Die Pläne zur Errichtung des Wohnparks Emscherquelle kommen insbesondere bei Anwohnern rund um die Sölder Straße nicht gut an. Sie befürchten ein Verkehrschaos. Experten sehen das anders.

Holzwickede

, 10.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Fachleute gegen Bürger, so könnte die Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema Wohnpark Emscherquelle letztlich zusammengefasst werden. Auf einen Nenner kamen beide nicht, denn das Empfinden insbesondere der Anwohner und jener, die an dem ehemaligen Kasernengelände vorbei fahren und die Untersuchungsergebnisse der Gutachter, klaffen teils weit auseinander.

Es ging um den Verkehr, der bei den Abbruch- und anschließenden Bauarbeiten und durch den Zuzug der Bewohner zu erwarten ist. Um Fahrtrouten, die nach Auffassung zahlreicher Anwohner keinesfalls über die Sölder Straße erfolgen solle. Laut Ergebnis des nunmehr dritten vorliegenden Verkehrsgutachtens, ist die Sölder Straße durchaus in der Lage, den Verkehr aufzunehmen. Zur Erinnerung: Die Gemeinde Holzwickede ließ bereits ein Gutachten zum Verkehr anfertigen. Auch die Wilma Wohnen West, die das Gelände erwarb, legte ein Gutachten vor. Jetzt wurde erneut ein Gutachten erstellt und am Donnerstag den interessierten Bürgern und der Politik vorgestellt.

Informationen für Bürger und Politik

Die Bürgerinformationsveranstaltung am Donnerstagabend im Forum des Schulzentrums war eine Pflichtveranstaltung, denn im Rahmen der Bauleitplanung sind die Bürger einzubinden. Um Planungsrecht schaffen zu können, bedarf es der Information der Bürger. Anschließend können sie ihre Anregungen und Einwände angeben. Gekommen waren zahlreiche Bürger sowie Vertreter der Politik, die sich an der Diskussion beteiligten.

Bevor aber die beteiligten Fachleute die Pläne vorstellten, richtete Ralf Bessinger von der Gemeinde den Blick zurück an die Anfänge. Am 27. Februar 2014 habe die Gemeinde den Aufstellungsbeschluss gefasst, das Kasernengelände der Wohnbebauung zuzuführen. Das war, erinnerte der Fachmann für Bauen, zehn Jahre, nachdem die Bundeswehr die Nutzung der Kaserne eingestellt hatte.

135 Einfamilienhäuser und 66 Wohnungen

Das städtebauliche Konzept des Wohnparks Emscherquelle erläuterte sodann die Stadtplanerin Renate Godland von der Firma Pesch und Partner. Geplant, so erfuhren die Zuhörer, ist es, auf der rund neun Hektar großen Fläche 135 Einfamilienhäuser und 66 Wohnungen mit geförderten Wohnungsbau zu errichten. Die Einfamilienhäuser teilen sich auf in sechs Reihenhäuser, 116 Doppelhaushälften und 13 freistehende Häuser. Sowohl Flachdach-, als auch Satteldachhäuser sollen errichtet werden. Die Geschosswohnungsbauten sollen Wohnungen mit einer Quadratmeterzahl zwischen 55 und 80 bieten und Blockheizkraftwerke im Keller haben. Öffentliche Grünflächen, eine Parkanlage, ein Spielplatz, Grünflächen mit Regenrückhaltebecken, Schutz- und Trenngrün

sowie private Grünflächen sind eingeplant.

Renate Godland zählte alles auf. Wie groß der Anteil der Grünflächen und der bebauten Flächen ist, sagte sie nicht. Und in dieser Frage hatte es bereits wie berichtet Kritik von den drei Ratsfraktionen BBL, Grüne und FDP gegeben. Ihr Argument: Die anfangs von SPD und CDU versprochene Aufteilung 50:50 (Grün und Bebauung) würde nicht mehr eingehalten. Der Anteil der Bebauung sei demnach viel zu groß.

Pläne der Wilma Wohnen West

Die Pläne, die Renate Godland vorstellte, waren soweit bekannt. Andreas Häcker Projektleiter von Wilma Wohnen West, dem Unternehmen, das das Kasernengelände kaufte, konnte dann die Fragen beantworten, die vielen auf den Nägeln brannten. Zum Beispiel die Frage, wie der Baustellenverkehr geleitet werden soll. Zwei Hauptrouten wurden laut Häcker nun festgelegt: Die erste Route betrifft Pkw und Leichttransporter und eigne sich keinesfalls für Lkw: Diese Route führt vom Baugebiet über die Schäferkampstraße und Gottlieb-Daimler-Straße in Richtung Bundesstraße 1. Die zweite Route müssen Lkw nehmen, da die anderen Routen für sie wegen Brücken und Engstellen nicht befahrbar sind: Diese Route führt von der Margaretenstraße aus über die Landskroner- und Römerstraße in Richtung Süden. „Allerdings werden wir vor Ort das Abbruchmaterial brechen und es als Unterbau für die Straßen nutzen. Es sind de facto keine größeren Lkw-Fahrten erforderlich“,versprach Andreas Häcker den Zuhörern.

Bürger kontra Experten - Verkehrschaos gegen Normalität

So könnten die Mehrfamilienhäuser aussehen. © Wilma Bau und Entwicklungsgesellschaft West

Für Diskussionen sorgte dann allerdings der Vortrag des Verkehrsgutachters. Philipp Nahr von der Ingenieurgesellschaft Lindschulte und Kloppe ging im Detail auf das Verkehrsgutachten ein, erklärte, dass der Verkehr an drei Tagen 24 Stunden lang auf der Sölder Straße und am Knotenpunkt Sölder Straße/Hauptstraße mittels Kameras beobachtet wurde. Vorgeschrieben sei lediglich eine zwei mal vier Stunden dauerende Messung an einem Tag. Damit gehe diese Untersuchung weit über das erforderliche Maß hinaus. Nahr legte Wartezeiten an der Einmündung Sölder Straße zur Hauptstraße dar, erklärte, dass Linksabbieger, die von der Sölder Straße kommen und die Hauptstraße abbiegen, im Mittel 13,3 Sekunden warten.

Bürger kontra Experten - Verkehrschaos gegen Normalität

Laut Gutachter stellt die Ausfahrt aus der Sölder Straße kein Problem dar. © UDO HENNES

Fünf Prozent aller Fahrzeuge könnten binnen fünf Sekunden abbiegen. Andere müssten länger warten, je nach Ampelphase an der Einmündung Opherdicker Straße. Und diese Beachtung brachte manchen Bürger in Wallung: „Das hat mit der Realität nichts zu tun. Wir erleben das das ganze Jahr über und nicht nur an drei Tagen“, schimpften Bürger über aus ihrer Sicht viel längere Wartezeiten an der Einmündung. Sie beklagten sich, dass Begegnungsverkehr in der Sölder Straße gar nicht möglich sei. „Auch nicht mit dem Fahrrad“, wie der Grünen-Politiker Friedhelm Klemp anmerkte. Und Jochen Hake (FDP) ergriff ebenfalls das Wort, zweifelte die Ergebnisse an: „Ein Ausschnitt von drei Tagen ist nicht repräsentativ“. Probleme sah der Experte nicht. Er empfahl allerdings Parkplätze zu markieren. Die Sorge zahlreicher Bürger blieb: Was wird, wenn die Lkw rollen und sich nicht an vorgeschlagene Routen halten? Was ist, wenn die Häuser im Wohnpark alle bezogen sind und noch mehr Verkehr rollt? „Die Sölder Straße ist für die, die da wohnen, schon jetzt ein großes Problem“, erklärte ein Bürger.

Weitere Schritte

Verkaufsstart und Baubeginn

Die nächsten Schritte sind die Offenlegung, die Abwägung, der Satzungsbeschluss. Es folgt die Rechtskraft. Der geplante Verkaufsstart des ersten Bauabschnitts ist Angang des dritten Quartals 2019 Der Verkaufsstart für den ersten Bauabschnitt soll Anfang des dritten Quartals 2019 erfolgen. Beginn der Erschließung ist für das dritte Quartal 2019 vorgesehen. Der geplante Baubeginn des ersten Bauabschnitts ist geplant für das Ende des vierten Quartals 2019. Die geplante Gesamtfertigstellung ist voraussichtlich 2024.

Andreas Häcker versprach, die Unternehmen, die für Wilma arbeiten werden, bezüglich der Routen zu informieren. Zudem würden auch die Bauleitungen darauf achten, dass Lastwagen nicht über die Sölder Straße fahren. Und er machte auf Nachfrage noch einmal deutlich, dass die Margaretenstraße nichts als Zu- oder Ausfahrt des Baugebietes genutzt werden dürfte. Lediglich Radfahrer dürfen die Magaretenstraße nutzen. „Die Margartenstraße steht nicht zur Verfügung. Das hat die Politik so gewollt“, so Häcker. Neuigkeiten konnte der Projektleiter Häcker auch verkünden: Mit einem Anbieter für Seniorenwohnungen stehe das Unternehmen in Gesprächen. Seniorenwohnungen hatte der Seniorenbeirat gewünscht. Zudem sollen, wie von den Holzwickeder Grünen gewünscht, E-Ladestationen an öffentlichen Stellplätzen im Wohnpark installiert werden.

Nach zwei Stunden war die Bürgerinformationsveranstaltung beendet und zahlreiche Bürgeranliegen ins Protokoll aufgenommen.

Geändert werden muss nun nicht nur der Bebauungsplan, auch der Flächennutzungsplan bedarf einer Änderung, denn aus einer Sonderfläche des Bundes soll eine Wohnbaufläche werden.

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