz reserviert rein, setzten sich in den Gästebereich und beobachteten. Mittlerweile sitzen die Gäste mitten unter unseren Mitarbeitern. Das wollen wir: Einen unverkrampften Umgang von Menschen mit und ohne Handicap“, sagt Oberste-Hetbleck.

„Die Gäste sollen zum Emscherquellhof kommen, weil Kaffee und Kuchen schmecken“

Ulrike Drossel begrüßte das Team kurz nach Eröffnung. Weise Entscheidung, denn kurz darauf hätten die Mitarbeiter keine Zeit mehr für die Bürgermeisterin gehabt, so schnell füllte sich der Hof. © Marcel Drawe

Auch wenn die große Eröffnungszeremonie am Donnerstag zunächst ausblieb: Ganz unverkrampft statteten auch Bürgermeisterin Ulrike Drossel und Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch dem Café einen Besuch ab. Sie überreichten den Mitarbeitern Schokolade und die Image-Broschüre der Gemeinde zur Begrüßung – verbunden mit den besten Wünschen für einen erfolgreichen Start.

Bei der Gemeinde ist man natürlich froh, dass der Hof mit Beginn der Sommerferien belebt wird. „Man sollte nicht vergessen, dass hier Menschen mit Handicap arbeiten und dem Team auch die Zeit geben, um sich einzuarbeiten“, sagt Ulrike Drossel. Kaffee und Kuchen orderten die Gemeindevertreter natürlich auch: „Schmeckt wie selbstgebacken“, stellten Bürgermeisterin und Bauamtsleiter unisono fest.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger 365-Euro-Ticket

Bus und Bahn für einen Euro am Tag: Billig allein reicht nicht für die Verkehrswende

Hellweger Anzeiger Festplatz von Louviers

BBL will keinen „Schnellschuss“: Rollschuhbahn nicht voreilig entsiegeln