Der Holzwickeder Bahnhof soll schöner werden. Das sieht ein Konzept vor, das im vergangenen Oktober vorgestellt wurde. Die Unterführung auf der Nordstraße klammert das Konzept aus – dabei gibt es auch hierfür Ideen.

Holzwickede

, 01.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als ein Planungsbüro im Oktober die Idee für eine Umgestaltung des Bahnhofes und der umliegenden Bereich für einen Zeitraum bis zu zehn Jahren vorlegte, fehlte ein Bereich: die Unterführung auf der Nordstraße.

In mehreren Workshops für die Konzepterstellung waren neben Vertretern der Gemeinde, des Flughafens und des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen Lippe (NWL) auch Vertreter diverser Bahngesellschaften eingebunden.

Die Planer begründeten bei Vorstellung des Konzeptes die fehlende Unterführung damit, dass bauliche Veränderungen an Gleisen und Brücken zu aufwendig seien. Für Heinrich Schlinkmann ist es dennoch unverständlich, dass man die Unterführung gänzlich aus den gestalterischen Überlegungen ausklammert.

Große Lösung für die Unterführung war schon vor 20 Jahren zu teuer

Dem Geschäftsführer des Unabhängigen Bürgerblocks schweben seit einigen Jahren eigene Ideen für die Unterführung vor. Dabei geht es nur bedingt um bauliche Veränderungen am Brückenbauwerk oder den Gleisen selbst.

BBL-Geschäftsführer will Unterführung bei Umgestaltung des Bahnhofs nicht außen vor lassen

© Greis

„Ich habe aber den Eindruck, dass bei allen Bemühungen die Unterführung selbst ins Hintertreffen gerät.“
Heinrich Schlinkmann, BBL-Geschäftsführer

Schlinkmann kann sich an entsprechende Pläne aus der Zeit der Jahrtausendwende erinnern. „Die große Lösung sah eine neue Brückenverankerung vor, die Mauern und Böschungen sollten abgetragen werden, aber das wäre zu teuer geworden.“ 10 bis 15 Millionen D-Mark wurden damals in einem Konzept vorgerechnet, würde es kosten, die Unterführung umzubauen.

Letztlich wurde vor gut zehn Jahren nur ein Teil davon umgesetzt. „Der Lokschuppen wurde abgerissen, auf der südlichen Seite der Unterführung wurde abgeböscht. Danach lag dann der Fokus auf der Gestaltung des Bahnhofes wie er heute ist“, sagt Schlinkmann.

Dass man die Nordseite der Unterführung in der Folge nicht mit einer Böschung versehen habe, versteht Schlinkmann bis heute nicht. „Eigentlich bin ich ja begeistert, dass das Thema Bahnhof nun zumindest wieder angestoßen wurde. Ich habe aber den Eindruck, dass bei allen Bemühungen die Unterführung selbst ins Hintertreffen gerät“, so der BBL-Geschäftsführer.

Der Verwaltungsbeamte im Ruhestand hat sich Gedanken gemacht, wie auch die Unterführung auf der Nordstraße aufgewertet werden könnte und orientiert sich dabei an Lösungen in anderen Kommunen. Seine Vision setzt dabei voraus, dass der geplante Durchstich, der Teil des aktuellen Gestaltungskonzeptes ist, umgesetzt wird.

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„Fußgänger und Radfahrer hätten dann einen Zugang von der Bahnhofstraße und der Stehfenstraße zu den Gleisen“, sagt Schlinkmann. Der Gehweg mit Radspur auf der Ostseite der Unterführung, der durch die Rampe für Taxen und Busse zu den Haltestellen unterbrochen wird, wäre aus Schlinkmanns Sicht dann überflüssig.

„Den Fuß-und Radweg auf der Ostseite könnte man zugunsten eines Schrammbords aufgeben. Das würde wiederum Platz für einen breiteren und klar von der Fahrbahn getrennten Rad- und Fußweg schaffen“, erläutert der 69-Jährige.

Fußgänger und Radfahrer von Autos und Lkw trennen

Unter klar abgetrennt, versteht Heinrich Schlinkmann, dass der Weg für Fußgänger und Radfahrer erhöht würde. Die Durchfahrtshöhe der Unterführung von 3,50 Meter würde es seiner Meinung nach hergeben, den Weg für Fußgänger und Radfahrer auf bis zu 1,50 Meter anzuheben. „Dann würden auch die Steigungen entfallen und es wäre bequemer, die Unterführung zu passieren“, so Schlinkmann.

BBL-Geschäftsführer will Unterführung bei Umgestaltung des Bahnhofs nicht außen vor lassen

Die Bahnunterführung auf Friedrich-Ebert-Straße in Unna nennt Heinrich Schlinkmann als Vorbild für die Holzwickeder Situation auf der Nordstraße. © Udo Hennes

Als Vorbild nennt der Holzwickeder die Unterführung der Friedrich-Ebert-Straße in der Nähe zum Bahnhof in Unna-Königsborn. Hier liegen Fahrbahn und Fußweg mit Radspur auf unterschiedlichem Höhenniveau und sind durch einen Handlauf voneinander getrennt.

In seiner Vision wäre die neue Route dann fußläufig oder per Rad ein reiner Transitweg unter den Bahnschienen. Den Weg zu den Gleisen würde man südlich über die Bahnhofstraße und nördlich der Bahnstrecken über die Stehfenstraße erreichen. „Wahrscheinlich müsste man für meine Lösung in der kleinen Lücke zwischen den Brücken abböschen und auch einen Teil der Mauer wegnehmen“, sagt Schlinkmann.

Die Mauer abtragen – das kann sich der BBL-Geschäftsführer auch entlang der Rampe zu den Gleisen vorstellen. „Wenn die Gleise hier tatsächlich verschwinden, ließe sich so der Kreuzungsbereich öffnen und übersichtlicher gestalten.“

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Für Lösungen in die Nachbarstädte schauen

Seine Ideen für die Bahnhofsunterführung hat er bislang nicht im stillen Kämmerlein verwahrt. „Ich habe das durchaus schon in die Fraktion getragen. Aber die Zeit dafür ist noch nicht da. Manche Dinge müssen reifen, aber oft werden Vorschläge abgeblockt, weil sich das keiner recht vorstellen kann“, sagt Schlinkmann.

Dabei könne man durchaus in die Nachbarstädte blicken und Lösungen finden, die man auf Holzwickede übertragen könne. Vorerst hofft Heinrich Schlinkmann, dass die angestoßenen Planungen zum Bahnhofsumfeld auch konkret werden. „Dass die Planungen auf einmal Schwung aufnehmen, begeistert mich zumindest.“

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