Es gibt sicher schlimmere in NRW, dennoch ist der Holzwickeder Bahnhof kein Vorzeigemodell. Ein neues Konzept soll nun Ausgangspunkt für Veränderungen zum Positiven werden.

Holzwickede

, 10.10.2019, 16:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist vorgesehen, den Tunnel bis zur Stehfenstraße auszubauen und die dort notwendigen Park+Ride-Parkplätze in die Gesamtlösung einzubeziehen.“ Diese Passage stammt aus dem Konzept zur Gestaltung des Bahnhofsumfelds und bezieht sich auf den Durchstich zwischen Bahnhofs- und Stehfenstraße. Ein Konzept, das im Jahr 2000 noch unter Bürgermeister Jenz Rother vorgestellt wurde.

Mit dem Durchstich hat es seitdem immer noch nicht geklappt. Immerhin: 2011 konnte ein zweiter wichtiger Punkt aus dem damaligen Konzept realisiert werden, wurde der geforderter Brückenschlag zwischen Norden und Süden durch die Carolinenbrücke umgesetzt.

Planungsbüro arbeitete Ideen aus Workshops aus

Noch sind es nur Ideen: So könnte der Holzwickeder Bahnhof in einigen Jahren aussehen

Klare Linien, ebenerdige Flächen und sogar Kirschbäume: Sieht nett aus, aber was in einigen Jahren davon wirklich umgesetzt werden kann, ist noch völlig offen. © REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA

Unter der Woche wurden erneut Ideen für ein attraktives Bahnhofsumfeld im Planungs- und Bauausschuss präsentiert. Es ist nicht dasselbe, aber damals wie heute hat das Konzept ein Dortmunder Planungsbüro ausgearbeitet. Die Ideen darin stammen aus fünf Workshops, an denen neben der Gemeinde auch diverse Gesellschaften der Bahn, der Dortmunder Flughafen und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen Lippe (NWL) beteiligt waren.

Der NWL trägt auch die Finanzierung des Konzepts über ein Förderprogramm. „Von daher sprach nichts dagegen, so eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben“, sagt Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch. Er weiß, dass die Idee der Umgestaltung nicht neu ist – aber weil viele Sparten der Deutschen Bahn mitspielen müssen, sind die eben auch schwierig umzusetzen.

Noch sind es nur Ideen: So könnte der Holzwickeder Bahnhof in einigen Jahren aussehen

Zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sieht das Konzept auf der Nordseite vor. © REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA

Durchstich hat für die Gemeinde oberste Priorität

Für die Gemeinde habe auch in dem neuen Konzept der Durchstich für Fußgänger und Radfahrer oberste Priorität – auch wenn der im Papier der Planer erst in einer zweiten Phase umgesetzt werden soll. Geht es nach Konzept würde zunächst einmal der Wartebereich mit einem großflächigen Dach ausgestattet. Unter dem könnten Serviceautomaten Platz finden. Auch ein kleiner Kiosk gehört zu den Gedankenspielen.

Der erhoffte Durchstich würde sich daran anschließen. Was dem Verwaltungsvorstand Hoffnung macht, dass die Verbindung zur Stehfenstraße nach all den Jahren endlich umgesetzt werden könnte: Die Bahn hat den Rückbau der Gleise 208 und 209 angekündigt. Dadurch würden Flächen frei, die die Gemeinde übernehmen könnte. „Das ist etwas, was zuvor nicht zu erwarten war. Der Durchstich ist für uns das A und O. Das muss passieren“, sagt Uwe Nettlenbusch.

Noch sind es nur Ideen: So könnte der Holzwickeder Bahnhof in einigen Jahren aussehen

Der Bahnhof Holzwickede und das Gewerbegebiet Nordstraße am Dortmunder Flughafen an der B1 und Holzwickeder Chaussee aus der Luft. © REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA

Keine finanziellen Mittel für Bahnhofsumgestaltung in 2020

Der Dämpfer: Noch gibt es keinerlei Aussagen seitens der Bahn, wann die Gleise zurückgebaut werden. Für den Holzwickeder Bauamtsleiter ist deshalb auch klar: „Wir werden für 2020 noch keine Mittel hierfür in den Haushalt einstellen.“ Bietet das Konzept in den weiteren Planungsphasen zwar viele schöne Ideen, beispielsweise

  • zusätzliche Park+Ride-Parkplätze auf der Nordseite;
  • eine zusätzliche Radstation mit Haltestelle für den Nahverkehr an der Bahnhofstraße;
  • Stellplätze für Räder auf der Nordseite und damit zusammen mit der bestehenden Fahrradbox dann drei Möglichkeiten, das Rad zu parken;
  • einheitliche Beschilderung, die den Flughafen integriert;
  • Aufwertung von Zwischenflächen durch Baumpflanzungen, Brunnen oder Pflanzbeet und ein klarer Verweis auf den Emscherradweg an der südlichen Radstation;

wann und wie das umgesetzt wird, ist aber noch völlig offen. Im Zuge der Umgestaltung würde sich in jedem Fall die Barrierefreiheit verbessern, bemängeln die Planer doch die vielen Höhenvorsprünge im Wartebereich. Würden Radstation und Haltestelle an der Bahnhofstraße nach Konzept umgesetzt, fielen hier wiederum 30 von aktuell 75 Autoparkplätzen weg.

Im Gegenzug würden auf der Nordseite wiederum 75 Stellplätze entstehen – macht insgesamt 120 Stellplätze. Die Planer sehen im Süden zudem weiteres Park+Ride-Potenzial im Bereich des Norma-Supermarktes.

Noch sind es nur Ideen: So könnte der Holzwickeder Bahnhof in einigen Jahren aussehen

Eine Radstation mit Haltestelle im Süden, neue Überdachung und den lange geforderten Durchstich sieht das neue Konzept unter anderem vor. © REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA

Das Ziel des Konzeptes ist nicht weniger, den Bahnhof so herzurichten, „dass er als mobiles Drehkreuz zur Visitenkarte für Holzwickede wird“, sagt Anne Heidorn vom zuständigen Planungsbüro Reicher Haase.

Was Finanzierung, Zeitplan und konkrete Maßnahmen angeht, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage treffen. Im Ausschuss verwies der Erste Beigeordnete Bernd Kasischke darauf, dass zumindest der Durchstich als ISEK-Maßnahme förderfähig sei. Für die Finanzierung weiterer Maßnahmen gelte es, mit den Beteiligten zusätzliche Fördermöglichkeiten auszuloten.

Unterführung Nordstraße wird nicht berücksichtigt

Nicht berücksichtigt wurde im Konzept übrigens eine Aufwertung der Bahnunterführung Nordstraße. Laut Planerin Heidorn habe die Bahn hier klar gemacht, dass das zu aufwendig sei. Im Konzept aus dem Jahr 2000 wurde einst eine grobe Kostenschätzung abgeben: Um das „dunkle Loch“ baulich aufzuwerten, wären demnach 10 bis 15 Millionen notwendig. D-Mark wohlgemerkt.

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