Ann-Cathrin Dreyer zieht es für ein Jahr nach Peru

dzFSJ in einem Kinderdorf

Spanisch: check. Der Umgang mit Kindern: check. Die Angst vor Heimweh: check. Ann-Cathrin Dreyer bringt alles mit, um nach dem Abitur ins erste große Abenteuer ihres Lebens zu starten.

Holzwickede

, 01.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Seit der 8. Klasse hatte sie Spanischunterricht am Clara-Schumann-Gymnasium. Sie ist die Älteste von vier Geschwistern. Und klar: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Heimweh haben werde“, sagt die 18-Jährige.

Im November vergangenen Jahres hat sie sich bei Volunta (siehe Text am Artikelende) beworben und fliegt nun am 10. August über Frankfurt und Paris nach Südamerika. Reine Flugzeit: ungefähr 14 Stunden. „Ich war noch nie außerhalb Europas, aber ich komme gut mit Kindern klar und will mein Spanisch verbessern“, sagt Dreyer.

Das könne sie ja auch in Spanien war die Reaktion der Eltern, als die 18-Jährige ihren Plan von Peru präsentierte. „Meine Eltern mussten mit der Idee erst warm werden, stehen aber hinter mir“, sagt die Abiturientin. Im Januar war sie alleine zum Vorstellungsgespräch nach Frankfurt gereist, traf dort andere Bewerber und ehemalige FSJler, mit denen sie seitdem in Kontakt steht und sich austauscht. Auch eine Reisepartnerin hat sie dabei kennengelernt: „Clara aus Berlin. Sie geht mit mir ins Kinderdorf. Wir haben uns gleich verstanden und wollen im Internet zusammen ein Blog führen“, sagt Dreyer.

Abseits der Hauptstadt

Die jungen Frauen erwartet rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Lima im Distrikt Cieneguilla eine Anlage mit acht Häusern, in denen meist um die zehn Kinder mit Pflegeeltern leben. Die Häuser sind nach Alter strukturiert. „Von 0 bis 18 ist alles dabei. Ich weiß noch nicht, in welches Haus ich komme“, sagt die Holzwickederin. Die Nähe zur Hauptstadt mit ihren rund 9 Millionen Einwohnern ist dabei relativ: „Man braucht für die 30 Kilometer wegen der Berge wohl trotzdem zwei Stunden“, sagt Dreyer.

Ann-Cathrin Dreyer zieht es für ein Jahr nach Peru

© Greis

Sie stellt sich auf einen arbeitsreichen Start ein: Nach einer Einführungswoche in Lima unterstützen die Freiwilligen die Pflegeeltern bei allen anfallenden Arbeiten. Sie helfen bei den Mahlzeiten, bringen die Kinder zur Schule, spielen mit ihnen. „Es wird sicher anfangs schwierig, aber ich empfinde den Umgang mit Kindern nicht als Arbeit. Ich glaube, so lange man im Kinderdorf ist, sollte man auch immer ein Ansprechpartner für den Tío oder die Tía sein“, sagt Dreyer. Onkel (Tío) und Tante (Tía) werden vor Ort die Pflegeeltern genannt.

Dass sie permanent arbeiten muss, erwartet sie nach den Gesprächen mit anderen FSJlern aber auch nicht: „Man bekommt seine Wochenenden und Auszeiten für sich“, sagt die 18-Jährige, die vor Ort für Kost, Logis und ein monatliches Taschengeld arbeitet.

Unsicherheit gehört für Ann-Cathrin Dreyer aber dazu, nicht nur wegen möglicher Eigenheiten des Spanischen in Südamerika: „Es ist natürlich auch ein bisschen die Angst da, dass man nicht akzeptiert wird, dass man immer als Tourist betrachtet wird. Ich will die Menschen und die Sprache aber richtig kennenlernen und vor Ort mithelfen“.

Orientierung für die Zeit danach

Das Jahr in Peru soll der 18-Jährigen auch Orientierung geben für die Zeit, die danach kommt. „Man wird offener, knüpft Kontakte, entwickelt neue Kompetenzen“, sagt Dreyer, die sich später vorstellen kann, in Richtung Medizin oder Pädagogik zu gehen. „Man bekommt aber auch ein Jahr lang viel Input und muss das auch reflektieren. Eine FSJlerin, die ich kennengelernt habe, wollte auch Lehramt nach ihrem FSJ studieren und hat sich dann doch für Jura entschieden“, sagt Dreyer.

Volunta ist eine Tochtergesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes und organisiert diverse Freiwilligendienste. So übernimmt Volunta auch Aufgaben für das Weltwärts-Programm des Bundesentwicklungsministeriums. Hier verrichten Freiwillige ihren Dienst in Entwicklungs- und Schwellenländern. „In diesem Jahr schicken wir rund 140 junge Menschen in die Welt“, sagt die Volunta-Sprecherin Christine Orth. Für den staatlich geförderten Freiwilligendienst reisen junge Frauen und Männer nach Südafrika, Indien, Ruanda, Bolivien oder eben Peru. Volunta organisiert Seminare vor, während und nach dem FSJ, kümmert sich um Auslandsversicherung, Flüge und ist Ansprechpartner. „Alle Freiwilligen haben Mentoren. Auch gibt es eine Notfall-Nummer, die 24 Stunden am Tag erreichbar ist. „Bei Verletzungen, Krankheiten, oder wenn es die politische Lage in einem Land verlangt, sind wie jederzeit erreichbar“, sagt Orth. Bei Unruhen wie zuletzt in Nicaragua hole man die Freiwilligen sofort zurück, so Orth. Derzeit entsende man auch keine FSJler in das Land, in dem Präsident Daniel Ortega mit Gewalt gegen Demonstranten vorgeht.
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