Der Ruhestand - für Gemeindepfarrer Michael Niggebaum ist er nach 35 Amtsjahren in Holzwickede zum Greifen nah. Am 2. Dezember wird er verabschiedet. Dann überlässt er anderen das Predigen.

Holzwickede

, 29.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

„Diese letzte Zeit ist schon komisch. Immer ist es das letzte Mal, dass man etwas macht. In der letzten Woche habe ich zwar noch volles Programm, heute war aber bereits meine letzte Beerdigung“, sagt der 65-jährige Pfarrer Michael Niggebaum. Am kommenden Sonntag, 2. Dezember, wird er ganz offiziell in den Ruhestand verabschiedet. 35 Jahre seiner Amtszeit hat Niggebaum in Holzwickede verbracht. Und in Holzwickede wird er auch bleiben mit seiner Ehefrau Barbara.

„Taufen habe ich am liebsten gemacht“, wertet Michael Niggebaum rückblickend und fügt an: „Das Schönste am Gemeindepfarrerberuf: man lebt mit der Gemeinde.“ Und da fällt ihm gleich ein, wie einer der ersten Tage seiner Amtszeit 1983 in Holzwickede war. Als er auf dem Wochenmarkt gefragt habe, wo es leckere Brötchen gebe, habe er die Antwort erhalten: „Einen evangelischen Bäcker haben wir hier nicht mehr.“ Noch heute muss der Pfarrer darüber schmunzeln.

Von Bielefeld nach Holzwickede

Michael Niggebaum wurde in Bielefeld geboren. Dass er einmal Pfarrer werden würde, daran hatte er wohl nicht gedacht, als er nach der Mittleren Reife eine Lehre als Bankkaufmann machte. Und in diesem Beruf, wie er heute sagt, auch nicht unglücklich war. Niggebaum aber war schon früh in der Jugendarbeit aktiv. Ehrenamtlich. Der Pfarrer der Altstädter Nicolaikirche habe ihn gefragt, ob er nicht Pfarrer werden wolle und empfahl ihm das Kolleg in Espelkamp. „Das war wie ein Internat und da lernte man auch die alten Sprachen Latein und Griechisch“, erläutert er, dass er nach drei Jahren sein Abitur in der Tasche hatte und studieren konnte. Von 1975 bis 1981 studierte er in Münster und in Göttingen. 1980 heiratete Michael Niggebaum seine Barbara, die er bei einer Ferienfreizeit kennengelernt hatte. Nach dem Examen 1981 zog es die Niggebaums nach Schüren. Michael Niggebaum war dort Vikar und hört vom damaligen Pfarrer Reckwitz, dass in Holzwickede die Stelle von Pfarrer Gaiser frei werden würde. Das zweite Staatsexamen hatte Niggebaum da frisch abgelegt und war auf der Suche nach einer eigenen Gemeinde. Und so kam Michael Niggebaum am 1. Oktober 1983 in die Emschergemeinde, zog mit seiner Frau in das Pfarrhaus an der Nordstraße ein. 15 Tage später kam die erste Tochter zur Welt. Eine zweite Tochter folgte. Zu der Zeit, erinnert sich Niggebaum war Jenz Rother, der spätere Bürgermeister, Pfarrer in der Gemeindemitte und Otto Kiefer Pfarrer im Süden. „Mit Opherdicke hatten wir damals noch nichts zu tun“, blickt der Gemeindepfarrer zurück. Es folgten weitere Pfarrer als Kollegen. Von 2007 an bildeten dann Pfarrer Michael Niggebaum, Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff und Pfarrer Christian Bald ein Team. Jetzt nehmen sie Abschied.

„Das war eine so schöne Zeit. Ich war hier sehr gern Pfarrer“, fällt Niggebaum der Abschied schwer. Auf eines freut er sich aber besonders: auf die Weihnachtszeit und das Weihnachtsfest. Heiligabend im Kreis der Lieben, ohne zwei Gottesdienste vorbereiten und leiten zu müssen, ohne die schnelle Bescherung zwischendurch, sondern mit Zeit, mit Muße und der Freude, Gott auf der Kirchenbank nahe sein zu können.

Alles zum letzten Mal - Pfarrer Niggebaum nimmt Abschied

Michael Niggebaum und seine evangelischen und katholischen Kollegen luden in jedem Jahr zu den Weihnachtsgottesdiensten ein. Vorne ist Philipp Reis zu sehen, der Vikar in Holzwickede war und nun hier Pfarrer wird. © Yvonne Schütze-Fürst

Niggebaum blickt mit Stolz zurück auf das Erreichte. Die Kindergartenarbeit lag ihm besonders am Herzen, für die Kinder hat er sich eingesetzt. Die Kinderbibelwoche hat Niggebaum in Holzwickede eingeführt. Und für die Bürger war er da, als Tröster, als eine Art Beschützer, aber auch manchmal als Streitschlichter bei Ehestreitigkeiten.

Den Wechsel von Bielefeld ins Ruhrgebiet nach Holzwickede habe er nie bereut, denn die hier so offenen Menschen sind ihm ans Herz gewachsen. „Mir ist es noch nie passiert, dass ich an einer Tür abgewiesen wurde. Ich habe es immer bis in den Flur geschafft.“

In Zukunft möchte Michael Niggebaum sich der Gemeindeberatung widmen. Vorsitzender des Kirchbauvereins wird er bleiben. „Und dann gucke ich einfach mal, wo meine Interessen so liegen“, denkt er über ein Seniorenstudium nach, möchte er gemeinsam mit seiner Frau Barbara viel reisen. Zeit werden sie haben, die beiden Töchter sind erwachsen, die Leitung des Singkreises wird seine Ehefrau aufgeben.

Alles zum letzten Mal - Pfarrer Niggebaum nimmt Abschied

Sie bildeten elf Jahre lang ein Team: Christian Bald, Claudia Brühl-Vonhoff und Michael Niggebaum. © Udo Hennes

Dass Michael Niggebaum ein gläubiger Mensch ist, versteht sich sicher von selbst. Zwei Zitate aus der Bibel aber trägt er immer in seinem Herzen. Es ist zum einen der Psalm 121, in dem es heißt „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Und der Bibeltext nach Matthäus 5.9 „Ihr seid das Salz der Erde.“

Zwei Nachfolger gefunden

Wenn Michael Niggebaum in den Ruhstand wechselt, dann ist er der zweite Pfarrer, der binnen kurzer Zeit die Emschergemeinde sozusagen verlässt. Wie berichtet, wurde Pfarrer Christian Bald in Bielefeld zum neuen Superintendenten gewählt. Mit Balds Weggang wurden die Pfarrstellen von drei auf 2,5 in Holzwickede und Opherdicke gekürzt. Am vergangenen Montag entschied die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Unna über die Bald-Nachfolge, denn Bald war Assessor und damit Stellvertreter von Superintendent Hans-Martin Böcker. Die Wahl fiel auf Andreas Müller. Mit 40:37 Stimmen setzte sich Andreas Müller gegen seinen Mitbewerber, Pfarrer Frank Hielscher aus Bergkamen, durch. Der 52-jährige Andreas Müller war Gemeindepfarrer in Hamm und ist seit 2003 Schulreferent im Kirchenkreis Unna. Seinen Namen kennen die Holzwickeder auch bereits, denn er übernimmt die halbe Pfarrstelle in Holzwickede. Für ein Jahr wird er die Gemeinde unterstützen.

Mittlerweile ist auch eine Lösung gefunden für den Ruhestand des Michael Niggebaum. Philipp Reis, der als Vikar in Holzwickede tätig war, wird als Pfarrer nach Holzwickede wechseln. Laut Dietrich Schneider, Sprecher des Kirchenkreises Unna, befindet sich Philipp Reis noch im Entsendungsdienst. Ab dem 1. April ist er sozusagen wählbar, dann soll das offizielle Besetzungsverfahren beginnen. Die Gemeindemitglieder, so Schneider, werden von der offiziellen Stellenübernahme aber gar nichts merken, denn Reis beginnt bereits am 1. Dezember in vollem Umfang mit seiner Arbeit als Pfarrer in Holzwickede.

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