Ein aktuelles Konzept weist Ideen aus, um den Bahnhof und die angrenzenden Bereiche aufzuwerten. Vor 2021 wird es nicht zu Veränderungen kommen, wie Pläne der Bahn zeigen.

Holzwickede

, 22.10.2019, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Gemeindeverwaltung steht im Zuge eines überplanten Bahnhofsbereichs vor allem ein Durchstich für Fußgänger und Radfahrer unter den Gleisen zwischen Bahnhof- und Stehfenstraße im Fokus.

Zusätzlich sieht das Konzept, das kürzlich im Planungs- und Bauausschuss vorgestellt wurde, auch eine großflächige Bedachung des Wartebereiches, zusätzliche Parkplätze und diverse Maßnahmen für einen barrierefreien Zugang zu den Gleisen auf allen Zuwegen.

Gleisrückbau erfordert noch einen aufwendigen Schritt

Die Hoffnung auf Verwaltungsseite, dass es mit dem seit Jahren in Aussicht gestellten Durchstich nun klappt, liegt darin begründet, dass die Deutsche Bahn an der Grenze Rewe- und Aldisupermarkt zwei Gleise mittlerweile stillgelegt hat. „Physisch sind die Gleise 208 und 209 bereits stillgelegt. Die Oberleitung ist zurückgebaut und die zu den Gleisen führenden Weichen ausgebaut“, sagt eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage.

Aufwändig und noch nicht erfolgt ist jedoch der Rückbau der Signalanlagen. Da der Bahnhof Holzwickede vom elektronischen Stellwerk am Hagener Hauptbahnhof über die Unterzentrale in Schwerte gesteuert wird, müssen in dem Zuge die Stellwerke in Holzwickede, Schwerte und Hagen angepasst werden. „Wegen der erhöhten Komplexität wird von einem Rückbau der Signalanlagen nicht vor Ende 2020 ausgegangen“, so die Bahnsprecherin. So lange verbleiben auch die Gleise noch im Bett.

Vorerst noch keine finanziellen Mittel für das Projekt

Nicht verwunderlich also, dass Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch nach der Vorstellung des Konzeptes zur Bahnhofsumgestaltung schon ankündigte, dass sich im Haushalt für das kommende Jahr keine Mittel für das Projekt berücksichtigt würden.

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Aktuell wäre auch noch völlig unklar, welche Kosten auf die Gemeinde zukommen könnten. Sicher ist: Der geplante Durchstich ist zumindest als eigenes Projekt im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) verankert. Entsprechend wären hier Fördergelder denkbar. Das Projekt läge jedoch gänzlich bei der Gemeinde: „Eine Beteiligung der Bahn ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht angedacht“, macht die zuständige Sprecherin klar.

Holzwickeder Bahnhof: Das sagt die Bahn zum Konzept für die Umgestaltung

Irgendwo in diesem Bereich würde es für Fußgänger und Radfahrer unter Tage gehen, wenn der erhoffte Durchstich gen Bahnhofstraße kommt. © Greis

Weitere Maßnahmen am und rund um den Bahnhof wären davon aber ausgenommen. Vonseiten der Bahn kommt zumindest das Statement, dass man sich einer finanziellen Beteiligung nicht grundsätzlich verschließe, es aber noch zu früh sei, um hier Aussagen zu treffen.

Denkbar wäre eine Zusammenarbeit hier mit dem Zweckverband Westfalen Lippe (NWL), der über ein Förderprogramm bereits die Erstellung des aktuellen Bahnhofskonzeptes anstieß. In mehreren Workshops zur Konzepterstellungen waren zudem auch Vertreter des Flughafens zugegen. Auch hier besteht ein Interesse, den Bahnhof als Mobilitätsdrehkreuz für den Airport entsprechend zu gestalten und sichtbar zu machen.

DB Netz muss Antworten zu benötigten Flächen geben

Neben Finanzierungsfragen stellt sich letztlich auch die nach der Verfügbarkeit von Flächen. Die Gemeinde bräuchte den Streifen, auf dem momentan noch die Gleise 208 und 209 liegen, um den Durchstich und auch weitere Stellplätze zu realisieren.

„Eine Antwort hierauf steht aus. Wir hoffen aber diese bis Ende des Jahres zu bekommen“, sagt Christof Maisenhälder. Er steht in Diensten der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW (BEG), einer Tochter des Landes sowie der Deutschen Bahn AG, die Kommunen bezüglich Bahnliegenschaften berät.

Holzwickeder Bahnhof: Das sagt die Bahn zum Konzept für die Umgestaltung

So ähnlich könnte der Blick auf den Bahnhof von Norden aus einmal sein. Ob die Ideen aus einem entsprechenden Konzept umsetzbar sind, hängt maßgeblich davon ab, ob die DB Netz eigene Liegenschaften abtritt. © REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA

Die Antwort, ob die Flächen abgegeben werden können, muss letztlich die DB Netz AG geben. Vor dem Hintergrund allgemeiner Diskussionen über Gleisstilllegungen und -reaktivierungen der Bahn ist das aber eben ein sensibles Thema für die Bahn.

„Park und Ride ist städtebaulich ein wichtiges Thema. Und wir können verstehen, dass man dem Gewerbe vor Ort nicht entsprechende Arrondierungswünsche stellen kann“, sagt Maisenhälder. Die weiteren Planungen werden an der Entscheidung von DB Netz hängen. „Wir kümmern uns um die Flächenentwicklung und -vermarktung. Das können wir aber nur, wenn die auch verfügbar sind“, so Maisenhälder.

Zur Sache

Stillgelegt und saniert

  • 1,35 Milliarden Euro investiert die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben in 2019 alleine in Nordrhein-Westfalen.
  • Davon fließt gut die Hälfte in das Schienennetz. Seit 2015 hat die Bahn in NRW gut 1200 Schienenkilometer modernisiert.
  • In Nordrhein-Westfalen wurden laut Eisenbahnbundesamt im Gegenzug fast 800 Kilometer an Gleisen stillgelegt. Das jedoch über einen vergleichsweise langen Zeitraum seit 1990.

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