Die Digitalisierung an den Schulen ist für jede Kommune eine Herausforderung. Auf den Weg gebracht ist sie in Holzwickede längst. Aber auch der beste Plan schützt nicht vor Überraschungen.

Holzwickede

, 10.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Insgesamt fünf Milliarden Euro sieht der Digitalpakt Schule vor, den Bund und Länder vor gut einem Jahr beschlossen haben, um die Digitalisierung an den Bildungseinrichtungen des Landes voranzutreiben. Wie klein ein Milliardenbetrag werden kann, hat sich dann gezeigt, als im August 2019 klar war, wie sich das Geld aufteilt.

Rund 480.000 Euro stünden einer Gemeinde wie Holzwickede als Schulträger für vier Grundschulen und zwei weiterführende Schulen zu. Zu dem Zeitpunkt war der aktuelle Medienentwicklungsplan (MEP) für die hiesigen Schulen bereits beschlossen: Der sah ohne staatliche Förderung eine Investitionssumme von 1,1 Millionen Euro bis 2024 vor. Inwieweit das Geld aus dem Digitalpakt letztlich dieses Budget entlastet, ist abhängig davon, welche Maßnahmen letztlich förderfähig sind.

Digitalisierung muss an mehreren Stellen parallel organisiert werden

Noch 2019 sollten gut 200.000 Euro in die Schulen investiert werden – vor allem um die Infrastruktur für schnelle Datenverbindungen zu gewährleisten und Kapazitäten zu schaffen, damit Dutzende Schüler später mit ihren Endgeräten gleichzeitig arbeiten können.

Damit das klappt, braucht es zum einen entsprechende Versorgungsleitungen zu den Gebäuden. Die realisiert die Gemeinde momentan durch den Glasfaserausbau, den das Unternehmen Muenet vorantreibt. Der Anschluss ans Glasfasernetz wird über gesonderte Förderprogramme realisiert, ist kein direkter Bestandteil des MEPs und doch unabdingbar für die Umsetzung.

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Zum MEP gehören wiederum die Anschlüsse und Kabelverbindungen in den eigentlichen Schulgebäuden. Hier zeigt sich beispielsweise an der Josef-Reding-Schule, dass die nötigen Netzwerk-Komponenten zwar mitunter vorhanden sind, aber so veraltet oder einst so schlecht verlegt, dass Datenübertragungen nicht in den erhofften Geschwindigkeiten vonstatten gehen werden.

„Zumindest an der JRS ist absehbar, dass hier nachgearbeitet werden muss“, sagt Bernd Kasischke, Erster Beigeordneter. Die einst dafür vorgesehenen 14.550 Euro werden in jedem Fall nicht reichen. Kasischke geht eher von einer drei bis vier Mal so hohen Summe aus. Er sagt aber auch: „Das sind vergleichsweise kleine Probleme, die auch zu erwarten waren. Man schreibt so einen Plan nicht und dann steht der fünf Jahre fest.“

Zahl der Endgeräte steigt jedes Jahr

Neben Infrastrukturmaßnahmen sieht der MEP auch den technischen Support durch die Südwestfalen IT als kommunalen Dienstleister und vor allem eine Grundausstattung mit Endgeräten vor. Für die Schülerinnen und Schüler im täglichen Unterricht am auffälligsten ist dabei wohl die Arbeit mit Tablets und interaktiven Displays.

Beim Fest der Kulturen kamen an der Aloysiusschule kürzlich die interaktiven Tafeln zum Einsatz. Mit einer Handbewegung konnten die Schüler durch ihre erstellten Präsentationen von einer Folie zur nächste wischen.

Beim Fest der Kulturen kamen an der Aloysiusschule kürzlich die interaktiven Tafeln zum Einsatz. Mit einer Handbewegung konnten die Schüler durch ihre erstellten Präsentationen von einer Folie zur nächste wischen. © Greis

Eine erste Charge mit meist 16 Geräten pro Schule sowie je zwei Displays ist bereits in den Schulen angekommen. Bis 2024 wird Jahr für Jahr aufgestockt. Kamen zum Jahresende 2018 noch sieben Schüler auf ein mobiles Endgerät, so sollen sich in vier Jahren im Schnitt noch drei Schüler ein Gerät teilen.

Was vorgesehene Maßnahmen an den Schulen aus 2019 betrifft, sehen sich Kasischke und Matthias Aufermann, zuständiger Fachbereichsleiter für Schule, Sport, Kultur aktuell bei 90 Prozent.

Was derzeit die Umsetzung weiterer Maßnahmen verlangsame: die bürokratischen Hürden. Noch habe man die entsprechenden Förderbescheide nicht vorliegen, um eingeplantes Geld auch auszugeben. „Wenn Sie Anträge für drei Schulen einzeln stellen müssen, dann dauert das. Nur um dann vom Land zu erfahren, dass man die Anträge doch zusammengefasst einreichen soll, obwohl das zuvor anders kommuniziert wurde“, nennt Kasischke ein Beispiel und kritisiert: „Das ist sehr bürokratisch und stört mich persönlich sehr.“

Nicht Bestandteil des Medienentwicklungsplans sind zusätzliche Anschaffungen an den Schulen – so sponsert die Sparkassenstiftung beispielsweise Mini-PCs, an denen Schüler wie hier an der Dudenrothschule die Grundlagen des Programmierens lernen.

Nicht Bestandteil des Medienentwicklungsplans sind zusätzliche Anschaffungen an den Schulen – so sponsert die Sparkassenstiftung beispielsweise Mini-PCs, an denen Schüler wie hier an der Dudenrothschule die Grundlagen des Programmierens lernen. © Udo Hennes

Matthias Aufermann hat noch die Worte von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im Ohr, dass man auf ein einfaches Vergabeverfahren setzen werde, um Förderbescheide zügig auszugeben. „Es ist ärgerlich, dass nun alles so lange dauert“, so Aufermann.

„Sonst gehen wir das Risiko ein, das Geld auszugeben und bekommen es nicht wieder.“
Bernd Kasischke, Erster Beigeordneter

Ohne entsprechende Bewilligung werde man aber nicht vorschnell investieren. „Sonst gehen wir das Risiko ein, das Geld auszugeben und bekommen es nicht wieder“, sagt Kasischke.

In der Verwaltung hat man die Hoffnung, dass man die vorgesehenen Maßnahmen für 2020 auch dieses Jahr noch umsetzen kann. Darunter fällt vor allem die Beschaffung weiterer Hardware. Was die Infrastruktur betrifft, möchte man alle Gebäude bis Jahresende auf dem neuesten Stand haben.

Erwartbar ist, dass Muenet bis Spätsommer seine Leitungsarbeiten zu den einzelnen Gebäuden abgeschlossen hat. Für die Schulen fungiert dann auch Muenet als Anbieter. Momentan ist der von Schule zu Schule unterschiedlich: So hat das CSG im Schulforum einen anderen Anbieter und andere Datenraten als die JRS, obwohl beide weiterführenden Schulen an einer Adresse untergebracht sind.

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