Ab März kommenden Jahres wird es wohl ernst: Dann soll im Rahmen des A40-Ausbaus eine Brücke im Gemeindegebiet abgerissen werden – nur ein Vorgeschmack auf die kommenden Jahre.

Holzwickede

, 09.10.2019, 18:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Illusionen sollte man sich nicht hingeben, das macht Deges-Projektleiter Karl-Heinz Aukschun klar: „Dass sich durch die Bauarbeiten die Verkehrssituation nicht verbessert, ist klar. Das versprechen wir nicht. Aber es geht nicht anders.“

Geht nicht anders, das bedeutet: Ab März 2020 soll die Brücke Kurze Straße abgebrochen und neu gebaut werden. Dann ist die Kurze Straße über die B1 laut Deges rund ein Jahr lang dicht. Es wird eine Umleitung eingerichtet, die über Nordstraße oder Oelpfad laufen könnte. Erste Vorarbeiten für den Abriss sollen zu Jahresbeginn starten. Die B1 soll indes nur kurzfristig vollgesperrt werden. Und das nach Möglichkeit auch nur nachts oder an Wochenenden.

„Sperren müssen wir beim Brückenabbruch – und dann nochmals, wenn die neuen Stahlträger aufgelegt werden“, sagt der zuständige Bauwerksplaner Paul Rehbein. Klar ist: Die neue Brücke wird größer als die vorhandene. Unter ihr führen künftig sechs statt vier Spuren entlang. Optisch wird sie der Brücke ähneln, die aktuell auf Höhe Sölde entsteht.

Brücken, Lärmschutz, Anschlussstellen: Holzwickede droht rund um B1 ein Verkehrschaos

Die Brücke über die Kurze Straße soll im März 2020 abgerissen werden. Bis der Neubau steht, vergeht mindestens ein Jahr. © Greis

Lärmschutzwände werden bis zu 6,50 Meter hoch

Rehbein und Aukschun stellten am Dienstagabend im Planungs- und Bauausschuss die nächsten Schritte auf Holzwickeder Gebiet vor. Die betreffen neben dem Brückenabriss auch die Lärmschutzwände an der Nordseite der B1, für die aktuell das Baufeld bereitet wird.

A40-Ausbau

Millionen-Projekt über Jahre

  • Die Deges ist eine Projektmanagementgesellschaft, an der neben dem Bund auch zwölf Bundesländer beteiligt sind. Die Deges koordiniert diverse Verkehrsinfrastrukturprojekte.
  • Nachdem die Planfeststellung rund um den A40-Ausbau über den Landesbetrieb Straßen.NRW lief, liegt die konkrete Umsetzung bei der Deges.
  • Die B1 soll demnach bis 2023 zwischen Dortmund-Ost bis zum Kreuz Dortmund-Unna auf einer Länge von 9,5 Kilometern dreispurig zur A40 ausgebaut werden. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 110 Millionen Euro trägt der Bund.

Auf den gesamten 9,5 Kilometern der künftigen A40 zwischen Dortmund und Unna werden 8,9 Kilometer an Lärmschutzwänden hochgezogen. In Holzwickede sollen ab November erste Wände mit Höhen zwischen vier Metern und 6,50 Meter hochgezogen werden. Da die Fahrbahn tiefer liegt als die angrenzende Bebauung ergibt sich so mitunter ein Unterschied von rund 15 Metern im Höhenniveau.

Ein interessantes Detail konnten die Deges-Planer am Dienstag unterdessen nicht versprechen: Möglich sei es zwar, auf Anwohnerseite die nackten Betonwände zu begrünen, ob das für spätere Kontrollen am Bauwerk aber sinnvoll sei, zweifelte Rehbein an. Bäume an den Mauern seien indes wegen eines Sicherheitsabstandes von drei Metern nicht möglich. Außerhalb dieses Bereiches sei die Deges wiederum nicht zuständig. „Das liegt bei der Gemeinde, ob und wo sie dann Bäume pflanzen will“, sagte Rehbein.

Deges-Aussagen widersprechen früheren Versprechungen

Das ist mindestens eine erstaunliche Aussage. Für die Lärmschutzwände mussten Anfang des Jahres viele Bäume gefällt werden. Die Deges hatte damals nachweislich zugesichert, dass man nach Projektende im Jahr 2023 für Ersatzpflanzungen sorgen und die Bereiche entlang der Lärmschutzwände entsprechend gestalten wolle.

Brücken, Lärmschutz, Anschlussstellen: Holzwickede droht rund um B1 ein Verkehrschaos

An der Nordseite der B1 ist das Baufeld für die Lärmschutzwände hergerichtet. Auf Höhe der Wohnbebauung werden die Wände auf dem Wall 6,50 Meter hoch. © Greis

Nach den Lärmschutzwänden sowie Brückenabriss und -neubau folgt der nächste Schritt und ist die Anschlussstelle zur Nordstraße dran. „Wichtig ist, dass der B1-Verkehr fließt“, sagt Planer Rehbein. Ergo werde man zunächst die Spuren von Unna nach Dortmund abreißen und anschließend gen Norden verbreitern. Der Verkehr läuft so lange auf der Südseite. Im Anschluss folgt das umgekehrte Spiel. In jedem Fall wird der Bereich zum Nadelöhr.

Vor 2021 dürfte mit dieser Maßnahme aber nicht zu rechnen sein. Weil die Arbeiten hier aber auch die Auf- und Abfahrten betreffen, werden auch diese mitunter bis zu drei Monate gesperrt. Bedeutet: Verkehrsteilnehmer müssen die Anschlussstellen auf Höhe Sölde oder Unna nutzen und Umwege in Kauf nehmen. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in den Randlagen auf Oelpfad, Chaussee, Schäferkamp- oder Sölder Straße dürfte absehbar sein.

Brücken, Lärmschutz, Anschlussstellen: Holzwickede droht rund um B1 ein Verkehrschaos

Im Zuge des A40-Ausbaus müssen auch die Zu- und Abfahrten überplant werden. Gen Gemeindemitte fällt der Anschluss weg. Gen Airport verbreitert sich die A40, müssen Zu- und Abfahrt angepasst werden. © Greis

Weil die Brückenköpfe an der Nordstraße massiver werden, wird zudem der Gehweg unter dem Bauwerk schmaler: 1,15 Meter statt 1,60 Meter. An der Fahrbahnbreite der Nordstraße ändert sich nichts. Was Rehbein und Aukschun als unproblematisch einstufen, sieht Peter Wehlack für die SPD problematisch: „Wir müssen schon sicherstellen, dass die Kinder aus dem Norden sicher in Richtung Schulzentrum kommen“, warnt er vor schmalen Gehwegen, die an der Stelle auch Radfahrer und Flugreisende mit Gepäck nutzen müssen.

Weiter Fragezeichen zum Anschluss an den Oelpfad

Nur ansatzweise zur Sprache kam die Anschlussstelle Oelpfad, die A40 einmal mit der geplanten Umgehungsstraße L677n verbinden soll. Hier laufen aktuell mehrere Klagen von Anwohnern gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Umgehung. Eine Entscheidung des zuständigen Verwaltungsgerichts in Gelsenkirchen steht weiterhin aus. Auch hier bleibt es mit Blick auf die Verkehrsplanung in den nächsten Jahren spannend.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gerichtsurteil

Millionen kinderpornografische Dateien gehortet: Holzwickeder kommt mit Bewährung davon

Hellweger Anzeiger „Die Partei“

Ortsverband „Die Partei“: So reagieren die Orts-Fraktionen auf den politischen Mitbewerber