Die Weihnachtszeit ist für Seniorenheime eine Herausforderung. Mit weniger Personal wollen beide Holzwickeder Häuser den Bewohnern besinnliche Tage schenken und allen gerecht werden.

Holzwickede

, 21.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Weihnachten und auch Neujahr bedeuten für das Perthes-Haus und das Seniorenhaus Neue Caroline im Prinzip: zwei zusätzliche Wochenenden, die sich an die eigentlichen Wochenenden anschließen. „Wir haben dann wie sonst auch an den Wochenenden in halben Schichten“, sagt Bernhard Pendzialek, Leiter des Perthes-Hauses. Zusätzliche Dienste würden zudem vergütet und mit freien Tagen abgegolten, aber Pendzialek sagt auch: „Natürlich ist die Belastung für die Mitarbeiter in dieser Zeit höher. Zum pflegerischen Bedarf kommt ja auch noch der emotionale.“

Die beiden Einrichtungen achten bei der Planung auf die Wünsche ihrer Belegschaft. „Wir haben eine Liste, in die vorab alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eintragen, ob sie lieber Weihnachten oder Silvester arbeiten möchten“, sagt Martina Gehring, Leiterin Neue Caroline. Wie überall, wo über Feiertage gearbeitet wird, ist aber auch hier klar, dass Mitarbeiter Zugeständnisse machen müssen.

Viel Programm in der Adventszeit bedeutet Mehrarbeit

Für Bewohner in den Seniorenhäusern beginnt die Weihnachtszeit auch nicht erst mit Heiligabend. „Adventsfenster, Nikolausfeier, Weihnachtsfeier – das bedeutet natürlich immer zusätzliche Arbeit durch die vielen Vorbereitungen“, sagt Gehring. Hier möchte man den Bewohner im Advent ein entsprechendes Programm bieten, dafür wird es in der Neuen Caroline an den eigentlichen Weihnachtstagen ruhiger. „Wir veranstalten an Heiligabend einen Weihnachtsbrunch mit den Bewohnern, am Abend gibt es dann Kartoffelsalat und Würstchen“, sagt die Leiterin. Gänsebrust, Rotkohl, Klöße oder Lachs sowie Entenkeule oder Wildgulasch folgen an den beiden Feiertagen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag findet dann eine Weihnachtsmesse um 10 Uhr mit Pastor i.R. Josef Eickhoff statt.

Davon ab möchte man den Bewohnern auch Zeit und Muße einräumen, um Besuch zu empfangen. Obschon Martina Gehring festgestellt hat: „Früher hatten wir mehr Besuch zu Weihnachten. Das hat abgenommen.“ Bernhard Pendzialek hat indes eine andere Wahrnehmung. „Ich empfinde die Besucherzahlen grundsätzlich als hoch. Nicht nur aber besonders an Weihnachten. Manche Bewohner werden dann nach Hause geholt, teils auch über Nacht. Obwohl das seltener geworden ist.“

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Um Senioren, bei denen über die Festtage kein Besuch ansteht, kümmern sich die Kräfte des Sozialen Dienstes in beiden Einrichtungen. „Die fangen das auf, damit niemand alleine sein muss“, sagt Pendzialek. Der Einrichtungsleiter wird im Perthes-Haus über Weihnachten auch selbst aktiv, übernimmt am ersten Weihnachtsfeiertag um 10 Uhr den evangelischen Gottesdienst. Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff und Gemeindereferent Bernhard Rath gestalten zudem an Heiligabend die ökumenische Christvesper vor Ort ab 14.30 Uhr. Bei den Gottesdiensten wird auf eine verkürzte Liturgie geachtet, um die Aufmerksamkeitsspanne nicht auszureizen. Für Bernhard Pendzialek braucht es hier einen guten Mix: „Es kommen auch Gäste aus der Nachbarschaft, aber natürlich müssen wir auf bekannte Lieder und Texte achten, damit sich auch demente Menschen wiederfinden und folgen können.“

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An Heiligabend folgt nach der Christvesper eine kleine Weihnachtsfeier, werden Geschenke verteilt und besuchen Pendzialek und das Leitungsteam die Bewohner, die nicht mehr mobil sind. Aus kulinarischer Sicht wird im Perthes-Haus eine Lachs- und Forellenplatte gereicht. An den Folgetagen gibt es Sauerbraten, Rotkohl, selbstgemachte Klöße und ein Wildgericht. „Die Klöße kann ich nur empfehlen“, sagt Pendzialek. Zudem sind am ersten Weihnachtsfeiertag die Bewohner auch eingeladen mit den Mitarbeitern Eiserkuchen zu backen.

Unterstützung bekommen die Mitarbeiter in Perthes-Haus und Neue Caroline auch von ehrenamtlichen Kräften. „Wir haben eine langjährige Helferin für unsere Caféteria, die sich sehr um die Bewohner kümmert. Insgesamt haben wir mehr als 40 Ehrenamtler“, nennt Pendzialek eine stolze Zahl. Martina Gehring stehen aktuell sechs ehrenamtliche Kräfte zur Verfügung, die sich mit den Bewohnern beschäftigen und helfen.

Auch ohne Besuch soll kein Bewohner alleine bleiben müssen

Einrichtungsleiterin Martina Gehring freut sich über eine zweite Krippe für das Seniorenhaus Neue Caroline, dass von einem privaten Spender kam. © UDO HENNES

Im Perthes-Haus endet Weihnachten übrigens nicht mit dem 26. Dezember: Einen Tag nach Weihnachten treffen sich die Bewohner an der hauseigenen Krippe und singen gemeinsam Weihnachtslieder. Begleitet werden sie dabei von Meinolf Nies am Klavier. Die Krippe ist auch im Seniorenhaus Neue Caroline wichtiges Element. In diesem Jahr freut sich Martina Gehring gar über eine zweite, die von einem privaten Spender kommt. „Da hatte die Familie angefragt, ob das gewünscht sei. Die kamen dann persönlich vorbei. Das fanden wir ganz toll. Zumal wir von der Familie auch schon mal einen Weihnachtsstern bekommen haben“, sagt Gehring. Neben der Krippe im Café gibt es jetzt noch eine zweite im Wohnbereich.

Bei aller Weihnachtlichkeit stellt sich aber auch die Frage, wie mit Menschen umgegangen wird, die das Fest ablehnen. Schließlich wohnen in einem Seniorenheim viele Charaktere auf vergleichsweise engem Raum. Da muss es doch auch Weihnachts-Verweigerer geben. „Mir ist kein Verweigerer bekannt. Aber auch das würden wir akzeptieren. Wir drängen uns nicht auf“, sagt Bernhard Pendzialek.

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