Das Bürgerbüro in Holzwickede ist auch während des Lockdowns besetzt. Bürger sollten vor einem Besuch aber einen Termin vereinbaren. © Marcel Drawe
Gemeindemitte

Bildung an der Allee doch eine Option? Volkshochschule bekundet Interesse

Sie stehen auf zwei Flächen, von denen die Gemeinde an zentraler Stelle ansonsten kaum noch welche besitzt: die Gebäude an der Allee 4 und 10. Ihre Zukunft ist ungewiss. Die VHS kann sich hier eine Adresse vorstellen.

Was mit den Verwaltungsgebäuden an der Allee 4 und 10 passiert, wenn das neue Rat- und Bürgerhaus eröffnet, darüber wurde in den vergangenen Monaten auf politischer Ebene schon diskutiert. Ein gemeindlicher Neubau mit Unterstützung durch Fördermittel durch das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) an Stelle des jetzigen Bürgerbüros etwa, ist vorerst vom Tisch.

Zeitplan und auch Kosten dieses ursprünglichen Planes kollidieren mit dem nötigen Anbau am Schulzentrum für das Clara-Schumann-Gymnasium. Im Januar beschlossen wurde in jedem Fall, dass ein modernes Medienlernzentrum samt Bibliothek in der Gemeindemitte vorerst nicht darstellbar ist. Das CSG hat Vorrang, die Gemeindebibliothek bleibt ein Teil des Gebäudekomplexes an der Opherdicker Straße.

Eine Partei spricht sich klar für Verkauf aus

Und während etwa die CDU-Fraktion bereits deutlich gemacht hat, einem Verkauf der Grundstücke an der Allee 4 sowie der Hausnummer 10, wo das Bauamt aktuell noch seinen Sitz hat, an einen Investor offen gegenüberzustehen, tun sich die übrigen Ratsparteien damit in Abstufungen schwerer. Die FDP kann es sich etwa unter Umständen vorstellen, die Grünen bringen ein Modell ins Spiel, das ein Lernzentrum und Wohnen in einem Neubau verbindet – Beteiligung eines Investors sei dabei denkbar.

Die Außenstelle der Kreispolizei Unna könnte den Holzwickedern an zentraler Stelle ein neues Sicherheitsgefühl vermitteln. © UDO HENNES © UDO HENNES

Die Position des Verwaltungsvorstandes ist dabei klar: kein Verkauf. Der Erste Beigeordnete Bernd Kasischke nannte zuletzt bereits einen Umzug der Polizei-Außendienststelle von der Opherdicker Straße an die Allee eine Option. „Das ist ja auch ein Wunsch aus der Bürgerschaft. Und ich erinnere an Vandalismusfälle im Emscherpark und am alten Rathaus mit zerstörter Marmorbank und Treppenaufgang. Polizei in der Nähe kann da nicht schaden.“ Auch ein Platz für das Gemeindearchiv wurde bereits im Ortskern gesehen.

Und wie die Leiterin der Volkshochschule Unna-Fröndenberg-Holzwickede, Brigitte Schubert, bestätigt: „Wir würden uns sehr freuen, wenn Politik und Verwaltung sich für die Erwachsenenbildung vor Ort stark machen und man gemeinsame Überlegungen anstellt.“ Die VHS hat entsprechend bei der Gemeinde ein Interesse an potentiellen neuen Räumlichkeiten hinterlegt.

Lässt es das Coronavirus zu, dann finden auch VHS-Kurse in der Seniorenbegegnungsstätte statt. Dann mitunter aber auch in fensterlosen Kellerräumen. © Picasa © Picasa
Seit dem 1. Juli 2020 ist Brigitte Schubert die neue Chefin der Volkshochschule Unna Fröndenberg Holzwickede.
Seit dem 1. Juli 2020 ist Brigitte Schubert die neue Chefin der Volkshochschule Unna Fröndenberg Holzwickede. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

„Es wäre schon ein Gewinn, wenn man Kurse in entsprechend ausgestatteten und freundlichen Räumen mit Tageslicht anbieten kann.“

VHS-Leiterin Brigitte Schubert

Gemeindeflächen bieten Potenzial für Belebung der Ortsmitte

Finden Kurse nämlich in Pandemie-Zeiten nicht vorwiegend online statt, so bleiben der VHS für Bewegungskurse die Rausinger Halle und für weitere Angebote die Seniorenbegegnungsstätte und hier die fensterlosen Räume im Keller. „Es wäre schon ein Gewinn, wenn man Kurse in entsprechend ausgestatteten und freundlichen Räumen mit Tageslicht anbieten kann“, so Schubert.

„Das Rat- und Bürgerhaus wird die Mitte auch beleben, aber Potenziale sehen wir auch an der Stelle. Die Metzgerei neben der Bäckerei Grobe gibt es nicht mehr, die allgemeine hausärztliche Versorgung ist schwierig, da ist Druck da. Auch ein Restaurantbetrieb wäre denkbar“, so Kasischke. Ob Polizei, VHS, Ärzte, Gastronomie: Mit einem reinen Verkauf der Flächen würde man sich gegen Einmalzahlung vieler Optionen berauben.

„Wir wollen nicht zwingend beide Gebäude halten. Abriss, Neubau, Entwickeln – das können wir nicht leisten. Aber wir wollen ein Planungsbüro reinholen, um uns da ganz frei beraten zu lassen. Ähnlich wie beim Konzept für das Bahnhofsumfeld“, so Kasischke. Bürgermeisterin Ulrike Drossel fügt an: „Wir wollen Anregungen und erhoffen uns durch einen Planer mutige Vorschläge.“

Frei planen ohne Denkverbote

Der Wunsch aus der Verwaltungsspitze: „Planungsfreiheit und dann äußern wir uns im dritten Quartal. Und jeder, der eine Idee hat und etwas beitragen möchte, soll das gerne tun“, so Kasischke. Ein gewisses Niveau möchte man demnach bei der städtebaulichen Entwicklung halten: „Dass an der Allee eine Spielothek entsteht, dass werden wir sicher ordnungsrechtlich zu verhindern wissen.“

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis
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