Kleine Buchstaben sorgen für Ausraster: Angeklagter wirft Pflasterstein auf Porsche

dzGerichtsverfahren

Für einen folgenschweren Wutausbruch auf dem Gelände eines Holzwickeder Autohändlers musste sich nun ein 45-Jähriger vor Gericht verantworten. Der Auslöser: das Kleingedruckte im Kaufvertrag.

von Sylvia Mönnig

Holzwickede

, 06.12.2019, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine Wut über einen Autohändler in Holzwickede war so groß, dass ein 45-Jähriger aus Dortmund zum Pflasterstein griff und diesen auf die Motorhaube eines Porsches schmiss, den er eigentlich erwerben wollte.

Ein Auto, um damit zur Arbeit fahren zu können. Es sollte alle Probleme des Dortmunders lösen. Um den Wagen finanzieren zu können, erhielt er gar Geld vom Jobcenter. Wie sich herausstellen sollte, heimste ihm der Gang zum Autohaus allerdings nur noch mehr Probleme ein.

Er kaufte einen Porsche bei dem Autohaus in Holzwickede und bat darum, den Wagen noch einige Zeit dort stehenlassen zu dürfen. Der Autoverkäufer willigte ein. Als der Angeklagte das Auto schließlich abholen wollte, erlebte er jedoch eine böse Überraschung.

Böse Überraschung im Kleingedruckten

Der Händler verwies ihn offenbar auf das „Kleingedruckte“ im Kaufvertrag, verlangte für die zwei Monate Standzeit pro Tag zehn Euro und verweigerte ansonsten die Herausgabe.

Doch das Geld, um das Auto auszulösen, besaß der 45-Jährige nicht. Am Mittag des 16. Mai eskalierte das Ganze: Der Steinwurf auf die Motorhaube des Porsches verursachte laut Anklage einen Sachschaden von rund 5000 Euro.

Im Prozess am Unnaer Amtsgericht schwankte der Beschuldigte zwischen Schuldbewusstsein, Resignation und Rage. Sein Auto habe er noch immer nicht bekommen, das Jobcenter verlange das ausgelegte Geld zurück. Arbeitstechnisch sehe es für ihn düster aus und die Privatinsolvenz, in der er sich befinde, verbessere seine Lage nicht.

Zu der Tat, die ihm ernsthaft leid tue, habe er sich von seinen Emotionen hinreißen lassen: „Ich habe mich dermaßen betrogen gefühlt“, versuchte der Angeklagte, sein Handeln wenigstens ansatzweise zu begründen.

Besondere Umstände: Richter zeigt sich gnädig

Angesichts der besonderen Umstände und der Tatsache, dass ihn der Vorfall noch reichlich Geld kosten wird, wurde das Strafverfahren gegen den 45-Jährigen schließlich ohne Auflagen eingestellt. Der erkannte die Chance und bedankte sich höflich bei den Beteiligten. Richter Jörg Hüchtmann parierte prompt: „Machen Sie etwas daraus.“

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