Neubau der A1-Brücke: Diese Schleichwege rauben Anwohnern die Nerven

dzBaustelle

Ruhig wohnt es sich rund um den Kellerkopf in Hengsen. Sollte man meinen. Baumaßnahmen an der A1 sorgen momentan aber dafür, dass es mit der Ruhe im Ländlichen vorbei ist.

Holzwickede

, 18.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Städte, eine Gemeinde und damit zig Anwohner sowie ein Familienunternehmen sind seit Monaten vom A1-Brückenbauprojekt an der Sölder Straße auf Schwerter Stadtgebiet betroffen. Vor allem wenn Straßen.NRW, der als Landesbetrieb den Brückenabriss und -neubau vor Ort verantwortet, für Bautätigkeiten die Sölder Straße sperren muss.

Das ist aktuell seit dem 11. Oktober und voraussichtlich bis 22. Oktober wieder der Fall, weil 20 Bohrpfähle bis zu neun Meter tief für den Brückenneubau in den Boden gesetzt werden. Eine Umleitung führt offiziell über die Lichtendorfer, Schwerter sowie Unnaer Straße. Allein: Daran hält sich nicht jeder Verkehrsteilnehmer. Ortskundige kürzen momentan über den Overberger Weg am Gartencenter Pötschke über den Kellerkopf ab.

Autos und Lkw drängeln sich über schmale Straßen in Hengsen

Ein Umstand, der Anwohner wie Harald Vidrik nervt. Zwar hat die Stadt Schwerte, die auch im Grenzbereich zu Holzwickede die Beschilderung verantwortet, unter der Woche nachjustiert, mehrere Durchfahrtsverbotschilder aufgestellt und das Tempo in dem Bereich auf 30 km/h gedrosselt. „Aber was nützt das, wenn das nicht kontrolliert wird?“, fragt Vidrik.

Gerade samstags, wenn in seiner Nachbarschaft viele Spaziergänger oder Reiter unterwegs sind, sei die jetzige Situation gefährlich. „An Tempo 30 halten sich auch noch die wenigsten“, so Vidrik. Mitunter würden sich auch Lkw und Transporter über die schmalen Straßen vor Ort drängeln.

Neubau der A1-Brücke: Diese Schleichwege rauben Anwohnern die Nerven

Dieser Verkehrsteilnehmer wollte über den Kellerkopf abkürzen, hat die Verbotsschilder aber beachtet und wendete. © Greis

Ein Ortsbesuch dieser Redaktion am Donnerstagmorgen belegt Vidriks Angaben. 20 Minuten an der Einfahrt zum Kellerkopf an der Ortsgrenze zu Schwerte reichen aus, um ein gutes Dutzend Autofahrer dabei zu beobachten, wie sie am Kellerkopf wegen der Verbotsschilder mittlerweile meist drehen. Mitunter ignorieren Autofahrer die Schilder aber auch und fahren dennoch gen Holzwickede weiter.

Harald Vidrik stört sich auch an der Tatsache, dass das Gartencenter Pötschke durch eigens aufgestellte Schilder auf die Schleichwege aufmerksam macht. Die stehen auch auf Holzwickeder Gebiet, zum Beispiel an der Scheune der Schlüter und Schlepperfreunde.

Neubau der A1-Brücke: Diese Schleichwege rauben Anwohnern die Nerven

Mit diesen Schildern (links) macht das Gartencenter auf die Schleichwege aufmerksam – sie müssen auf Anordnung der Gemeinde nun entfernt werden. © Greis

Gartencenter hofft auf das Verständnis der Anwohner

„Was wäre die Alternative? Die offizielle Umleitung dauert eine Viertelstunde länger. Da kommt doch keiner“, sagt Christian Pötschke, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt. Er könne verstehen, dass die Folgen der Baustelle auch für die Anwohner belastend sind. „Uns bleibt aber keine Wahl. Wir haben enorme Einbußen, während die Sölder Straße gesperrt ist“, sagt Pötschke.

Der Umstand, dass gut zwei Kilometer entfernt in Sölde selbst auch noch eine Vollsperrung eingerichtet ist und auch die Landskroner Straße zwischen Sölde und Holzwickede momentan dicht ist, macht die Verkehrssituation nicht besser.

Im Gegensatz zu einer Kette könne man als Familienunternehmen solche Einschränkungen über Tage und Wochen nicht mal eben durch andere Standorte abfedern. Pötschke hofft auf Verständnis und blickt dem Ende der Sperrung kommende Woche entgegen.

Neubau der A1-Brücke: Diese Schleichwege rauben Anwohnern die Nerven

Aus Richtung Geisecke kommend ist auf der Sölder Straße am Overberger Weg Schluss. © Greis

Zumindest auf Holzwickeder Gebiet muss das Gartencenter bis dahin aber seine eigenen Umleitungshinweise entfernen. Auf Nachfrage bestätigt man im Fachbereich Ordnung, dass das Unternehmen angewiesen wurde, die Hinweise zu entfernen. Es handele sich dabei offiziell nicht um Schilder, sondern um eine ungenehmigte Plakatierung, die in den Straßenverkehr eingreift.

Polizei will Präsenz vor Ort zeigen

Zum Einwand von Harald Vidrik, dass die Durchfahrtsverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen nichts nützen, so lange sie nicht kontrolliert werden, äußert sich die Polizei im Kreis Unna. Bislang wusste man schlicht nicht, dass hier nachträglich entsprechende Schilder aufgestellt wurden. „Der Bezirksdienst ist nun entsprechend informiert und wir werden uns die Situation vor Ort sicher ansehen“, sagt Polizeisprecherin Verena Howanietz.

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Am Gartencenter Pötschke vorbei führt der Overberger Weg gen Kellerkopf. Autofahrer nutzen die schmalen Straßen in Hengsen als Abkürzung statt der offiziellen Umleitung. © Greis

Bis Mitte 2020 will Straßen.NRW das A1-Brückenbauwerk erneuert haben. Was Vollsperrungen der Sölder Straße angeht, hat Sprecher Oscar Santos in dem Zuge positive Nachrichten: „Nach dieser Sperrung muss die Straße voraussichtlich nur noch einmal kurzzeitig gesperrt werden.“ Das sei dann der Fall, wenn die Fertigteile der Brücke auf die entsprechenden Widerlager gesetzt werden. „Das wird an einem Wochenende passieren und bestenfalls nur zwei Tage dauern“, sagt Santos.

Zur Sache

Brücke hielt Belastungen nicht stand

Die A1-Brücke muss erneuert werden, weil sie der gestiegenen Lkw-Belastung nicht mehr gewachsen war. Wegen großer Risse in den Widerlagern muss sie abgerissen und komplett neu gebaut werden. Insgesamt hat Straßen.NRW rund 6,15 Millionen Euro dafür kalkuliert. 2020 soll die Brücke fertig sein.

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