Dr. Christian Plattner betreibt zwei Diamorphinambulanzen in Düsseldorf und Wuppertal. Eine dritte soll dieses Jahr in Holzwickede hinzukommen. © Greis
Diamorphinambulanz

Arzt reagiert auf Kritik an Heroin-Patienten: „Immer der gleiche Mist“

Nachdem er öffentlich mit Vorwürfen konfrontiert wurde, geht Dr. Christian Plattner aus der Holzwickeder Diamorphinambulanz in die Offensive – und wirft den Kritikern Ignoranz vor.

Der Arzt Dr. Christian Plattner, der die Diamorphinambulanz im Holzwickeder Norden betreibt, will die jüngst geäußerte Kritik am Verhalten seiner Patienten so nicht stehen lassen. Nach dem klärenden Gespräch mit der Gemeindeverwaltung, die das Verhalten seiner Drogenpatienten stellvertretend für betroffene Bürger kritisiert hat, erklärt er nun die Perspektive aus Sicht des Praxisteams.

Die Meldungen von mutmaßlichen Belästigungen durch seine Patienten sind aus seiner Sicht lediglich eine Seite der Medaille. Die Vorwürfe müsse man in Relation setzen: „Für die Masse der Leute, die wir behandeln, sind die Fälle verschwindend“, sagt er. Er sieht seine Patienten in der Gesamtheit nach wie vor einer starken Stigmatisierung durch die Anwohner im Holzwickeder Norden ausgesetzt.

„Wir haben es hier mit schwerkranken Menschen zu tun“

„Aus unserer Sicht, wir sind ja an mehreren Standorten mit Suchtpatienten beschäftigt, läuft es hier zufriedenstellend. Das Hintergrundrauschen, das mit so einer Ambulanz einhergeht, war völlig vorhersehbar“, so Plattner. Wenn er die Situation mit anderen Städten vergleiche, in denen er aktiv ist, so sei die Situation dort um einiges kritischer. Es sei keine Masse der Patienten, die sich daneben benehmen würde.

Hinzu komme die Tatsache, dass auch aus Sicht seiner Patienten der Umgang einiger Holzwickeder nicht gerade freundlich zu bezeichnen ist: „Wenn sich Holzwickeder schon über das Aussehen von Menschen beschweren, weil ihnen der Kleidungsstil nicht passt, oder sie gar den Bürgersteig nicht mit ihnen teilen wollen, dann sagt das aus meiner Sicht schon einiges aus“, findet der Arzt. Dieses Verhalten offenbare kein gutes Menschenbild: „Wir haben es hier mit schwerkranken Menschen zu tun“.

Falsche Annahmen könnten auch möglich sein

Er sieht bei manchen Anwohnern im Norden der Gemeinde in Sachen Toleranz Nachholbedarf: „Es sind immer die gleichen Ewiggestrigen, die sich beschweren. Es ist immer der gleiche Mist.“ Für Plattner ist es eine Frage der Perspektive: „Und jeder sieht immer nur seine eigene. Das wird sich auch nicht ändern“.

Dass es vereinzelt zu Zwischenfällen gekommen ist, möchte er nicht leugnen, hält aber in manchen Fällen auch falsche Annahmen für möglich. Es sei nicht verboten, sich an einer Bushaltestelle aufzuhalten und sich eine Zigarette zu drehen. „Ne Zigarette zu drehen wird teilweise als Joint empfunden“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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