Lass dich drücken: Am Seifomat aus Holzwickede führt auf Reisen kein Weg vorbei

dzFritz Ostermann GmbH

Im Zug, im Flugzeug, in öffentlichen Gebäuden: Gründliches Händewaschen ist derzeit wichtiger denn je. Dass dabei oft Wertarbeit aus Holzwickede zum Einsatz kommt, dürften nur wenige Menschen wissen.

Holzwickede

, 20.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Messebesuch in Italien. Den musste Boris Jankiewicz zuletzt natürlich absagen. Die Produktion in seinem mittelständischen Unternehmen im Holzwickeder Eco Port läuft aber trotz Corona wie gehabt.

Mit zehn Mitarbeitern ist der Personalaufwand hier überschaubar. Umso überraschender, dass man mit den Produkten der Fritz Ostermann GmbH weltweit in Berührung kommen kann.

Wer im Flugzeug reist, hat nach dem Toilettengang sehr wahrscheinlich schon auf einen aus Holzwickede gedrückt: auf einen Seifomat-Seifenspender. „Es ist sehr, sehr wahrscheinlich, dass unsere Produkte in einem Flugzeug verbaut sind“, sagt Ostermann-Geschäftsführer Boris Jankiewicz.

Der Holzwickeder hat das Unternehmen im Jahr 2006 übernommen und ist am Markt etabliert: Neben sanitärer Austattung in öffentlichen Gebäude oder Bürokomplexen hat das Unternehmen vor allem in der Luft, auf der Schiene und zur See seine Nische besetzt.

Geschäftsführer Boris Jankiewicz hat eine Auswahl seiner Produkte zwar im Eingangsbereich wie in einem heimischen Badezimmer ausgestellt, in privaten Haushalten kommen sie aber eher selten zum Einsatz.

Geschäftsführer Boris Jankiewicz hat eine Auswahl seiner Produkte zwar im Eingangsbereich wie in einem heimischen Badezimmer ausgestellt, in privaten Haushalten kommen sie aber eher selten zum Einsatz. © Greis

Unternehmen ist seit anderthalb Jahren in Holzwickede heimisch

So erfolgreich, dass man sich 2018 an einem neuen Standort an der Gottlieb-Daimler-Straße im Eco Port erweitert hat. Den Firmengründer trägt die Fritz Ostermann GmbH weiterhin im Namen. Bereits 1927 als Handelsvertretung für sanitäre Produkte gegründet, war es mit Dieter Ostermann der Sohn des Firmengründers, der 1965 eine Pumpe aus Vollmessing in einen herkömmlichen Standhahn einsetzte und damit den Seifomat erfand.

Diente aus Mangel an Alternativen damals noch eine Milchflasche als Seifenbehälter, braucht es heutzutage andere Materialen: So kommt beispielsweise in Flugzeugen ein nicht brennbarer Kunststoff zum Einsatz.

Die Grundgehäuse mit Gewinde und Seifenauslauf sind auf der Manufakturstraße aufgereiht. Alle Teile werden in Handarbeit zusammengesetzt.

Die Grundgehäuse mit Gewinde und Seifenauslauf sind auf der Manufakturstraße aufgereiht. Alle Teile werden in Handarbeit zusammengesetzt. © Greis

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Wird solch ein Spezialteil zugekauft, so ist der Seifenspender an sich indes ein Produkt made in NRW: „Zu 95 Prozent verwenden wir Teile, die in Plettenberg gedreht, in Iserlohn geschliffen und galvanisiert und bei uns zusammengebaut werden“, sagt Boris Jankiewicz. Weil das in Handarbeit passiert, bezeichnet der Holzwickeder seinen Betrieb nicht ohne Stolz als Manufaktur.

Mit einem Laser wird der Markenname ins Produkt gelabelt. In Flugzeugtoiletten beispielsweise werden die Holzwickeder Produkte aber meist „blank“ verbaut.

Mit einem Laser wird der Markenname ins Produkt gelabelt. In Flugzeugtoiletten beispielsweise werden die Holzwickeder Produkte aber meist „blank“ verbaut. © Greis

50 Seifenspender am Tag pro Mitarbeiter

Um die 50 Seifenspender setzt ein Mitarbeiter pro Tag zusammen. Große Lagerbestände kann Jankiewicz nicht vorweisen. Zu gefragt sind die Produkte. Das führt der Firmenchef grundsätzlich auf die gute Konjunktur zurück.

Materialtest

Alles auf Pump

  • Bevor ein neues Produkt abgesegnet wird, muss es auf die Teststrecke. 300.000 mechanische Pumpbewegungen muss ein Seifomat-Seifenspender schadlos überstehen.
  • In anderen Bereichen sind die Prüfszenarien noch härter: Für den Einbau in Flugzeugen muss der Seifomat 700.000 mechanische Bewegungen überstehen.
  • Außerdem ist ein Lot-Test vorgeschrieben. Dabei müssen die Produkte nach EU-Norm ein Gewicht von 90 Kilogramm aushalten. Für den US-amerikanischen Markt müssen es sogar 135 Kilogramm sein.

„Von der aktuellen Situation rund um das Coronavirus profitieren wir weder noch schadet sie uns.“ Dass sich die momentane Situation mit Blick auf Einbußen in anderen Branchen mit Verzögerung aber auch bei Ostermann auswirkt, das vermag auch Boris Jankiewicz nicht auszuschließen.

Momentan ist das Materiallager voll und es wird ohne Einschränkungen gearbeitet. Mit dem Seifenspender aus der Drogerie darf man die Holzwickeder Fertigungen dabei nicht vergleichen: Während erstere auf eine einfache Überdruck-Pumpe setzen, arbeiten die Seifomat-Spender mit Hubkolben. „Egal wie viel Druck sie auf den Spender ausüben, es kommt immer die gleiche Menge raus“, sagt Jankiewicz.

Wertig, langlebig und einfach in der Handhabe sollen die Produkte sein: „Für einen geübten Hausmeister bedeutet die Reparatur fünf Minuten Arbeit und Sie haben über Jahre wieder Ruhe.“ Im heimischen Badezimmer wird man den Holzwickeder Seifomat indes kaum antreffen. „Wir fokussieren uns klar auf den gewerblich-öffentlichen Bereich. Zu uns kommt niemand und fragt eine Armatur fürs heimische Badezimmer an.“

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