Im Herbst 2020 stehen Kommunalwahlen an. Ulrike Drossel strebt dann eine zweite Amtszeit als Bürgermeisterin an. Im Interview blickt sie auf ihre ersten vier Amtsjahre und verrät, was sie vor den Wahlen noch schaffen will.

Holzwickede

, 19.08.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der Bürgermeisterwahl vor vier Jahren hat sich Ulrike Drossel vom Unabhängigen Bürgerblock mit knapp 60 Prozent der Stimmen im Duell gegen SPD-Kandidat Michael Klimziak durchgesetzt. In Peter Wehlack hat die SPD ihren Kandidaten für das kommende Jahr bereits benannt. Bei zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt dürfte es nicht bleiben: Die CDU kündigt einen Mitbewerber an und auch die Grünen liebäugeln mit einem Kandidaten.
Wie Ulrike Drossel ihre ersten vier Jahre im Amt wertet, wie sie SPD-Kandidat Peter Wehlack einschätzt und ob sie Risiken in den Großprojekten der Gemeinde für eine mögliche Wiederwahl sieht, verrät die Bürgermeisterin im Interview.

Frau Drossel, vor vier Jahren sind Sie mit dem Slogan „Wir bürgermeistern das“ ins Rathaus eingezogen. Ein Jahr vor den nächsten Kommunalwahlen: Haben Sie es bis hierhin „gebürgermeistert“?

Als ich mein Amt angetreten habe, war die Flüchtlingskrise auf ihrem Höhepunkt. Das war eine schwierige Zeit für mich und meine Kollegen in der Verwaltung. Dennoch mussten wir keine Sporthallen schließen und konnten allen Menschen ein Dach über dem Kopf geben. Als Neuling im Amt hat mir das gezeigt, dass wir gut im Team funktionieren.

Sie waren gut ein Jahr im Amt, als in Jens-Uwe Schmiedgen der Bauamtsleiter der Gemeinde und kurz darauf in Uwe Detlefsen der Erste Beigeordnete verstarben. Hinzu kamen die genannten Herausforderungen durch steigende Flüchtlingszahlen. Wenn Sie auf die erste Hälfte ihrer bisherigen Amtszeit blicken – würden Sie alles wieder so machen?

In der Zeit habe ich mir ein Netzwerk aufgebaut, von dem ich heute noch profitiere. Auch die Bürger-Veranstaltungen zum Thema Sicherheit würde ich wieder so machen. Dass wir uns personell in der Verwaltung neu aufstellen mussten, hat schließlich einen Neuanfang in der Zusammenarbeit auf Führungsebene und darunter bedeutet. Es war der Moment, wo ich Weichen für die Zusammenarbeit in allen Fachbereichen stellen und Ziele setzen konnte, die wir nun sukzessive abarbeiten.

Nach der Wahl wurde vorausgesagt, dass Sie als Vertreterin einer Wählergemeinschaft auf Kreis- und Bezirksebene kein Gewicht hätten. Was wiegt das Wort Ulrike Drossels außerhalb von Holzwickede heute?

Ich denke, ich werde als zielstrebige, sachliche und teamfähige Person wahrgenommen, die sich für die Interessen Holzwickedes einsetzt und die Bürger entsprechend vertritt.

Ich möchte das Projekt zu Ende bringen, weil mein Herz an Holzwickede und diesem Projekt hängt. Ich möchte ein gutes Rathaus an die Bürger übergeben.
Bürgermeisterin Ulrike Drossel
Ulrike Drossel: „Die Holzwickeder werden einen positiveren Blick auf das Ortsbild haben“

© UDO HENNES


Rathaus-Umbau, Wohnpark Emscherquelle, Kita-Neubauten, Umsetzung Kultur- und Straßensanierungskonzept, Digitalisierung der Schulen – diese Projekte kommen gerade sichtbar ins Rollen. Im kommenden Jahr soll ein Klimaschutzkonzept erarbeitet werden. Das Bahnhofsumfeld steht ebenfalls im Fokus. Inwieweit befürchten Sie, dass negative Entwicklungen in diesen Projekten sich auf eine mögliche Wiederwahl auswirken?

Es erfordet Mut und ist mit Risiken verbunden, das größte Projekt der Gemeindegeschichte zu begleiten. Aber wir wissen beim Thema Rathaus, wohin wir möchten – und das Ziel verlieren wir nicht aus den Augen. Es gibt Punkte, da habe ich als Bürgermeisterin einen Einfluss und setze mich mit voller Kraft ein. Es gibt aber auch Punkte, die lassen sich nicht ändern – zum Beispiel, wenn Firmen nicht auf die Ausschreibung zum Rohbau für den Rathausanbau reagieren. Wichtig ist, dass wir in solchen Fällen offen mit der Politik und den Bürgern kommunizieren.

Wenn wir uns nächstes Jahr um diese Zeit in der heißen Wahlkampfphase befinden – wo sollen die genannten Projekte stehen
Wir werden einen Rohbau vorfinden und uns im Detail damit befassen, wie Bürgersaal, Eingangsbereich und Forum aussehen sollen. Die Kita-Eröffnungen werden bevorstehen. Wir werden über Inhalte des Klimakonzeptes mit Politik und Bürgerschaft sprechen. Die Holzwickeder werden einen positiveren Blick auf das Ortsbild haben. Da greife ich gerne die Worte des Seniorenbeirates auf: ‚Das ist mein Holzwickede. Darum muss man sich kümmern‘. Ich gehe auch fest davon aus, dass die Aufräumaktion der Senioren klappt und habe mir den Termin am 5. Oktober schon geblockt.

Glauben sie, dass das Kulturkonzept in Gänze aufgehen wird?

Die Kleinkunstbühne wird ein ganz neues Format. Das Emscherfood-Festival ist neu. Holzwickede Karibisch war neu und wurde gut angenommen. Die Holzwickeder sind gesellig, feiern gerne und sind kulturell interessiert – von daher wollen wir uns auch weiterhin trauen, auch mal Neues auszuprobieren.

Die SPD hat in Peter Wehlack bereits ihren Kandidaten in Stellung gebracht. Wie schätzen Sie ihn ein?

Ich nehme Peter Wehlack als besonnenen Menschen wahr, der als Vorsitzender der TG schon lange in der Gemeinde engagiert ist. Ob er ein ernst zu nehmender Konkurrent ist, werden die Bürger entscheiden.

Im Duell mit Michael Klimziak vor vier Jahren war Ihnen die Unterstützung der FDP sicher. Für das kommende Jahr haben die Liberalen Ihnen die Unterstützung entzogen. Zudem will die CDU einen Kandidaten benennen, die Grünen denken ebenfalls darüber nach. Wie sehen Sie Ihre Chancen auf eine zweite Amtszeit?
Wenn ich privat in der Gemeinde unterwegs bin, ist das auch immer ein bisschen wie Bürgersprechstunde. Ich bekomme Fragen gestellt und neue Anregungen. Mitunter ist es aber auch nur ein freundliches Gespräch, dem ich am Ende entnehme, dass meine Arbeit positiv wahrgenommen wird.

Wie viel persönlicher Ehrgeiz steckt dahinter, als erste Bürgermeisterin am Schreibtisch des neuen Rathauses zu sitzen?
Ich möchte das Projekt zu Ende bringen, weil mein Herz an Holzwickede und diesem Projekt hängt. Ich möchte ein gutes Rathaus an die Bürger übergeben. Und ich will auch andere Projekte wie das Klimaschutzkonzept oder die Umgestaltung des Bahnhofs inklusive Durchstich zum Abschluss bringen.

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