Kleiderschrank vom Pastor: Ein Blick in die unbekannten Ecken der Liebfrauenkirche

dzSerie: Kirchen in Holzwickede

Viele Menschen meinen zu wissen wie eine Kirche von innen aussieht. Unsere Redaktion hat einen Blick in die Ecken geworfen, die sonst fast nur Pastoren kennen.

Holzwickede

, 25.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Zeiten von ausgesetzten Gottesdiensten haben es nicht nur Kirchgänger, sondern auch Pastoren schwerer, ihren Glauben in gewohnter Weise auszuleben. Während das Beten in der Gemeinschaft jetzt nur begrenzt möglich ist, stehen die Kirchen in Holzwickede vorübergehend leer.

In der Liebfrauenkirche sind die Pforten tagsüber trotzdem geöffnet: Vereinzelt betreten Menschen das Gotteshaus und nutzen einen kurzen Moment zum Beten, zünden nicht selten eine Kerze an.

In der gesamten Liebfrauenkirche findet man Hinweise und Symbole für den Tod und die Auferstehung: Bernhard Middelanis deutet auf ein Kreuz, das sich drehen lässt. Diese Seite wird vorwiegend vor Ostern gezeigt. Auf dem Kreuz befindet sich eine Dornenkrone, was für den Tod Jesu steht. Auf der anderen Seite ist ein geschächtetes Lamm zu erkennen, das lebendig zu sein scheint. Es symbolisiert die Auferstehung Jesu.

In der gesamten Liebfrauenkirche findet man Hinweise und Symbole für den Tod und die Auferstehung: Bernhard Middelanis deutet auf ein Kreuz, das sich drehen lässt. Diese Seite wird vorwiegend vor Ostern gezeigt. Auf dem Kreuz befindet sich eine Dornenkrone, was für den Tod Jesu steht. Auf der anderen Seite ist ein geschächtetes Lamm zu erkennen, das lebendig zu sein scheint. Es symbolisiert die Auferstehung Jesu. © Carlo Czichowski

Für den katholischen Pastor Bernhard Middelanis ist die weitgehend verwaiste Kirche ein ungewohnter Anblick. Unsere Redaktion hat sich mit dem Geistlichen vor Ort getroffen und einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Denn für Middelanis ist die Liebfrauenkirche nicht nur ein Ort, an dem er seine christlichen Überzeugungen teilen kann. Sie ist gleichzeitig auch sein Arbeitsplatz.

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Und den kennt er wie seine eigene Westentasche. Wenn man mit ihm über das Gebäude spricht, kommt man kaum um den Namen Alois Gemmeke herum. Er war nicht nur der Gründer der katholischen Kirchengemeinde Liebfrauen, sondern hat im Jahr 1903 auch den Bau der gleichnamigen Kirche in die Wege geleitet.

Symbolträchtiges Bauwerk aus dem Jahr 1903/1904: Die Form der Liebfrauenkirche soll bewusst an ein auf dem Boden liegendes Kreuz erinnern.

Symbolträchtiges Bauwerk aus dem Jahr 1903/1904: Die Form der Liebfrauenkirche soll bewusst an ein auf dem Boden liegendes Kreuz erinnern. © Hans Blossey

Heute, mehr als 100 Jahre später, ist Bernhard Middelanis Ansprechpartner Nummer eins, wenn man interessante Anekdoten zur Kirche erfahren möchte. Wie in den meisten anderen katholischen Kirchen auch, gibt es zwei Elemente, die immer wieder auftauchen: „Das ist einmal der Tod, außerdem ist es die Auferstehung“, sagt Middelanis.

Ungewöhnliches Glasgemälde spiegelt Zeitgeist wieder

Nach der christlichen Überzeugung hat im Leben eines Menschen beides seinen Platz. In der Liebfrauenkirche ist daher einiges auf diese beiden Elemente abgestimmt - von den künstlerisch gestalteten Kirchenfenstern bis hin zur Dekoration in der Kirche.

Auf dem Fenster rechts neben dem Hochaltar befindet sich eine eher ungewöhnliche Darstellung von Joseph, den Vater von Jesus Christus. Gezeigt wird der Joseph mit einem violetten Heiligenschein, der im Kreis seiner Liebsten stirbt. In der Zeit, in der die Liebfrauenkirche gebaut wurde, gab es eine regelrechte, kurzzeitige Josephsverehrung, die laut Middelanis bald eine Renaissance erleben könnte.

Auf dem Fenster rechts neben dem Hochaltar befindet sich eine eher ungewöhnliche Darstellung von Joseph, den Vater von Jesus Christus. Gezeigt wird der Joseph mit einem violetten Heiligenschein, der im Kreis seiner Liebsten stirbt. In der Zeit, in der die Liebfrauenkirche gebaut wurde, gab es eine regelrechte, kurzzeitige Josephsverehrung, die laut Middelanis bald eine Renaissance erleben könnte. © Carlo Czichowski

Allgegenwärtig ist dabei das Symbol des Kreuzes, an dem Jesus Christus gestorben ist. Aus christlicher Sicht hat Jesus damit die Sünden aller Menschen auf sich genommen und wird seither von der katholischen Kirche als Sohn Gottes verehrt. Die Liebfrauenkirche in Holzwickede erinnert daher, so habe es Gemmeke bewusst geplant, von der Form her an ein liegendes Kreuz.

Nachzuvollziehen ist Jesus Leidensweg, der sogenannte Kreuzweg, in der Liebfrauenkirche außerdem auch an den Motiven von 14 Fenstern. Das ist für katholische Kirchen allerdings nicht gerade unüblich.

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Serie

Kirchen in Holzwickede

In der Serie „Kirchen in Holzwickede“ wirft die Redaktion einen Blick auf versteckte und unbekannte Ecken in den Holzwickeder Gotteshäusern. Die Texte zur Serie erscheinen in loser Folge.

Eine Besonderheit befindet sich auf dem Fenster, das sich im Flügel rechts vom Hochaltar befindet. Auf dem dortigen Glasgemälde befindet sich ein Motiv, das den Zeitgeist aus der Bauzeit widerspiegelt. In dieser Zeit gab es laut Middelanis in der katholischen Kirche eine eher ungewöhnliche Verehrung vom Christusvater Joseph.

„Das sind solche Dinge, die die meisten Gemeindemitgliedern zwar vielleicht sehen, aber bestimmt nicht unbedingt wahrgenommen haben“, vermutet Middelanis.

Blick in den Kleiderschrank des Pastors

In einem Bereich der Kirche hält er sich im Alltag normalerweise sehr häufig auf, momentan aber eher weniger: Gemeint ist die Sakristei. Dort bereitet er gemeinsam mit seinen Messdienern alles auf den Gottesdienst vor.

Zudem befindet sich da der pastorale Kleiderschrank mit mindestens zwei Dutzend Priestergewändern.

Hier hat Pastor Bernhard Middelanis eine Menge Auswahl: Im pastoralen Kleiderschrank in der Sakristei der Liebfrauenkirche.

Hier hat Pastor Bernhard Middelanis eine Menge Auswahl: Im pastoralen Kleiderschrank in der Sakristei der Liebfrauenkirche. © Carlo Czichowski

Wie Middelanis verrät, hat er unter den Gewändern seine Favoriten. Aus modischen Gründen trägt er sie aber freilich nicht. In den meisten Fällen würden sie ohnehin von der Küsterin ausgewählt.

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