Barrierefrei Bus fahren in Holzwickede: Warum es noch eine Stufe beim Einstieg gibt

dzBarrierefreiheit

Barrierefreiheit beim Busfahren: JederBus heißt ein Projekt der VKU, mit dem Hindernisse und Berührungsängste bei geh- und sehbehinderten Menschen abgebaut werden sollen.

Holzwickede

, 25.07.2019, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Resonanz auf das Projekt „JederBus“ der VKU war riesig in der Begegnungsstätte Seniorentreff an der Berliner Allee. Zwar kamen wegen der großen Hitze ein paar Teilnehmer weniger als angemeldet waren – Gaby Freudenreich konnte dennoch vielen Senioren Tipps fürs Busfahren ohne Komplikationen geben.

Im Gespräch mit unserer Redaktion erläuterte die Fachfrau des Verkehrsunternehmens, was das Projekt bewirken will und welche Schwierigkeiten oft nur eingebildet sind.

Was war eigentlich der Auslöser für das Projekt „JederBus“?

Gaby Freudenreich: Der Kreis Unna ist an die VKU herangetreten mit der Bitte, auch den öffentlichen Personennahverkehr barrierefrei zu machen. Denn bis 2022 muss laut Personenbeförderungsgesetz die Barrierefreiheit hergestellt werden. Da ist der Kreis Unna sehr weit vorn.

Welche Barrieren gibt es denn überhaupt beim Busfahren?

Freudenreich: Unsere Zielgruppe in Holzwickede waren die Rollatorfahrer. Viele wissen gar nicht, wie Bus und Rollator zusammenpassen: Wie steige ich ein, wo soll ich den Rollator im Bus abstellen und vor allem – wie steige ich wieder aus. Daher trauen sich viele, die auf einen Rollator angewiesen sind, erst gar nicht, mit dem Bus zu fahren.

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Das heißt, es gibt Ängste bei den Fahrgästen?

Freudenreich: Es ist einfach viel Unkenntnis da und daher rührt die Angst. Viele haben Angst davor, dass sie nicht schnell genug sind beim Einsteigen, besonders aber, dass sie den Ausstieg verpassen, weil es mit ihrem Rollator so lange dauert. Ein anderes Thema sind die toten Winkel beim Bus: Fahrgäste, die sich dem Bus an der rechten Seite nähern, werden vom Busfahrer nicht gesehen. Der öffnet die Tür dann nicht mehr und fährt ohne sie weiter. Man sollte also ein paar Minuten vor der Abfahrtszeit schon an der Bushaltestelle warten.

Welche Fehler werden den von Rollatorfahrern sonst noch gemacht?

Freudenreich: Ein Fehler, der immer wieder gemacht wird: Der Rollator wird in den Bus hineingetragen. Dabei kann man sich gerade dabei verhaken. Man sollte sich vorwärts mit dem Rollator in den Bus bewegen und rückwärts hinaus. Das ist im Grunde so wie bei einer Bürgersteigkante, die überwunden werden muss. Das habe ich schon mehr als 1000 Leuten gezeigt und fast alle sagen: Das ist ja viel einfacher.

Wäre es nicht am einfachsten, wenn es überhaupt keine Trittschwelle gäbe?

Freudenreich: Die VKU hat nur noch Niederflurbusse. Aber die müssen auch mit Hochbordhaltestellen zusammentreffen, damit es keine Stufe beim Ein- und Ausstieg mehr gibt. Das ist aber auch in Holzwickede noch nicht überall der Fall. Die Ausrüstung der Haltestellen ist Sache der Kommunen bzw. der Baulastträger der jeweiligen Straße. Schön wäre es ebenso, wenn es ein Blindenleitsystem gäbe. Dabei gibt es ein sogenanntes Aufmerksamkeitsfeld auf dem Boden, wo Blinde und Sehbehinderte warten, weil genau dort der Einstieg des Busses ist.

Wie können sich Blinde überhaupt bei der VKU zurechtfinden?

Freudenreich: Die heutige Fahrtwind-App ist aus einer ursprünglichen Blinden-App weiterentwickelt worden. Per Voice-over-IP werden dort sämtliche Funktionen vorgeslesen. Man erfährt alle Haltestellen, Buslinien und Verbindungen.

Täuscht der Eindruck oder kommen zur Schulung überwiegend Frauen?

Freudenreich: Das ist tatsächlich so. Frauen sind wahrscheinlich offener dafür, Hilfe anzunehmen. Bei unseren Rollatortagen, wenn wir unterschiedliche Modelle vorstellen, ist das aber schon wieder ganz anders.

JederBus ist ein Schulungsangebot der VKU, das interessierte Gruppen buchen können. Ansprechpartnerin ist Gaby Freudenreich unter Tel. (02307) 209-68 oder E-Mail an gaby.freudenreich@vku-online.de.
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