Die Klassen-Container auf dem Schulhof verdeutlichen das Raumproblem am CSG. Der Umfang und die Kosten eines geplanten Anbaus dürften auch von der Zügigkeit der Schule abhängig sein. © Udo Hennes
Clara-Schumann-Gymnasium

Ausgerechnet Corona ist die letzte Hoffnung auf vier Eingangsklassen am Gymnasium

Schulträger und Gymnasium wünschen sich die Vierzügigkeit. Die Bezirksregierung Arnsberg sieht das anders. Nun könnten die Corona-Umstände zumindest kurzfristig für vier Eingangsklassen sorgen.

Mitte August enden dieses Jahr die Sommerferien und startet das Schuljahr 2021/22. Normalerweise hätten Eltern vom 22. bis 26. Februar den Gang zum Schulzentrum angetreten und ihre Kinder vor Ort angemeldet. Corona sorgte dieses Jahr dafür, dass die Anmeldungen am CSG postalisch erfolgten.

Wie viele Anmeldungen in der Vorwoche genau eingegangen sind: derzeit unklar. Die Prognosen gingen von 101 Kindern aus, darunter 71 aus Holzwickede. Auf Anfrage verweist der Erste Beigeordnete der Gemeinde, Bernd Kasischke, für eine genaue Zahl an die Schule. Hier wiederum möchte sich Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann vorerst nicht zu Zahlen äußern.

„Wegen der Corona-Situation wurde das Anmeldeverfahren durch die Bezirksregierung bis 19. März verlängert. Es könnten also noch Anmeldungen eingehen, die berücksichtigt werden müssen“, sagt die Schulleiterin. Und da seitens der Bezirksregierung das Verfahren zur künftigen Zügigkeit des Gymnasiums wohl ebenfalls bis 19. März läuft, wolle sie sich dazu momentan nicht äußern.

Zweieinhalb Wochen für vier Eingangsklassen kämpfen

„Es bringt einfach nichts, sich jetzt verrückt zu machen. Die Entscheidungen brauchen ihre Zeit. Mir ist nur wichtig, dass sie zum Wohle der Kinder, Eltern und der Schule fallen“, so Helmig-Neumann. Auf den Entscheidungsprozess in Arnsberg einwirken, das will in jedem Fall der Schulträger. Am Montagabend lud die Verwaltung diesbezüglich zu einem interfraktionellen Treffen.

Konsens dabei laut Kasischke: „Wir wollen in den nächsten zweieinhalb Wochen gemeinsam alle Hebel in Bewegung setzen, die Vierzügigkeit zu erhalten.“ In den vergangenen zwei Jahren war das Clara-Schumann-Gymnasium per Sondergenehmigung stets mit vier Eingangsklassen ins neue Schuljahr gestartet. Das war vor allem dem Umstand geschuldet, dass das CSG im Gegensatz zu den meisten Gymnasien in NRW seit 2019/20 weiterhin dem Gemeinsamen Lernen verpflichtet ist, also auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf beschult werden.

Corona-Virus könnte letztlich für mehr Fünftklässler sorgen

Diesen Umstand wolle man laut Kasischke „bis zu den höchsten Stellen“ geltend machen, um kurzfristig zumindest für das anstehende Schuljahr nochmals eine Ausnahmegenehmigung für vier Eingangsklassen zu bekommen. Und auch die Corona-Pandemie könnte diesbezüglich helfen: Das Schulministerium will das freiwillige Wiederholen einer Klassenstufe ermöglichen, ohne ein zusätzliches Jahr auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule anzurechnen.

Die Gemeinde erwartet, dass die Zahl der Eltern-Taxis wegen der Corona-Pandemie nicht spürbar steigen wird. Ein erheblicher Teil der Schüler dürfte weiterhin mit dem Schulbus (Bild), per Rad oder zu Fuß zur Schule kommen. © Greis © Greis

Um bei den künftigen Fünftklässlern am CSG zu bleiben: Es könnte also über den Sommer passieren, dass die Eingangsklassen noch Zuwachs aus den aktuellen 5. Klassen bekommen.

Zahl der Anmeldungen liegt aktuell unter der Prognose

Komplex macht die Entscheidung zur Zügigkeit aber eben auch das Gemeinsame Lernen, denn die Zahl der Kinder mit Förderbedarf beeinflusst die Klassengrößen. Theoretisch ist eine Dreizügigkeit mit bis zu 93 Kindern möglich. Die Zahl schrumpft aber auf bis zu 81, wenn eine entsprechende Anzahl von Kindern mit körperlichen und geistigen Einschränkungen berücksichtigt werden muss.

Nach Informationen dieser Redaktion erreicht man die prognostizierten 101 Schüler derzeit nicht. Zu berücksichtigen sind demnach eher 90 Kinder, rund drei Viertel davon leben in der Gemeinde. Unklar ist derzeit, wie viele künftige Fünftklässler einen Förderbedarf aufweisen.

In jedem Fall wird man sich im kommenden Hauptausschuss am 18. März auch darauf vorbereiten, dass die Bezirksregierung eine weitere Ausnahmegenehmigung für vier Eingangsklassen ablehnt. Die Ratsfraktionen werden dann aller Voraussicht kurzfristig beschließen, dass Kinder aus Holzwickede bei der Schulplatzvergabe bevorzugt behandelt werden.

Zeitpunkt für Aufnahmebescheid derzeit offen

„Mittelfristig werden wir uns dann mit der Idee einer Schulvereinbarung mit Dortmund befassen müssen“, sagt Kasischke. Das wiederum könnte insbesondere die Schüleraufnahme aus den Randbezirken der Nachbarstadt regeln.

Wann Eltern letztlich mit einem Bescheid über die Aufnahme ihrer Kinder am CSG rechnen können? „Ganz ehrlich: Ich kann es momentan nicht sagen. Das ist letztlich von den Entscheidungen in Arnsberg abhängig“, sagt Schulleiterin Helmig-Neumann.

Viel Platz für einen Anbau gibt es am Schulzentrum nicht in alle Richtungen: Eine geeignete Fläche könnte auf der südlichen Seite hinter dem CSG-Gebäude (Bildmitte) liegen. © Hans Blossey © Hans Blossey

Selbst wenn dem CSG fürs kommende Schuljahr ausnahmsweise nochmals vier Eingangsklassen gewährt werden sollten: Die für die Zügigkeit relevante Zahl der Holzwickeder Kinder spricht auch in den kommenden Jahren für drei Klassen. Momentan bilden lediglich die Jahrgänge 5, 6 und 9 vier Klassen.

Unmut über falsche Berechnungsgrundlage

Warum die Gemeinde beim kürzlichen Antrag auf Vierzügigkeit auch potenzielle Schüler aus dem Umland einrechnete, begründet Bernd Kasischke mit dem gutachterlichen Schulentwicklungsplan, der auch auswärtige Kinder einrechnet. Und auch mit dem Umstand, dass das „entsprechende Schulgesetz diese Anforderung etwas verklausuliert“ darlege.

Weil man eben zuletzt zwei Mal in Folge per Sondergenehmigung ohne Anmerkungen mit vier 5. Klassen am CSG ins Schuljahr starten durfte, habe man denn auch vorab die Bezirksregierung nicht kontaktiert und ist davon ausgegangen, dass die eigenen Berechnungen stimmen.

Dem Vernehmen nach ein Versäumnis, dass innerhalb der Fraktionen am Montagabend durchaus für Unmutsäußerungen gesorgt hat. Das ist nachvollziehbar: Von der künftigen Zügigkeit ist auch abhängig, wie sich ein geplanter Anbau für das CSG gestaltet. Und den wird man wohl gänzlich aus Eigenmitteln finanzieren müssen.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis
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