Eigentlich wäre Holzwickede jetzt in einem freudigen Ausnahmezustand. Statt Schützenfest zu feiern schmiedet der BSV Pläne, wie der Verein fit für die Zukunft werden sollen.

Holzwickede

, 04.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Traditionell ist das erste Wochenende im Juli dem Schützenfest in Holzwickede gewidmet. Das Schützen- und Volksfest begeistert bereits seit mehr als 150 Jahren die Bürger und lockte sie vor die Türen. Dieses Jahr sollte sich beim Ablauf und den Planungen für das Schützenfest einiges ändern, der Verein wollte wieder mehr auf die Holzwickeder zugehen. Corona machte einen Strich durch die Rechnung und verschob alle Planungen auf das kommende Jahr.

„Wir sind froh, dass Holzwickede so früh seinen Weg eingeschlagen hat“, sagt Frank Weber, erster Vorsitzender des Bürgerschützenvereins Holzwickedes. „So konnten wir unsere Vorbereitungen rechtzeitig stoppen und uns auf 2021 konzentrieren.“ Dass das Fest abgesagt wurde, sei zwar schade, aber nötig gewesen. „Ein Schützenfest lebt von Nähe, dass man sich in den Arm nimmt und sich foppt. Das wäre dieses Jahr nicht möglich gewesen.“

Ein enges Miteinander und geselliges Beisammensein sind laut Bürgerschützenverein die Kennzeichen für ein gutes Schützenfest, so wie hier bei der Schützenfestnachfeier 2019 mit Kaiser Karl-Heinz Pakusch und seiner Kaiserin Karin.

Ein enges Miteinander und geselliges Beisammensein sind laut Bürgerschützenverein die Kennzeichen für ein gutes Schützenfest, so wie hier bei der Schützenfestnachfeier 2019 mit Kaiser Karl-Heinz Pakusch und seiner Kaiserin Karin. © Archiv

Der schnellste König aller Zeiten

Zum Festwochenende werden in Holzwickede die Schützenfahnen gehisst. Der Schützenverein hält sich die Erinnerungen an vergangene Feste hoch. „Da gehen gerade viele Videos in den Gruppen umher“, erzählt Weber. Er selbst hat seinen Videorekorder aus dem Keller geholt und schwelgt in alten Zeiten, unter anderem in dem Jahr, als er selbst König wurde.

Zum eigentlichen Schützenfestwochenende flaggte er Bürgerschützenverein Holzwickede verschiedene Orte der Emscherquellgemeinde wie hier den Kreisel in der Bahnhofstraße, um zumindest ein wenig Schützenfest-Gefühle aufkommen zu lassen.

Zum eigentlichen Schützenfestwochenende flaggte er Bürgerschützenverein Holzwickede verschiedene Orte der Emscherquellgemeinde wie hier den Kreisel in der Bahnhofstraße, um zumindest ein wenig Schützenfest-Gefühle aufkommen zu lassen. © Michael Neumann

Mit der ein oder anderen Erinnerung an eine lustige Geschichte hoffen die Schützen auch den Holzwickedern ein Lächeln auf die Lippen zaubern zu können. „Da war zum Beispiel das kürzeste Königsschießen, das wir je hatten“, sagt Weber. Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass der Schützenvogel neue Maße haben musste. Für Vogelbauer Heinz Gössmann, der seit Jahrzehnten den Vogel für Holzwickede baute, eine Herausforderung. „Es war für ihn schwer abzuschätzen, wie viele Schuss der neue Vogel verträgt.“ Und so kam es, dass am Ende beim Königsschießen alle drei Anwärter genau einen Schuss abfeuern konnten, bis der Vogel fiel. „Das war das kürzeste Königsschießen, das wir je hatten.“

Vogelbauer Heinz Gössmann musste sich 2018 erst an die neuen Maße für den Schützenvogel gewöhnen.

Vogelbauer Heinz Gössmann musste sich 2018 erst an die neuen Maße für den Schützenvogel gewöhnen. © Marcel Drawe

Aber auch an eine andere Geschichte erinnert sich Weber. „Wir hatten einmal einen Schützenkönig, der am ersten Tag seine verliehene Kette verloren hat.“ Am Abend des Schießens ließ er sie versehentlich im Handschuhfachs des Wagens zurück, der ihn nach Hause brachte. Der vorige König bemerkte dies, nahm die Kette mit und fand am nächsten Morgen einen verzweifelten König vor seiner Tür, der ihm beichtete, seine Kette verloren zu haben. Weber schmunzelt.

Viele Veränderungen für 2020

In diesem Jahr hätte sich einiges im Schützenverein und bei der Ausrichtung des Festes ändern sollen, um noch mehr unvergessliche Geschichten erleben zu können. „Die letzten Jahre waren toll, aber wir konnten so nicht mehr weitermachen.“ Verschiedene Umstände hätten den Schützenverein dazu gebracht, die festen Pläne fürs Schützenfest zu überdenken.

„Wir wollten keine vier Tage mehr feiern, sondern nur noch drei“, sagt Weber. Das hätte auch ein gestrafftes Programm zur Folge gehabt. „Der Mallorca-Abend sollte rausfallen.“ Zu unterschiedlich das Klientel, das den Abend besuchte - und zu fernab von den eigentlichen Wünschen des Schützenvereins. „Wir waren selbst nicht mehr von dem Programmpunkt überzeugt.“

Der Mallorca-Abend, wie in den vergangenen Jahren noch gefeiert, sollte aus dem Programm des Schützenfestes genommen werden.

Der Mallorca-Abend, wie in den vergangenen Jahren noch gefeiert, sollte aus dem Programm des Schützenfestes genommen werden. © Archiv

Das Königsschießen hätte statt montags dieses Mal an einem Samstag stattgefunden. Damit hoffte der Verein wieder auf mehr Zuschauer, mehr begeisterte Holzwickeder, die mit ihnen feiern würden. Auch die Ehrungen sollten im Rahmen eines gemeinsamen Schützenfrühstücks abgehalten werden, damit mehr Leute mitmachen könnten.

Ein Schützenfest für die Holzwickeder

Auch im Vereinsleben sollte sich etwas ändern. „Wir haben viele Jugendliche da, aber gerade im Traditionsbereich ist es sehr schwierig“, sagt Weber. „Wir wollten uns da weiter öffnen.“ Auf die Jugend zugehen, mehr mit ihnen unternehmen, sie mehr integrieren und ihnen Verantwortung geben. Das sollte bereits in der Grundschule anfangen. „Wir wollten den Kindervogel von einer Schulklasse bemalen lassen.“

Die fünf Kompanien in Holzwickede wollen in Zukunft mehr an einem Strang ziehen. Der Verein spielt auch mit dem Gedanken an eine Jugendkompanie, schaute dabei immer mit einem Auge auf den Werler Schützenverein, der eine starke Jugend habe, wie Weber erklärt.

Die fünf Kompanien des Bürgerschützenvereins wollen in Zukunft wieder enger zusammenarbeiten.

Die fünf Kompanien des Bürgerschützenvereins wollen in Zukunft wieder enger zusammenarbeiten. © Archiv

„Wir brechen nicht mit den Traditionen, aber wir bringen das Schützenfest und den Schützenverein wieder näher zu den Leuten“, sagt Weber. „Wir freuen uns auf die Veränderungen.“ Vor 30 Jahren habe der Schützenverein mit seinem Fest noch ein Alleinstellungsmerkmal genossen, heute müsse er sich gegen andere Feste behaupten. Das erfordere ein Umdenken, wie die Schützen nun festgestellt haben. Corona helfe allerdings dabei, dass man sich derzeit wieder mehr auf die Gemeinschaft und das Füreinander besinne, so Weber. „Wir stehen parat, wenn man uns braucht.“

Sie wollen in den kommenden Jahren auch wieder mehr auf das große Miteinander achten und die Kooperation mit den Holzwickedern fördern. „Es ist der Versuch einer Rückbesinnung, wie es einst zwischen den Vereinen und Menschen gewesen ist.“

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