Der BSV Holzwickede will das Schützenfest reformieren. Im Raum steht unter anderem, dass das Fest auf drei Tage verkürzt werden soll; dann gäbe es kein Vogelschießen mehr am Montag.

Holzwickede

, 31.07.2019, 20:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Holzwickeder Schützenfest steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Nur noch drei statt vier Festtage, keine Partynacht in ihrer bisherigen Form mehr – und möglicherweise sogar ein neuer Partner für die Festbewirtung: Der Vorstand des Bürgerschützenvereins Holzwickede hat am Mittwochabend ein umfassendes Maßnahmenpapier zur Reform der Traditionsveranstaltung Anfang Juli auf den Weg gebracht.

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Endgültig darüber entscheiden werden aber die rund 400 Mitglieder im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die sobald wie möglich nach den Sommerferien stattfinden soll. Das bestätigte BSV-Vize Frank Weber nach der rund zweistündigen Vorstandssitzung im Gespräch mit dieser Redaktion.

Vogelschießen künftig Samstag statt Montag

Konkret stehen auf dem Reformpapier mehrere Punkte. Das Schützenfest soll von vier auf drei Tage verkürzt, der Montag gestrichen werden; das Vogelschießen würde dann am Festsamstag ausgetragen. Ferner soll die Partynacht in ihrer bisherigen Form nicht mehr stattfinden. Stattdessen würden Teile des bisherigen Festverlaufs am Samstag – etwa die Totenehrung und der Zapfenstreich – auf den Freitag gezogen werden, der mit einer Art „grünem Abend“ beziehungsweise Festball einen würdigeren Auftakt für ein Schützenfest bieten soll.

Schützenfest: Nur noch drei Tage und keine Ballermann-Party mehr

Eindrücke vom Schützenumzug des BSV Holzwickede in diesem Jahr: Andreas Gawlowski und Jennifer Kraus als Königspaar 2018/19. © Greis

Familien und Kinder sollen stärker in den Blickpunkt rücken, etwa indem dem Kinderkönigsschießen mehr Gewicht in der Festfolge verliehen wird. Und letztlich soll vor dem Hintergrund des ohnehin auslaufenden Vertrages auch die Zusammenarbeit mit dem Zeltwirt auf den Prüfstand, der bisweilen auch die Bewirtschaftung des Holzwickeder Schützenfestes übernimmt.

Reckermann als Wirt für Schützenfest im Gespräch

Weber bestätigte am Abend, dass der Holzwickeder Gastronom Jens Reckermann seinen Hut für die Bewirtschaftung des Schützenfestes in den Ring geworfen hat; mit seinem Engagement für den Holzwickeder Streetfood-Markt hat er in der Emschergemeinde bereits gezeigt, im Veranstaltungssegment ein guter Partner sein zu können.

„Wir können schon seit einigen Jahren nicht mehr kostendeckend arbeiten – und deshalb müssen wir einfach die richtigen Weichen stellen.“
Frank Weber, Bürgerschützenverein Holzwickede

Der Deal mit dem bisherigen Partner des BSV sieht vor: Er stellt das Festzelt kostenlos zur Verfügung, beteiligt sich anteilig an den Kosten etwa für Behördenverfahren und Musikkapellen – im Gegenzug nimmt der BSV ein Pflichtkontingent an Wertmarken ab. Unterm Strich ist der Verkauf dieser Marken neben den Eintrittsgeldern die einzige Einnahmequelle für die Schützen; eine Umsatzbeteiligung oder ähnliches gibt es nicht.

Ob so ein Deal noch zeitgemäß ist und ob sich gegebenenfalls über Kooperationen mit anderen Vereinen etwa hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Zeltverleihern Kosten sparen lassen – auch das soll laut Weber in den kommenden Wochen geprüft und mit den Mitgliedern diskutiert werden.

Vier Tage sind nicht mehr machbar

„Wir haben festgestellt, dass wir vier Tage nicht mehr schaffen“, begründete Frank Weber die einschneidenden Reformvorschläge unter anderem mit hohen Behördenauflagen und signifikantem Kostendruck bei zuletzt deutlich gesunkenen Besucherzahlen. „Wir können schon seit einigen Jahren nicht mehr kostendeckend arbeiten – und deshalb müssen wir einfach die richtigen Weichen stellen.“

Bei der Reform geht es also um nicht weniger als die Rettung des Schützenfestes. Ebenfalls damit verbunden ist die Hoffnung, den für Schützenfeste typischen Volksfestcharakter auch in Holzwickede wieder zu schärfen. Weber: „Früher hat man gesagt: ‚Schützenfest und Weihnachtsmarkt ist wie Klassentreffen‘ – das wollen wir wieder erreichen; und zwar in einem gepflegten Ambiente.“

Kritik an Charakter der Partynacht
Schützenfest: Nur noch drei Tage und keine Ballermann-Party mehr

Der Ballermann-Charakter der Partynacht am Festfreitag kommt offenbar auch bei den Entscheidern des BSV nicht mehr gut an. © Greis / Archiv


„Wir wollen nicht mehr denen eine Plattform geben, die einmal im Jahr nach Holzwickede kommen – um hier Ballermann-Party zu feiern statt nach Mallorca zu fliegen, weil es auch noch billiger ist.“
FRANK WEBER, BÜRGERSCHÜTZENVEREIN HOLZWICKEDE

Eine Anspielung auf die zuletzt arg in Kritik geratene Partynacht zum freitäglichen Auftakt des Holzwickeder Schützenfestes. Nachdem sich Anwohner im Vorjahr über die zu laute Musik beschwert hatten, hängten die Behörden in diesem Jahr die Auflagen noch höher als sonst; und hinter vorgehaltener Hand wurde bereits rund ums Schützenfest mehr und mehr deutlich, dass der Charakter der Partynacht mit Ballermann-Charme auch den Entscheidern nicht mehr recht war.

Am Abend sagte Weber nun völlig unverblümt: „Wir wollen nicht mehr denen eine Plattform geben, die einmal im Jahr nach Holzwickede kommen – um hier Ballermann-Party zu feiern statt nach Mallorca zu fliegen, weil es auch noch billiger ist.“ Die Partynacht, das sagte Weber nach der Sitzung klipp und klar, werde es in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. „Da sind wir uns auch alle einig.“

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Viele BSV-Mitglieder von den Plänen überrascht

Die Nachricht über die tiefgreifende Reform des Schützenfestes ging am Mittwoch um wie ein Lauffeuer. Denn nur die wenigsten dürften damit gerechnet haben, dass der Vorstand am Ende eine so tiefgreifende Zäsur wird vorschlagen wollen. Auf Nachfrage waren jedenfalls mehrere BSV-Mitglieder überrascht ob der radikalen Pläne, mit denen der Vorstand aber offenbar umso entschiedener den Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte begegnen will.

„Wir versuchen, einen Weg zu finden, dass sowohl der Festwirt, als auch der Schützenverein, als auch die Holzwickeder wieder etwas von ihrem Schützenfest haben.“
FRANK WEBER, BÜRGERSCHÜTZENVEREIN HOLZWICKEDE

Einst waren zwei große Festzelte nötig, um den Besucherzahlen Herr zu werden – zuletzt hatten treue Festbesucher zunehmend den Eindruck, dass die Anziehungskraft des Festes immer deutlicher nachgelassen hat.

Mitglieder haben das letzte Wort

Weber: „Wir sind im Grunde genommen seit Beendigung des Schützenfestes in Gesprächen mit den Kompanien.“ Die Sitzung am Mittwochabend sei die zweite in dieser Sache gewesen, um Vorschläge zu einem Maßnahmenpapier zusammenzufassen. „Um einen Weg zu finden, dass sowohl der Festwirt, als auch der Schützenverein, als auch die Holzwickeder wieder etwas von ihrem Schützenfest haben.“

Das letzte Wort haben nun die Mitglieder, denen der Vorstand die Vorschläge im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vorstellen wird – und zwar sobald wie möglich nach den Sommerferien. Bis Juli nächsten Jahres ist schließlich nicht mehr allzu viel Zeit, um ein Schützenfest komplett umzukrempeln.

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