Alle Annehmlichkeiten einer Stadt ohne deren Nachteile: Gemeinden wie Holzwickede sind als Wohnorte beliebt: Ländlich geprägt und doch in einer Metropolregion gelegen. Der Haken: Bauland ist selten und teuer.

Holzwickede

, 17.07.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Südlich der Paul-Gerhardt-Grundschule schließt sich momentan die letzte Lücke im Wohngebiet Auf der Bredde. Zehn Wohnhäuser gehobener Klasse sind hier in den vergangenen Jahren entstanden. Ein letztes befindet sich momentan im Bau.

Das Baugebiet Auf der Bredde war vorerst das letzte aus Gemeindebesitz, das für Häuslebauer zur Verfügung stand. Natürlich ist es nicht die letzte Möglichkeit, um in der Gemeinde ein Haus zu errichten: Wer bauen will, ist dann aber von den jeweiligen Eigentümern einer Fläche abhängig – und davon, ob eine Wohnbebauung im zugehörigen Bebauungsplan legitimiert ist.

Der Bebauungsplan ist Maßstab für die erstmalige Nutzung eines unbebauten Grundstückes. Daran kann sich jeder Bürger orientieren“, sagt Ralf Bessinger als zuständiger Bauleitplaner im Fachbereich Technische Dienste der Gemeinde.

Theorie und Praxis unterscheiden

Die Kommune wiederum orientiert sich für die Bauleitplanung an übergeordneten Strukturplänen: Landesentwicklungs-, Regional- und letztlich vor allem der Flächennutzungsplan beschreiben die Nutzungsmöglichkeiten.

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Ein heute landwirtschaftlich genutztes Feld in Privateigentum kann im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet oder für Wohnbebauung ausgewiesen sein. In der Theorie wäre eine entsprechende Entwicklung denkbar. „Der Flächennutzungsplan ist verbindlich für die Kommune aber nicht für die Bürger“, sagt Bessinger.

Theorie kann Praxis werden, wenn ein Eigentümer sein Grundstück beispielsweise an die Gemeinde verkaufen möchte. Dann wäre in der Folge eine Änderung des Bebauungsplans nötig, müssten in Fachausschüssen und Rat die politischen Fraktionen eingebunden werden, wenn etwa ein neues Wohngebiet vorgesehen wäre.

Neue Zufahrtsstraße: Wer hier baut, wohnt künftig am „Emschertalblick“.

Neue Zufahrtsstraße: Wer hier baut, wohnt künftig am „Emschertalblick“. © Marcel Drawe

Pläne diesbezüglich gibt es bei der Gemeinde nicht, denn Flächen in Gemeindebesitz sind im 22 Quadratkilometer kleinen Holzwickede rar. „Der Flächennutzungsplan hat Reserven für künftige Wohnbebauung, vor allem westlich der Hauptstraße. Der Teufel liegt aber im Detail: Die Flächen gehören ja jemandem. Da kann man also nicht daherkommen und sagen: Ich will hier bauen.“

Vorab an die Kommune verkaufen, damit die Gemeinde ein Grundstück entwickelt, ist dabei nicht zwingend nötig. In den vergangenen Monaten sind an der Wellstraße mit Blick gen Emscherquellhof neue Wohnhäuser gewachsen: Passend zum Ausblick wohnt es sich hier am „Emschertalblick“.

Von der Gärtnerei zum Baugebiet

Auf dem Grundstück stand früher eine Gärtnerei. „Der Eigentümer hat einst weitsichtig gedacht und beantragt, seine Fläche als Wohnbaufläche auszuweisen“, sagt Bessinger. Statt aber an die Gemeinde zu verkaufen, damit die entwickelt, wurden die Planungsleistungen über eine Fremdfirma gesteuert. „Das geht in der Regel schneller.“ Ein Eigentümer trägt dann aber auch ein Kostenrisiko. Ein Beispiel wären Bergbauschäden, die zu teuren Sicherungsmaßnahmen führen könnten.

Potenzielle Hausbauer haben natürlich immer die Möglichkeit, auf dem freien Markt nach Baugrundstücken zu suchen. Die Auswahl in der Gemeinde ist hier auf einschlägigen Portalen und beim Blick auf die Angebote regionaler Makler aber überschaubar.

Eine zentrale Übersicht mittels eines Baulückenkatasters gibt es für Holzwickede nicht. „Das haben andere Kommunen zwar, aber mehr als rote Flächen für entsprechende Lücken sehe ich da nicht“, so Bessinger. Für den Planer sind solche Kataster wenig aussagekräftig. „Wenn ich das anbiete, brauche ich Preise, Verfügbarkeit, Eigentümer – aber das scheitert schon am Datenschutz.“ Zudem sei es aufwendig, eine entsprechende Übersicht aktuell zu halten.

Jede Menge Bauland findet sich unterdessen an der Sölder Straße, wo die Wilma Immobilien GmbH in den kommenden Jahren auf 88.000 Quadratmeter rund 65 Millionen Euro investiert, um den Wohnpark Emscherquelle zu entwickeln.

Die Rohbauarbeiten im Wohnpark Emscherquelle haben noch nicht begonnen, dafür sind vor Ort bereits die Straßenzüge zu erkennen.

Die Rohbauarbeiten im Wohnpark Emscherquelle haben noch nicht begonnen, dafür sind vor Ort bereits die Straßenzüge zu erkennen. © Marcel Drawe

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Hausbau aus einer Hand im Wohnpark Emscherquelle

15 freistehende Einfamilienhäuser, 114 Doppelhaushälften, sechs Reihenhäuser und sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 66 Wohnungen werden hier bis 2024 hochgezogen. Wer hier eine Haushälfte oder ein Einfamilienhaus erwirbt, kauft das gesamte Paket aus einer Hand.

„Die Hausmodelle sind natürlich definiert“, sagt ein Wilma-Sprecher. Individuelle Gestaltungsmöglichkeiten würden sich für Interessenten durch vorgegebene Ausstattungsvarianten ergeben. „Sonderwünsche sind denkbar, zum Beispiel beim Grundriss – eine offene Küche etwa. Aber das wirkt sich entsprechend auf den Preis aus“, so der Sprecher weiter.

Für die ersten beiden Bauabschnitte sollen in den nächsten Wochen die Hochbauarbeiten für die ersten Mehrfamilien- und Doppelhäuser beginnen. Letztere sind bereits zu 100 Prozent verkauft – zu Preisen zwischen 380.000 und 440.000 Euro.

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Wer also in Holzwickede an unbeflecktes Bauland kommt, um sein individuelles Traumhaus zu errichten, darf sich glücklich schätzen. Und wird dafür in der Regel tief in die Tasche greifen müssen. Orientierung gibt der jährliche Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Unna: Hier nahm Holzwickede im Vorjahr den Spitzenplatz bei gezahlten Preisen für Wohnbauflächen ein. So besagen die ermittelten Daten, dass ein Baugrundstück in der Gemeinde durchschnittlich 650 Quadratmeter groß ist und für rund 190.000 Euro den Besitzer wechselt.

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