Mehr Europa wagen: Aydaco AG wendet sich der Zukunft zu

dzClara-Schumann-Gymnasium

Für anderthalb Jahre war für die Aydaco AG die NS-Zeit das absolut prägende Thema. Seit Beginn des neuen Schuljahres feilt sie an ihrer neuen Ausrichtung. Fest steht: Es bleibt politisch.

Holzwickede

, 12.11.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2003 gibt es die Aydaco AG am Clara-Schumann-Gymnasium (CSG) schon. Für die Leiterin Zuhrah Roshan-Appel, die an der Schule eigentlich als Sozialpädagogin tätig ist, ist die AG inzwischen gewissermaßen das „Herzstück“ ihrer Arbeit geworden, wie sie bei einem Treffen mit dieser Redaktion erzählt.

Mit diesem Schuljahr wird sich die inhaltliche Ausrichtung der AG ändern. Nicht nur, aber auch weil einstige Mitglieder mittlerweile ihr Abitur abgelegt haben. Nun rücken jüngere Mitglieder nach und die sollen auch bestimmen, wie man sich engagieren möchte.

„Ich bin sehr froh, dass die Schüler den Wunsch geäußert haben, den Blick mehr auf die Zukunft zu richten“, sagte Roshan-Appel. Im Zentrum der Aydaco-Aktivitäten steht nämlich vorläufig nicht wie zuletzt die NS-Zeit mit ihren Opfern, sondern vielmehr das Thema Europa.

Mehr Europa wagen: Aydaco AG wendet sich der Zukunft zu

Bei einem Treffen am Dienstag stellten die vier Aydaco-Schüler (von links nach rechts) Knut Holtkamp, Lejla Alikadic, Ana Niederstadt und Finja Lügger gemeinsam mit Leiterin Zuhrah Roshan-Appel die inhaltliche Ausrichtung der AG vor. © Carlo Czichowski

Aydaco AG bleibt hochpolitisch

Eines ist aber ganz sicher: Es bleibt hochpolitisch. Vom Thema Rassismus wird sich die Arbeitsgruppe natürlich nicht trennen. Es soll künftig unter anderem um politische Veränderungen in Europa gehen: Erstarken von Rechtspopulisten, aber auch der Brexit oder die kritische Haltung zur gemeinsamen Währung.

All das seien Dinge, mit denen sich die AG im kommenden Jahr beschäftigen könnte, sagt Roshan-Appel.

Das entscheidet sie aber nicht allein. Im Gegenteil: Die 15 Aydaco-Schüler geben in der AG die Richtung vor, Roshan-Appel unterstützt sie dann bei ihren Vorhaben. „Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten“, sagt sie.

CSG-Schüler wollen gestalten

Das ist im Grunde das, was die Schüler an der AG am meisten fasziniert. Sie haben die Möglichkeit, etwas zu gestalten. Die meisten von ihnen sind politisch interessiert. Im Kontrast zu politischen Debatten auf dem Schulhof oder im Privatleben bekommen sie in der AG eine eigene Plattform.

Gegen Rassismus

Die Aydaco AG

  • Gegründet wurde die AG 2003 unter dem Namen Antifa AG. In der Folge sprachen sich aber mehrere Mitglieder gegen diesen Namen aus, sodass er in Aydaco geändert wurde. Aydaco bedeutet in der Plansprache Esperanto Mut.
  • Seit 2004 wird sie von der Sozialpädagogin Zuhrah Roshan-Appel geleitet. Momentan zählt sie 15 Mitglieder. Nachdem mehrere engagierte Schüler sie wegen nach dem Abitur verlassen haben, sind nun einige neue dazugestoßen. Zum neuen Schuljahr fasste die personell neu aufgestellte Aydaco AG den Entschluss, sich auch inhaltlich neu ausrichten zu wollen.
  • Im kommenden Jahr wird sie sich vor allem dem Thema Europa widmen. Geplant sind mehrere Veranstaltungen. Aktuell planen die Schüler und Roshan-Appel gemeinsam, worum es dabei konkret gehen soll.

Durch das bundesweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ konnte Roshan-Appel Diskussionsrunden und Informationsabende auf die Beine stellen, bei denen teils prominente Redner gewonnen werden konnten.

„Ermöglicht uns völlig neue Diskussionsebene“

Zu ihnen zählt auch der Journalist Olaf Sundermeyer, der sich vorwiegend mit den Themen Extremismus beschäftigt. Für die politisch interessierten Schüler eine Begegnung der besonderen Art: „So etwas ermöglicht uns eine völlig neue Diskussionsebene“, erklärt Ana Niederstadt, Schülerin der Q2 und Aydaco-Mitglied.

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Sie und ihre Mitstreiter schätzen an der AG vor allem, dass ihre Meinung dort gehört wird. Aber nicht nur: Sie sehen sich gewissermaßen als Vorbild in der Rassismusbekämpfung. Nicht nur am CSG, sondern auch in der gesamten Gesellschaft. „Es gibt noch immer Alltagsrassismus, dem man sich entgegenstellen muss“, fordert Niederstadt und Roshan-Appel pflichtet ihr bei: „Unser Ziel ist eine mutige Gesellschaft.“

Schicksale von NS-Opfern vorgetragen

In den vergangenen zwei Jahren hat die AG deshalb zum Beispiel eng mit der VHS-Gruppe „Spurensuche NS-Opfer“ zusammengearbeitet. Auf Gedenkveranstaltungen traten sie bewusst in den Vordergrund, haben nach der Auffassung von VHS-Gruppenleiter Wilhelm Hochgräber sogar „eine völlig neue Gedenkkultur“ geschaffen, indem sie in die Rolle von konkreten Opfern schlüpften und deren Schicksale vortrugen.

Mehr Europa wagen: Aydaco AG wendet sich der Zukunft zu

Mitglieder der Aydaco-AG des CSG (links in der ersten Reihe sitzend) trugen im Spiegelsaal auf Haus Opherdicke im Rahmen der letzten Stolpersteinverlegung im Februar 2019 Lebensläufe von NS-Opfern vor. © Borys Sarad

Für Hochgräber etwas, das ihm durchaus fehlen wird: „Ich bedauere, dass sie sich in diesem Maße nicht mehr beteiligen werden, kann aber gut verstehen, dass sie sich irgendwann etwas Neuem zuwenden möchten.“ Ganz wird sich die Aydaco AG aber nicht von solchen Veranstaltungen zurückziehen, sondern lediglich etwas kürzer treten, wie Roshan-Appel verrät. Der Fokus wird aber auf das Thema Europa gerichtet sein.

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