Arzt nach Coronavirus-Video: „Wenn Zahlen massiv steigen, wird es schwierig bis unmöglich“

dzHausarzt aus Holzwickede

Vor einer Woche ging ein Video von Hausarzt Dr. Udo Pappert im Internet viral, in dem er die mangelnde Vorbereitung auf die Coronavirus-Pandemie kritisierte. Heute beurteilt er die Lage ganz anders.

Holzwickede

, 06.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus bundesweit in den vergangenen Tagen auf mehr als 500 Fälle gestiegen ist, sieht sich ein Hausarzt aus Holzwickede in seinen Vermutungen immer mehr bestätigt. Sein Vorwurf: Deutschland war auf das Coronavirus nicht richtig vorbereitet.

Auch eine Woche nach der unfreiwilligen Veröffentlichung seines Videos ist ihm der Ärger über die Engpässe von Hygieneartikeln, die er noch im Februar hatte, anzumerken. Inzwischen hat sich die Lage bei ihm verändert. Seine Praxis ist wieder bestens versorgt. Möglicherweise auch dank seines viel beachteten Videos.

Holzwickeder Arzt hat vergeblich versucht, Desinfektionsmittel zu bestellen

Zur Erinnerung: Am Mittwoch vor einer Woche hatte er vergeblich versucht, Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken zu bestellen. Bei acht Großhändlern bekam er eine Absage. Seine emotionale Ansprache, die auf Umwegen im Sozialen Netzwerk Facebook landete, schloss er mit der Warnung, dass er seine Praxis schließen müsse, sofern er keine Unterstützung bekommen würde.

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Das Problem war seiner Auffassung nach die Tatsache, dass Politik und Gesundheitsbehörden nur „von oben nach unten“ gedacht hätten: „Auf dem Papier war Deutschland durchaus auf das Coronavirus vorbereitet. Die Politik hat daher gedacht: Wir haben Top-Uni-Kliniken und Top-Krankenhäuser, Corona kann also kommen“.

Das war aber offensichtlich nicht der Fall. Ursprünglich sei man davon ausgegangen, dass die Gesundheitsämter und Kliniken einen Großteil der anfallenden Arbeit auffangen würden. In der Realität habe das aber völlig anders ausgesehen. Die Gesundheitsämter seien überlastet und „nur 15 bis 20 Prozent der Patienten gehen ins Krankenhaus“, sagt Pappert. Der Rest habe sich auf die Hausärzte verlassen.

Coronavirus: Inzwischen sind positive Veränderungen spürbar

Politikern wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem Robert-Koch-Institut wirft er vor, dass sie längst nicht alle Vorkehrungen getroffen haben, die für die Arztpraxen in den Kommunen nötig gewesen wären. „Es hat mich einfach geärgert, dass sie sich dann hinstellen und sagen, dass Deutschland gut vorbereitet ist“, sagt Pappert.

Zur Sache

Hygiene-Regeln in der Grippe-Zeit

  • Um sich vor dem Coronavirus – und auch gegen viele weitere Krankheiten in der Grippe-Zeit – zu schützen, gibt es einige Regeln, die man dringend beachten sollte.
  • Zum einen sollten sich alle Menschen regelmäßig und gründlich die Hände waschen. Wer es vorrätig hat, soll sich die Hände zudem mit einem Desinfektionsmittel einreiben.
  • Dr. Udo Pappert empfiehlt außerdem, in nächster Zeit Menschenansammlungen zu vermeiden und grundsätzlich zwei Meter Abstand zu halten.

Jetzt, so erklärt der Allgemeinmediziner mit Praxis am Markt, habe langsam ein Umdenken stattgefunden. „Erst in dieser Woche waren positive Veränderungen spürbar“, erzählt er.

Zu Beginn der Woche habe er mehrere Unterlagen mit Vorschriften zugesendet bekommen. Einen Pandemie-Plan, Desinfektionsrichtlinien und Informationen zum Infektionsschutzgesetz: All das seien Dinge, die er schon vor Wochen in seiner Praxis benötigt hätte.

Im Video machte er schließlich seinem Ärger Luft. Zahlreiche Besuche von Fernseh-, Rundfunk- und sonstigen Presse-Anstalten später fühlt er sich darin bestätigt, dass es sinnvoll war, auf die Missstände hinzuweisen. „Ich habe viel Zuspruch bekommen, von Ärzten und auch Krankenschwestern“, sagt er.

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Kein Grund zur Panik vor dem Coronavirus

Wichtig ist ihm bei der ganzen Diskussion aber noch einmal darauf hinzuweisen, dass es keinen Grund zur Panik gebe. Jeder Mensch sei in der Verantwortung sich an die Hygiene-Regeln zu halten. Von der Politk wünscht er sich, dass der Trend aus dieser Woche beibehalten wird. „Inzwischen ist überall eine erhöhte Sensibilität und Wachsamkeit spürbar“, findet er.

Problematisch könnte die Situation werden, wenn sich das Coronavirus flächendeckend ausbreitet und es keine einzelnen betroffenen Gebiete mehr gibt. „Wenn die Zahlen massiv nach oben gehen, wird es schwierig bis unmöglich, das alles zu koordinieren“, vermutet Pappert.

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