„Alexa, mach die Kerze aus“: Wenn sich Kinder in den Weiten des Internets verlieren

dzMediensucht

Wenn die „Daddelei“ auf dem Smartphone für ein Kind zum einzigen Lebensinhalt wird, sollten bei Eltern die Alarmglocken leuchten. Der Medienkonsum kann nämlich krankhaft werden.

Holzwickede

, 11.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Inzwischen nutzt fast jeder Smartphones und Tablets. Die Vorteile des mobilen Surfens liegen auf der Hand. Aber es gibt auch Schattenseiten: Zum Problem kann der Medienkonsum nämlich unter anderem für Kinder werden, die in der analogen Welt zunehmend nicht mehr klar kommen. Sie flüchten sich gewissermaßen in eine virtuelle Parallelwelt. Und das betrifft offenbar nicht nur vermeintlich abgehängte Kinder, sondern auch jene, die an sich relativ gefestigt scheinen.

Mit dieser Problematik beschäftigt sich seit einigen Jahren die Psychologische Beratungsstelle an der Rausinger Straße. Die Einrichtung vom Kreis Unna bietet betroffenen Eltern und Kindern ein niederschwelliges Beratungsangebot und versucht zu helfen, wo Eltern an ihre Grenzen stoßen.

Auf Wunsch auch anonyme Beratung

Auf Wunsch geht das auch anonym. „Das kommt immer mal wieder vor, wenn sich Betroffene zu sehr schämen“, sagt die Psychologin Inga Richter. Sie und Sozialarbeiter Horst Wachholz gehören zum „multiprofessionellen“ Beratungsteam an der Rausinger Straße.

Beratung

Die Sucht nach Handyspielen

  • Hilfe bekommen betroffene Familien in der Psychologischen Beratungsstelle des Kreises Unna, Rausinger Straße 3. Das Angebot ist kostenlos und kann auf Wunsch auch anonym in Anspruch genommen werden.
  • Nach einem Erstgespräch sollen die Ursachen einer möglichen Suchterkrankung ermittelt werden. In besonders gravierenden Fällen vermittelt die Beratungsstelle auch Therapieplätze.
  • Betroffene können unter Tel. 02301/945940 einen Termin vereinbaren. Alternativ gibt es dienstags zwischen 10 und 11 Uhr auch eine Sprechstunde

Sie hatten schon mit vielen Fällen von Mediensucht zu tun. Wie viele Menschen es betrifft, können sie nur schätzen. „Die Grauzone ist sehr groß“, betont Wachholz. Das Problem sei wie bei vielen anderen Süchten, dass die Symptome nicht immer frühzeitig erkannt werden. Doch auch wenn Eltern bei ihren Kindern ein krankhaftes Spielverhalten erkennen, ist nicht immer gleich klar, was zu tun ist. „Nicht alle Eltern wissen, wie sie verantwortungsbewusst damit umgehen können“, erklärt Richter.

Einer der Knackpunkte ist das Internet: Es eröffnet den Kindern noch mehr Möglichkeiten: In der virtuellen Welt können sie mit anderen interagieren, gemeinsam Erfolge erzielen. Gefährlich wird es, wenn das Belohnungssystem des Kindes völlig auf den Kopf gestellt ist. Manche enden in völliger Isolation und nehmen am Leben kaum noch teil.

„Es geht nicht darum, das Internet zu verteufeln. Es geht darum, einen bewussten Umgang damit zu vermitteln“, fordert Wachholz. Kinder wachsen heutzutage mit dem Internet auf. „Mein dreijähriger Neffe hat mal gesagt: Alexa, mach die Kerze aus“, erzählt Richter. Das zeigt eine verdrehte Logik auf.

„Es geht nicht darum, das Internet zu verteufeln. Es geht darum, einen bewussten Umgang damit zu vermitteln“
Sozialarbeiter Horst Wachholz von der Psychologischen Beratungsstelle

Krankhaftes Verhalten beginnt nach Angaben von Richter vor allem dort, wo die Realität auf der Strecke bleibt. Wenn das Kind Verabredungen absagt, um zu spielen, oder wenn es nach Entziehung des Geräts stark gereizt ist. In manchen Fällen eskalieren solche Konflikte völlig.

Analoge Unternehmungen als Kontrastprogramm

Wenn Eltern diese Sucht-Symptome bei ihren Kindern feststellen, seien sie oft ratlos. Dabei sind einige Maßnahmen recht schnell umsetzbar. „Bei vielen Geräten können sie Einstellungen vornehmen, um den Zugang zum Internet zu begrenzen. Ansonsten kann man mit ihnen gezielt etwas Analoges unternehmen“, sagt Wachholz. Wichtig seien klare Regeln und auch Konsequenz bei der deren Umsetzung.

Zelten gehen, in den Zoo fahren, Fußballspielen – all das seien Unternehmungen, die sich als Kontrastprogramm eignen können. Eines ist klar: Das ist mit Aufwand verbunden: „Wenn mein Kind Aufmerksamkeit braucht, ist es viel einfacher, wenn ich ihm ein Handy in die Hand drücke und es damit beruhige“, erklärt Richter. Daher appelliere er an die Eltern, im Zweifel den schwierigen Weg zu gehen.

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