Nach einem Treffen im Bauamt hat sich ein Holzwickeder Grünen-Politiker, der sich dort bedrängt fühlte, zurückgezogen. Die Fraktionen sind bei der Beurteilung des Gesprächs unsicher.

Holzwickede

, 28.10.2020, 19:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Grünen ist es aus personeller Sicht ein Rückschlag: Nach dem Streit zwischen Rolf Rehling auf der einen, dem Bauamt und einem kooperierenden Unternehmen auf der anderen Seite, tappen Unbeteiligte bezüglich der wirklichen Umstände des Gesprächs im Dunkeln.

Fakt ist: Rehling, sachkundiger Bürger, wurde nach seiner heftigen Kritik im Planungs- und Bauausschuss gegenüber einer Firma, die ein millionenschweres Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) entworfen hat, ins Bauamt geladen. Dort, so berichtet es jedenfalls der zuständige Fachbereichsleiter Uwe Nettlenbusch, habe man die Probleme aus dem Weg schaffen wollen.

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Einschüchterungsversuch? Sachkundiger Bürger fühlte sich von Unternehmer bedrängt

Rehling und Parteikollegin Susanne Werbinsky, die ihn zum folgenreichen Treffen begleitet hat, geben die Geschehnisse ganz anders wider: Durch das Verhalten der anderen Seite, vor allem von Vertretern der Fachfirma, sei die Situation noch schlimmer geworden. Von einem Einschüchterungsversuch war unter anderem die Rede.

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Die Grünen müssen jetzt auf jeden Fall auf Rolf Rehling als sachkundigen Bürger verzichten. Personell und auch menschlich, so erläutern der noch amtierende Fraktionschef der Grünen, Friedhelm Klemp, und Werbinsky, die ihn bald in dieser Funktion ablösen wird, wird Rehling der Fraktion fehlen. Das Verhältnis der Grünen zur Gemeindeverwaltung scheint wenige Wochen nach der Kommunalwahl ein wenig beschädigt.

Ist unglücklich über den Ausgang des Gesprächs zwischen seinem Parteikollegen Rolf Rehling und dem Bauamt: Friedhelm Klemp (Bündnis90/Die Grünen).

Ist unglücklich über den Ausgang des Gesprächs zwischen seinem Parteikollegen Rolf Rehling und dem Bauamt: Friedhelm Klemp (Bündnis90/Die Grünen). © Grüne

Dritte können über den Verlauf des Gesprächs nur spekulieren

Ganz unproblematisch ist die Einordnung des Sachverhaltes nicht. Bei den sehr unterschiedlichen Angaben der beiden Konfliktparteien können Dritte über die Atmosphäre und den Verlauf des Gesprächs nur spekulieren.

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So geht es nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch den übrigen Kommunalpolitikern in Holzwickede. Sie äußern sich auf Nachfrage zu dem komplizierten Sachverhalt, der sich längst nicht mehr nur um Inhalte dreht.

Michael Klimziak (SPD).

Michael Klimziak (SPD). © Archiv

Die SPD-Fraktion bedauert den Rückzug, bleibt im Streit aber neutral

SPD-Fraktionschef Michael Klimziak: „Ich möchte mich eigentlich zu dem Sachverhalt gar nicht äußern, weil ich bei dem Gespräch nicht dabei war. Herr Rehling ist ein regelrechter Fachmann, war ja selbst in diesem Bereich selbstständig. Ich schätze ihn und seinen Sachverstand sehr. Ich finde es sehr schade, dass er jetzt als Sachkundiger Bürger nicht mehr weitermachen möchte, weil er ein sehr wertvoller Teil der Ausschusslandschaft ist.“

Frank Lausmann (CDU).

Frank Lausmann (CDU). © Sabrina Zeuge

Aussage gegen Aussage: Die CDU hofft auf eine Versöhnung

CDU-Chef Frank Lausmann: „Ich schätze Rolf Rehling als Person und vom Fachwissen her sehr. Deswegen ist es ein großer Verlust für die Lokalpolitik, wenn er sich zum Rückzug entscheidet. Da steht jetzt Aussage gegen Aussage – wenn das so ist, dann muss ein Disput aber auch ausgeräumt werden können. Aus Erfahrung kann ich sagen: Setzt euch an einen Tisch und klärt den Disput. Denn es wäre schade, deswegen einen Sachkundigen Bürger mit Expertise zu verlieren.“

Wilfried Brinkmann (BBL).

Wilfried Brinkmann (BBL). © BBL

Bürgerblock: Nicht alles kann man im Ausschuss ausdiskutieren

Wilfried Brinkmann, Vorsitzender des Planungs- und Bauausschusse (BBL): „Ich war bezüglich der großen Unterschiede bei der Betrachtung des Treffens überrascht. Der Streit über die Kritik ist nichts, was man in einem Ausschuss ausdiskutieren kann. Die Fachfirma hat sich ja nach der Kritik auch nicht mehr geäußert. Ich würde es bedauern, wenn er wirklich ausscheiden würde. Ich finde es großartig, wenn Leute Fachwissen in einen Ausschuss einbringen können.“

Lars Berger (FDP)

Lars Berger (FDP) © Privat

FDP-Chef: Wer austeilt, muss auch einstecken können

FDP-Chef Lars Berger: „Grundsätzlich ist es immer ärgerlich, wenn Ehrenamtliche ihre Tätigkeit aufgeben. Wenn eine Beziehung kaputt geht – man kann das vielleicht etwas vergleichen – dann gehören immer zwei dazu. Wer austeilt, der muss meiner Auffassung nach auch einstecken können. Ich traue Uwe Nettlenbusch (Bauamtsleiter der Gemeinde Holzwickede, Anmerkung der Redaktion) außerdem genug Verhandlungsgeschick und Feingefühl zu, dass er einen sachkundigen Bürger mit so einem Verhalten nicht verprellen würde.“

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